Klimaschutz heißt Kohleausstieg

Zukunft ohne Braunkohle

Vattenfall hat seine Braunkohlesparte in der Lausitz an den zweifelhaften tschechischen Investor EPH verkauft – fatal für Klima- und Umweltschutz.

Kohle muss im Boden bleiben

Die Klimawissenschaft ist eindeutig: 80 Prozent der Kohlevorräte müssen im Boden bleiben, wollen wir den Temperaturanstieg unter der kritischen Grenze von zwei Grad halten. Die Kritik am Kohlegeschäft wird auch hierzulande immer lauter.

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Der schwedische Energieversorger Vattenfall hat daraus die Konsequenzen gezogen -  nicht etwa in Form von Abschaltung seiner Kohlesparte, sondern durch ihren Verkauf. Der neue Eigner EPH will weiterbaggern - dem Klima ist damit nicht geholfen. 

Als die Wissenschaftler des Weltklimarats 2014 untersuchten, ob die menschgemachte Erwärmung noch unter der kritischen Grenze von zwei Grad gehalten werden kann, kamen sie zu einer ermutigenden Antwort: Ja, das Zwei-Grad-Ziel ist zu erreichen. Aber es erfordert einen raschen Abschied von fossilen Energien. Um den CO2-Ausstoß so schnell wie nötig zu senken, müssen vier Fünftel der Kohlevorräte unter der Erde bleiben. Ganz besonders gilt dies für Braunkohle, deren Verbrennung mehr CO2 erzeugt, als jeder andere fossile Energieträger. Deshalb fordert Greenpeace den Ausstieg aus der Kohle und den Umstieg auf die zukunftsfähigen Erneuerbaren Energien.

Vattenfall hat sich aus der Verantwortung gestohlen

Das ist eine Herausforderung für Deutschland. Schließlich fördert kein Land der Erde mehr Braunkohle. Und der Konzern Vattenfall, der bis vor Kurzem in Brandenburg und Sachsen fünf Tagebaue und 14 Kohlemeiler betrieb und eine Reihe weiterer Gruben öffnen wollte, hat dafür gesorgt, dass der Klima-Irrsinn weitergeht. Er verkaufte das Geschäft an den tschechischen Investor EPH. Dieser will weiter an der Braunkohle verdienen. Eröffnet er die neuen Gruben, werden durch deren Bau und Bewirtschaftung nicht nur Hunderte Millionen Tonnen zusätzlicher Treibhausgase entstehen, sondern auch über 3000 Menschen ihre Heimat verlieren. Seit dem 01. Oktober 2016 ist EPH offiziell Eigentümer der Lausitzer Gruben und Kraftwerke. Der neue Firmenname: LEAG (Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG). Der Hauptsitz wird nach Firmenangaben Cottbus sein.

Greenpeace protestierte schon 2014 gemeinsam mit mehr als 7500 Menschen mit einer Anti-Kohle-Kette in der Lausitz gegen die damaligen Vattenfall-Pläne. Außerdem haben mehr als 300.000 Menschen die gemeinsame Petition von Greenpeace, Bund, NABU, Oxfam, 350.org und Klimaallianz gegen den weiteren Kohleabbau unterschrieben. 

Kritik am schmutzigen Kohlegeschäft

Der tschechische Konzern EPH gehört zum größten Teil Aktionären, die hinter Offshore-Firmen auf Zypern stehen. Er zeichnet sich durch verschachtelte, schwer nachvollziehbare Unternehmensstrukturen aus, die ausschließlich auf Gewinnabschöpfung und rücksichtslose Ausbeutung der Braunkohlevorkommen ausgerichtet sind. 

EPH geht von einer Zukunft der Braunkohle aus - eine schlechte Nachricht für den Klimaschutz, weil der Konzern aus dem Revier noch jahrzehntelang alles rausholen dürfte, was die Braunkohle bietet. Es ist auch eine schlechte Nachricht für die Lausitz, weil nicht nur ihre Klimabilanz sondern auch ihre Landschaft für weitere Tagebaue zerstört würde. Und es ist eine schlechte Nachricht für die Steuerzahler, wenn EPH wie bereits im Falle des konzerneigenen Unternehmens Mibrag die Mittel für die Rekultivierung der Tagebaue drastisch kürzt. Die hohen Kosten bleiben dann im Zweifelsfall am Staat hängen.

Braunkohle: Geschäft voller Risiken

Braunkohle ist ein Geschäft mit erheblichen Risiken. Weil der Anteil der Erneuerbaren im deutschen Strommix kontinuierlich steigt, passen unflexible Braunkohlekraftwerke immer weniger zu den Bedürfnissen der Energiewende. Entsprechend sinkt ihre Auslastung und damit die Profitabilität.

Wir alle müssen mit den Folgen der Braunkohleverstromung leben. Aus den Schloten der Kraftwerke quellen riesige Mengen Feinstaub, Stickoxid und Kohlenmonoxid, die sich über viele Hundert Kilometer verbreiten und Asthma- und Herzkreislauferkrankungen verstärken. Das Nervengift Quecksilber, das in Deutschland zu zwei Dritteln aus Kohlekraftwerken stammt, verbreitet sich sogar noch weiträumiger. Und es kommt über die Nahrungskette – durch den Verzehr von Fisch – zurück auf unsere Teller. Doch für die Gesundheitsfolgen all dieser Stoffe kommen die Kraftwerksbetreiber so wenig auf, wie für die immer deutlicher spürbaren Folgen des Klimawandels, den sie befeuern.

Die gesellschaftliche Akzeptanz für weitere Tagebaue fehlt ohnehin. Immer mehr Menschen verstehen: Klimaschutz braucht den Kohleausstieg. Die Klimakonferenz in Paris Ende 2015 hat die Diskussion weiter befeuert - und auch die 2016 erwarteten Klimaziele für den Energiesektor bis zum Jahr 2050 werden dies tun. Die Kohlelobby führt ein aussichtsloses Rückzugsgefecht.

Denn anders als früher ist Strom aus Braunkohle in Zeiten der fortschreitenden Energiewende längst nicht mehr alternativlos. Da weitere Tagebaue, deren Kohle frühestens ab den späten 20er Jahren verfeuert werden würde, energiepolitisch nicht mehr nötig sind, greift die Rechtfertigung von Umsiedlungen mit dem Verweis auf das Gemeinwohl nicht mehr. Das stärkt auch den Widerstand in der Region. Wer möchte zusehen, wie die eigene Heimat weggefräst wird, für Braunkohle, die keiner mehr braucht?

Es geht längst nicht mehr darum, ob wir aus der Kohle aussteigen. Den Ausstieg hat Kanzlerin Angela Merkel bereits mit ihrem Dekarbonisierungsversprechen beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau angekündigt. Es geht nur noch darum, wie schnell wir aussteigen.

Wenn Angela Merkel es mit dem Klimaschutz ernst meint,  dann muss sie ihn auch politisch in die Wege leiten. Jetzt besteht die Chance den ohnehin nicht aufzuhaltenden Strukturwandel in der Lausitz politisch zu gestalten. Die Bundesregierung und die Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen müssen die Übertragung der Bergrechte an den tschechischen Investor EPH an Bedingungen knüpfen, die mit den nationalen Klimazielen einhergehen. Ein Großteil der Braunkohle muss im Boden bleiben! 

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Häufig gestellte Fragen

  • Welche Auswirkungen hat die Verbrennung von Braunkohle?

    Die Braunkohleverbrennung trägt maßgeblich zum Klimawandel bei. In Deutschland stammen rund 20% aller CO2-Emissionen aus Braunkohlekraftwerken. Dabei sind sie noch nicht einmal effizient: Nicht einmal die Hälfte der in der Kohle enthaltenen Energie wird in Strom umgewandelt. Pro Kilowattstunde werden 1140g CO2 ausgestoßen, damit ist die Braunkohle der klimaschädlichste aller Energieträger überhaupt.

  • Warum boomt die Braunkohle trotz Energiewende?

    Weil auf dem Energiemarkt nicht gilt, was in jedem Park selbstverständlich ist: Wer Dreck macht, muss dafür bezahlen. Braunkohlekraftwerke machen sehr viel Dreck, aber sie zahlen kaum etwas dafür. Eine Tonne CO2 in die Luft zu blasen kostet die Kohleindustrie kaum mehr als ein Päckchen Zigaretten und die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Feinstäube, Schwefeldioxide und für Giftstoffe wie Quecksilber sind so lax, dass den Kraftwerken der Anreiz fehlt, sauberer zu werden. Die Gesundheits- und Klimafolgen aber zahlen nicht die Energiekonzerne sondern wir alle.

  • Wie wirkt sich der Kohleboom auf Deutschlands Klimaziele aus?

    Ohne dass Kohlekraftwerke vom Netz gehen, wird Deutschland sein Klimaziel für 2020 – minus 40 Prozent CO2 im Vergleich zu 1990 – verfehlen. Nirgends lassen sich so rasch große Mengen CO2 einsparen wie bei Kohlekraftwerken und nirgends ist es so gut zu verkraften. Schon heute exportiert Deutschland einen großen Teil seines Kohlestroms ins Ausland, weil er hier nicht mehr gebraucht wird.

  • Forderungen

    • Keine neuen Braunkohletagebaue
    • Keine neuen Kohlekraftwerke
    • Kohleausstieg bis spätestens 2030

    Ursachen des Klimawandels

    Publikationen

    Publikationen

    Vattenfalls Chance

    Eine Studie durchgeführt vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung: Eine Zukunft für die Lausitz ohne Braunkohle.