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Geschützter russischer Wald durch Autobahnbau bedroht

Das russische Naturschutzgebiet Chimki ist derzeit durch den geplanten Bau einer Autobahn bedroht. Wie Recherchen ergaben, fußt die Baugenehmigung auf massiver Korruption und ist somit illegal.

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Über 20.000 Unterstützer aus rund 160 Ländern der Welt haben bislang an der Online-Petition für den Erhalt des Waldes teilgenommen und diese der Baufirma Vinci auf ihrer Hauptversammlung in Paris am gestrigen 2. Mai 2011 vorgelegt. Der französische Baukonzern Vinci ist ein führender Autobahnbetreiber in Europa.

Seit Sommer 2010, als das Bauprojekt startete, hatten sich immer wieder friedliche Aktivisten im Chimki-Wald zusammengefunden, gegen die jedoch mit illegalen und menschenrechtsverachtenden Methoden vorgegangen wurde: Die Kampagne zur Rettung des Waldes führte zu Dutzenden von Prügelattacken und Verletzungen, Brandstiftung gegen Anwohner und Aktivisten und sogar Mord.

Geplant ist eine mautpflichtige Autobahn zwischen Moskau und St. Petersburg, die einen acht Kilometer langen Abschnitt durch den Chimki-Wald beinhalten soll. Das insgesamt 1.600 Hektar große Naturschutzgebiet mit artenreicher Flora und Fauna bietet natürlichen Lebensraum für Elche, Wildschweine und andere Tiere. Nach den Gesetzen der Russischen Föderation dienen solche Waldgebiete ausschließlich der Erholung.

Es gibt Alternativen

Das Bauprojekt basiert, wie Transparency International herausfand, außerdem auf Korruption, Gesetzesverstößen und der illegalen Nutzung und Unwidmung von Waldflächen. Laut Gesetz ist die Nutzung der Fläche nur dann erlaubt, wenn es keine Alternative für den Straßenverlauf gibt (vgl. Art. 11 Bundesgesetz Nr. 172-FZ vom 21. Dezember 2004 Über die Übertragung von Landnutzungskategorien). Recherchen haben jedoch gezeigt: Es gibt tatsächlich elf andere Möglichkeiten für den Verlauf der Autobahntrasse. Die Strecke durch den Chimki-Wald wurde also offenbar unrechtmäßig genehmigt. Die russische Regierung weigert sich jedoch, die gewählte Autobahntrasse zu ändern, da im Fall einer Änderung hohe Vertragsstrafen an die Firma Vinci zu zahlen seien. Daher ist momentan das Unternehmen Vinci (zumindest offiziell) der Hauptgrund dafür, dass keine der besseren Lösungen gewählt wird.

Erschreckende Ereignisse - ausgerechnet im Internationalen Jahr der Wälder. Bisher wurden 1,5 Prozent der Gesamtfläche des Chimki-Waldes durch die Vorbereitung der Straßenbauarbeiten beschädigt. Werden die Fällarbeiten jedoch sofort eingestellt, kann das Ökosystem des Waldes diesen Schaden ohne größere Beeinträchtigungen überstehen. Die Straße wird eine Spur der Zerstörung nach sich ziehen, sagt Greenpeace-Biologin Andrea Cederquist. Straßenbau ist oft der Anfang des Endes für viele Waldgebiete, denn darauf folgt die Erschließung des Waldgebietes zum Beispiel für landwirtschaftliche Flächen oder für Bauland. Es gilt also: Jetzt noch rechtzeitig handeln!

Greenpeace fordert sofortigen Baustopp

Was heißt das konkret? Greenpeace fordert die Baufirma Vinci auf, sich umgehend aus dem Projekt zurückzuziehen oder den Baubeginn zu verweigern, bis sich die russische Regierung für eine alternative Trasse ohne Zerstörung des Chimki-Waldes entscheidet und sich mit den Menschenrechtsverletzungen befasst, die bereits vorgefallen sind. Die russische Regierung mit Präsident Medwedew an ihrer Spitze muss das ökonomisch, sozial und ökologisch keineswegs nachhaltige Straßenbauprojekt auf der Stelle stoppen und eine der elf alternativen Streckeführungen in Betracht ziehen.

Unterzeichnen auch Sie die Petition zum Schutz des Chimki-Waldes.

(Autorin: Lena Küpper)

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