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Aufgehetzte Holzfäller machen Stunk

Die Gefahr für die Greenpeacer in Amazonien steigt: Am Sonntag versammelten sich rund 300 Holzfäller und bedrohten die Crew der Arctic Sunrise. Zuvor waren sie über Radio gegen Greenpeace aufgehetzt worden. Hinter dieser Drohgebärde stecken die Holzfirmen, die in der Provinz Pará mit illegalem Einschlag von Urwaldholz das große Geld verdienen. Sie fühlen sich durch Greenpeace extrem gestört.

Die Holzfäller waren durch Beiträge eines örtlichen Radiosenders aufgestachelt worden. Der Sender befindet sich im Besitz des Bürgermeisters der Kleinstadt Porto de Moz. Zufälligerweise handelt es sich dabei auch um den Verantwortlichen für die größten Abholzungsgebiete in der Gegend. Um den Holzfällern ihren Protest zu versüßen, ließ er übers Radio verkünden, dass er für die Unmutsbekundung Treibstoff und T-Shirts spendiere. Außerdem soll Alkohol ausgeschenkt worden sein.

Ein Weiteres tat eine aufpeitschende Rede des Bundes-Deputierten Nicias Ribeiro. Er bezeichnete im Radiosender des Bürgermeisters die Holzfäller als Memmen und ohne jeden Mumm, wenn es ihnen nicht gelänge, Greenpeace aus der Gegend zu vertreiben.

Rund 300 Holzfäller bestiegen daraufhin 17 Boote und zwei Lastkähne. Sie kreisten die Arctic Sunrise ein, und das Greenpeace-Schiff wurde von einem Boot gerammt. Die Greenpeacer an Bord waren mehrmals gezwungen gewagte Kaperversuche abzuwehren.

Tracy Frauzel, Greenpeace-Internetredakteurin auf der Arctic Sunrise, verurteilte den Angriff und sagte: Es gibt da einen fundamentalen Unterschied - Greenpeace kann auf eine 30-jährige Geschichte des friedvollen Protestes zurückblicken. Die Geschichte der Holzfäller in dieser Gegend besteht jedoch aus Gewalt und Todesdrohungen.

Die Holzarbeiter beschuldigen Greenpeace und die brasilianische Umweltbehörde IBAMA für wirtschaftliches Chaos in der Region zu sorgen, da Holzfällarbeiten die Haupteinnahmequelle der Menschen seien. Diese ruhen zurzeit jedoch, da die IBAMA seit der vergangenen Woche verstärkt das Einhalten der Urwaldschutzbestimmungen fordert und überprüft.

Während die brasilianische Bundesregierung den illegalen Kahlschlag im Regenwald untersucht, setzt sich eine örtliche Bewegung dafür ein, das Gebiet zu einer geschützten Zone zu erklären: Verde para Sempre (Für immer Grün). Eine Versammlung der Umweltbewegung erhielt eine telefonische Drohung, während sich die Greenpeacer auf dem Fluss mit den Holzfällern auseinander setzten. Man drohte das Haus in Brand setzen zu wollen.

Die Umweltschützer suchten daraufhin Schutz in der Kirche von Porto de Moz. Als die Greenpeacer davon erfuhren, beschlossenen sie sich vorübergehend aus der Konfliktzone zurückzuziehen. Dadurch konnten sich die an Bord gekommenen Polizisten um die Versammlungsmitglieder an Land kümmern.

Pará fährt fort, das Rudel der Gesetzlosen im Amazonasgebiet anzuführen, kommentierte Paulo Adario, Waldexperte bei Greenpeace an Bord der Arctic Sunrise die Geschehnisse. Anstatt die brasilianischen Gesetze zu beachten, fordern die Holzfäller aggressiv, dass sich die Regierung heraushalten soll. Sie soll zusehen, wie die Holzfäller weiterhin unbestraft den Urwald zerstören.

Wenn diese Gesetzeslosigkeit nicht schleunigst beendet wird, so Adario weiter, und wenn die Regierung in Brasilia nicht bald geschützte Zonen einrichtet, wird der noch verbliebene Urwald ebenfalls dem illegalen Einschlag zum Opfer fallen. Die Regierung muss jetzt sofort handeln.

Die Umweltschützer der Verde para Sempre-Bewegung haben inzwischen die Greenpeacer aufgefordert vor Ort zu bleiben und ihre Arbeit für die Errichtung einer geschützten Urwaldzone weiter zu unterstützen.

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