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Zukunft ehrenamtlicher Arbeit

Greenpeace in der Fußgängerzone, Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten in Schlauchbooten oder Greenpeace auf einem Gen-Maisfeld: Wer sind die Menschen in diesen typischen Zusammenhängen, an deren Gesichter wir uns nur flüchtig erinnern können? Hauptsächlich so genannte Ehrenamtliche. Zu der Bedeutung der ehrenamtlichen Mitarbeit bei Greenpeace sprachen wir mit Dietmar Kress, dem Leiter des Netzwerkes.

Greenpeace Online: Wie sähe die Greenpeace-Arbeit aus, wenn es die Ehrenamtlichen nicht gäbe?

Dietmar Kress: Wir würden sehr viel weniger direkte Kommunikation in der Öffentlichkeit haben. Die Ehrenamtlichen bringen den großen Vorteil mit, dass sie auf der Straße, in der Schule, oder bei Ausstellungen und Messen Leute direkt ansprechen können. Die Chance haben wir sonst nicht. Und Ehrenamtliche stellen, wir zählen das jedes Jahr nach, im Durchschnitt 4000 Aktivitäten vor Ort in Deutschland auf die Beine. Jede Gruppe ist alle vier Wochen auf der Straße, alle sechs Wochen bei einem Vortrag. Außerdem nehmen sie an nationalen und internationalen Aktivitäten teil.

Man kann also sagen, die Greenpeace-Arbeit hätte ohne Ehrenamtliche ein ganz anderes Gesicht in der Öffentlichkeit. Wir glauben, der Umstand, dass wir so viele aktive ehrenamtliche Mitmacher haben, führt dazu, dass wir eine der höchsten Fördererzahlen aller Greenpeace Büros weltweit haben. Das führt dazu, dass in Deutschland ein ständiges Bewusstsein für Umwelt hoch gehalten wird. Diese Zusammenarbeit also macht das Bild von Greenpeace Deutschland aus.

Greenpeace Online: Wie viele Menschen betätigen sich denn ehrenamtlich für Greenpeace?

Dietmar Kress: Die Aktiven in den Jugendgruppen, die Erwachsenen und die Mitglieder der Teams 50plus ergeben rund 2000 Personen, die quer gestreut in ganz Deutschland in 85 Städten ehrenamtlich arbeiten. Extra dazu kommen die Greenteams. Das sind etwa 9000 Kinder in 1700 Teams. Die haben den eigenen Namen Greenteam, weil sie dadurch ihre ganz eigenen Themen machen können. Ob es nun die Müllgeschichte ist an der Schule oder das Verkehrsaufkommen in der Heimatgemeinde. Greenpeace-Gruppen, die den Namen Greenpeace haben, genauso wie bei Greenpeace Deutschland selbst, beschränken sich auf die klassischen Themen, wie bei Greenpeace International.

Greenpeace Online: Bei so vielen ehrenamtlich arbeitenden Menschen braucht man doch organisatorische Strukturen. Wie sehen die bei Greenpeace in Deutschland aus?

Dietmar Kress: Wir haben hier im Elbspeicher in Hamburg einen sehr großen Bereich, der sich um Ehrenamtliche kümmert. Insgesamt 13 Hauptamtliche arbeiten im Netzwerk. Dazu kommen einige Honorarkräfte, die sich speziell um die einzelnen Alterszielgruppen kümmern: Darunter sind fünf Personen allein für die Kinder- und Jugendarbeit, aber auch drei für die Erwachsenen und eine für die Teams 50Plus.

Wir setzten einen großen Schwerpunkt darauf, ehrenamtliche Arbeit vor Ort zu unterstützen. Wir gehen davon aus, dass die Bereitschaft sich bei GP zu engagieren, aus dem Zusammenschluss von uns hier in Hamburg und den Greenpeace-Ehrenamtlichen ergibt.

Greenpeace Online: Kommen für die ehrenamtliche Arbeit bei Greenpeace nur bestimmte Menschen in Frage?

Dietmar Kress: Menschen, die von sich aus sagen, ich will mich miteinbringen, ich will meine Freizeit für etwas Sinnvolles geben. Denn dahinter stecken zwei Komponenten: Das eine ist ein großes Verantwortungsbewusstsein und das andere ein großes Vertrauen in die Organisation. Leute die das mitbringen und uns dann auch noch ihre Zeit schenken, vor denen haben wir großen Respekt. Bei uns wird einiges an Strukturen und Dingen geboten, aber das Engagement muss man selbst mitbringen.

Greenpeace Online: Was für Dinge werden geboten

Dietmar Kress: Wir bieten allein pro Jahr 90 Weiterbildungsveranstaltungen für Ehrenamtliche. Man kann trainieren Wie spreche ich auf Podiumsdiskussionen, Wie kann ich mit Leuten am Messestand reden, Wie fährt man gut Schlauchboot. Das ist nur ein Ausschnitt. Entscheidend ist: Es gibt vielfältige Möglichkeiten, wo Ehrenamtlichen auch für sich selbst was mitnehmen können, die Trainingsangebote aber auch direkt und kreativ in der Umweltarbeit einsetzen können.

Greenpeace Online: Wo haben denn Ehrenamtliche zuletzt für Greenpeace Präsenz gezeigt?

Dietmar Kress: Auf internationaler Ebene nutzten Kinder und Jugendliche im Februar die Möglichkeit sich direkt bei den Leuten zu Wort zu melden, die Politik verantworten. 50 Kinder aus 13 ländern nahmen an einer großen Artenschutzkonferenz in Malaysia teil. Sie haben da ordentlich für Wirbel gesorgt.

Greenpeace Online: Wodurch zeigt Greenpeace seine Anerkennung der ehrenamtlich erbrachten Leistung?

Dietmar Kress: Also Anerkennung ist eins der wichtigsten Stichwörter in der ehrenamtlichen Arbeit. Ehrenamtliche, die sich in irgendeinem Verein oder einer Organisation engagieren wollen, brauchen, und das zu Recht, Anerkennung. Anerkennung gibt es auf mehreren Ebenen, die erste Anerkennung die wir Ehrenamtlichen zollen ist: Respekt. Respekt davor dass uns Menschen ihre Zeit schenken. Das ist das wertvollste, was man überhaupt von Ehrenamtlichen bekommen kann. Und dieser Respekt zeigt sich eben darin, dass wir so viele Weiterbildungsangebote geben, die der Ehrenamtliche auch für sich selbst nutzen kann.

Wir haben eine weitere Anerkennungsform, wenn man so will, indem wir junge Menschen hier in Hamburg Praktika machen lassen - und das sind viele im Jahr. Aber auch das freiwillige ökologische Jahr, das wir anbieten. Das heißt, wir geben Menschen, die sich zwischen Schule und Studium befinden, einen Einblick in unsere Arbeit. Damit ist Greenpeace nicht nur ein Arbeitgeber, sondern bietet so den Einstieg für viele Ehrenamtliche in die Umweltarbeit.

Greenpeace Online: Hat die Ehrenamtliche Tätigkeit bei GP eine Zukunft?

Dietmar Kress: Der nächste große Schritt, den wir vorhaben, ist die Internationalisierung von ehrenamtlicher Tätigkeit. Darin liegt die Zukunft und das nennen wir 'Globalisierung'. Globalisierung kann nicht nur auf der wirtschaftlichen Ebene stattfinden, sondern muss sich auch auf der sozialen Ebene wieder finden.

Greenpeace ist die internationale umweltpolitische Organisation par excellence. Es gibt kaum andere, die sich international so gut aufgestellt sehen wie wir. Da liegt im Moment die größte Aufgabe und auch die größte Herausforderung für das deutsche Greenpeace-Büro. Wir haben sehr viel Erfahrung, wir haben sehr viele Möglichkeiten und wir haben sehr viel Know How, um in anderen Ländern zu arbeiten.

Mehr Hintergründe zur ehrenamtlichen Arbeit der Gruppen (765 kb).

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