Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

L’Oreal verbannt nicht-nachhaltiges Palmöl

Sie sind es sich endlich wert – der weltweit größte Konzern für Beauty- und Kosmetikprodukte hat sich ehrgeizigere Ziele beim Waldschutz gesetzt. Bis zum Jahr 2020 will L’Oreal nicht-nachhaltiges Palmöl aus all seinen Produkten verbannt haben. In einem ersten Schritt will der Konzern bis zum Jahr 2015 für Transparenz in seiner Lieferkette sorgen: Die Herkunft des verwendeten Palmöls soll komplett nachvollziehbar sein. Es wird nach Angaben von L’Oreal aufgrund seiner Eigenschaften als Weichmacher größtenteils in Haut- und Haarpflegeprodukten verwendet.

  • /

„Das Versprechen von L‘Oreal ist nicht nur ein Erfolg für unsere Arbeit zum Schutz der Wälder, sondern auch für Verbraucher und Kunden, die keine Produkte aus Waldzerstörung kaufen möchten“, sagt Gesche Jürgens, Waldexpertin von Greenpeace.  „Man darf jedoch trotzdem nicht vergessen, dass L’Oreal  sechs Jahre Zeit hat, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Anhand offiziellen Kartenmaterials können wir nachvollziehen, dass in Indonesien jährlich rund 620.000 Hektar wertvoller Regenwald zerstört werden. Der Klimawandel schreitet voran, die Uhr für viele bedrohte Arten tickt. Die neue Palmölstrategie ist ein guter Schritt, aber wir drängen darauf, dass L’Oreal die Beine in die Hand nimmt und diese deutlich vor 2020 vollständig umsetzt“, so Jürgens. 

Das „Zero Deforestation“-Versprechen von L’Oreal

Auf kritische Nachfragen verwies L’Oreal bisher darauf, RSPO-zertifiziertes Palmöl zu beziehen. RSPO ist das Kürzel  für den Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl, dessen Nachhaltigkeitskriterien Greenpeace als viel zu schwach einstuft. (mehr zur Greenpeace-Kritik am RSPO hier. Zukünftig will L’Oreal seinen Palmöl-Zulieferern strengere  Bedingungen stellen: Alle Stufen der Lieferkette müssen nachvollziehbar sein bis zur jeweiligen Plantage oder zum Verarbeitungsstandort. Der Kosmetikkonzern will zukünftig zunehmend mit Zulieferern zusammenarbeiten, die verantwortungsbewusste Geschäftspraktiken garantieren können, u.a. folgende Aspekte erfüllen:
- Die Einhaltung von Gesetzen, insbesondere Anti-Korruptions-Gesetze und Landbesitzrechte
- Der Umgang mit der indigenen Bevölkerung und lokalen Gemeinden, die von dem Anbau neuer Plantagen betroffen wären. Darunter fallen die Einhaltung von  Arbeiterrechten als auch besondere Kooperationen mit den Gemeinden und Kleinbauern
- Der Schutz und die Wiederherstellung von besonders schützenswerten Flächen und Wäldern mit hohem Kohlenstoffvorrat bei der Expansion von Palmölplantagen
- Der Verzicht, Torfböden für den Anbau neuer Plantagen umzuwandeln sowie den Schutz von Torfböden in bestehenden Plantagen

Palmölabnehmer und Produzenten mit Vorbildfunktion

Mit seinem heutigen Versprechen folgt L’Oreal dem Beispiel von Konzernen wie Nestle, Unilever und Ferrero, die sich auf Druck von Umweltschutzorganisationen und Verbrauchern zu einem Null-Entwaldungs-Prinzip verpflichtet haben. Es bleibt spannend, ob große Palmölabnehmer wie Procter&Gamble oder Colgate Palmolive nachziehen werden.  Greenpeace hatte zuletzt in einem Report nachgewiesen, dass diese Firmen in das Geschäft mit dreckigem Palmöl verstrickt sind mit katastrophalen Folgen für bedrohte Tierarten wie dem Sumatra-Tiger, dessen Lebensraum schwindet. Doch auch der Palmölsektor bewegt sich langsam -  dafür sorgte auch das Einlenken von Wilmar International, dem größten internationalen Palmölhändler. 

Der größte Teil der Regenwaldzerstörung in Indonesien geht auf das Konto der Palmölindustrie. Das Problem weitet sich aus – auch in Neu Guinea und in Afrika sorgt die Ausbreitung von Palmölplantagen bereits zunehmend für Konflikte mit den lokalen Gemeinden und bedroht die Wälder.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Zehntausende stehen zusammen

Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demo im Rheinischen Revier: Zehntausende protestieren am Hambacher Wald für Klimaschutz – und feiern den vorläufigen Rodungsstopp.

Der Wald bleibt – vorerst

RWE darf im Hambacher Wald nicht roden, entschied das Oberverwaltungsgericht Münster in einem Eilbeschluss. Bis zur endgültigen Entscheidung könnte es Jahre dauern.

Gradwanderungen

Die Erderhitzung lässt sich bei 1,5 Grad stoppen, doch auch das wird die Welt verändern, so der Weltklimarat. Über dessen neuen Bericht spricht Greenpeace-Experte Christoph Thies.