Neue Greenpeace Studie zu Feuern in Indonesien und Palmöl-Industrie

Versprechen in Rauch aufgelöst

In Indonesien brennen die Wälder. Große Konsumgüterhersteller wie Unilever und Nestlé beziehen Palmöl von an den Feuern beteiligten Erzeugern, zeigt ein neuer Greenpeace-Report.

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Der Himmel über Zentral-Sumatra ist rot. Dichter Rauch liegt in der Luft. Denn an unzähligen Stellen brennen die Wälder in Indonesien. Die beiden Regionen Sumatra und Borneo, auch als Kalimantan bekannt, sind am schlimmsten betroffen. Offizielle Schätzungen gehen von insgesamt mehr als 300.000 Hektar Brandfläche aus - mehr als viermal die Größe Hamburgs.

Der Qualm der Feuer nimmt den Menschen vor Ort die Luft zum Atmen. 2019 haben die Brände nach offiziellen Schätzungen indonesischer Behörden zu akuten Atemwegserkrankungen bei mehr als 900.000 Menschen in Indonesien geführt. UNICEF schätzt, dass knapp 10 Millionen Kinder in der Region dem Risiko lebenslanger Gesundheitsschäden ausgesetzt sind. Vor allem Jugendliche, ältere und kranke Menschen leiden unter dem dichten Rauch. 

Die Spur der Verantwortung führt zu großen Lebensmittelunternehmen

Die Konsumgüterunternehmen Unilever, Mondelez, Nestlé und Procter & Gamble (P&G) stehen mit den katastrophalen Bränden in Indonesien in Verbindung. Das zeigt eine heute von Greenpeace International veröffentlichte Studie. Denn diese Unternehmen sowie führende Palmölhändler Cargill, Wilmar, Musim Mas und GAR kaufen Palmöl von Produzenten, auf deren Flächen eine Vielzahl von Feuern dokumentiert wurde. 

Warum sind diese Unternehmen besonders relevant?

Unilever, Mondelez, Nestlé und P&G gehören zu den führenden Konsumgüterherstellern und weltweit größten Palmölabnehmern. Die Händler Cargill, Wilmar, Musim Mas und GAR kontrollieren mehr als drei Viertel des weltweit gehandelten Palmöls und liefern an unzählige weitere Verbrauchermarken. Sie haben sich alle verpflichtet, Waldzerstörung bis 2020 aus ihren Lieferketten zu beseitigen. Versprechen, die das Papier nicht wert sind, auf denen sie unterzeichnet wurden. Verpflichtungen, die sich im Rauch der Feuer in Luft auflösen.

Was zeigt, dass freiwillige Selbstverpflichtungen nicht ausreichen und nur wirksame Gesetze dafür sorgen können, dass Firmen Umwelt und Menschenrechte achten.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie?

  • Alle Unternehmen kaufen Palmöl von Plantagen, gegen die im Zusammenhang mit den diesjährigen Feuern sowie den Feuern der vergangenen Jahre ermittelt wird
  • Nestlé beispielsweise bezieht Palmöl von 21 Konzessionen, die von der indonesischen Regierung aufgrund laufender Ermittlungsverfahren vorerst stillgelegt wurden. Dies bedeutet, dass auf diesen Flächen jegliche Aktivität untersagt ist, um beispielsweise die Beseitigung von Beweisen zu verhindern. Unilever und Mondelez beziehen Palmöl von 20 bzw. 10 solcher Konzessionen
  • Über ihre Lieferketten stehen die vier Unternehmen mit bis zu 10.000 Feuer-Hotspots in Verbindung:  Mondelez (9.900), Nestlé (9.400), Unilever (8.900) und P&G (8.400)
  • Es gibt 30 Erzeugergemeinschaften, die am stärksten mit den wiederholten Bränden in Indonesien verbunden sind.  Das bedeutet, dass sie mehr als 250 Feuerstellen in diesem Jahr und/oder die größten Brandflächen von 2015 bis 2018 aufweisen. Alle dieser Erzeugergemeinschaften handeln Palmöl auf dem Weltmarkt. Mondelez und Nestlé kaufen von 28 dieser Gruppen, Unilever von mindestens 27 und P&G von mindestens 22.
  • Unilever, Mondelez, Nestlé und P&G werden von Palmöl-Produzentengruppen beliefert, die für 150.000-190.000 Hektar verbrannter Fläche zwischen 2015 und 2018 verantwortlich sind.
  • Wilmar - der weltgrößte Palmölhändler - hat Verbindungen zu fast 8.000 Feuer-Hotspots in der Region in 2019 und zu 140.000 Hektar verbrannter Fläche in Indonesien zwischen 2015 und 2018.

Mehr als zwei Drittel der Erzeugergemeinschaften, die am stärksten mit wiederkehrenden Bränden in Verbindung stehen, verfügen über Mitgliedschaft im Runden Tisch für sogenanntes „nachhaltiges“ Palmöl (RSPO). Dies ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Akteuren im Palmölsektor und sollte eigentlich dafür sorgen, die Palmölproduktion ökologisch und sozial verantwortungsbewusster zu gestalten. Leider ist der RSPO auch 15 Jahre nach seiner Gründung weit davon entfernt, sicherzustellen, dass seine Mitgliedsfirmen nicht mit Waldzerstörung und Feuern in Verbindung stehen.

>>> Unterschreiben Sie die Petition zum Lieferkettengesetz

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