Naturparadies Antarktis

Der Kontinent am Südpol ist eine Welt in Weiß, ein extremer Lebensraum mit einer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt und eine der größten Naturregionen unserer Erde.
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Welch ein Bild muss sich den ersten Seefahrern geboten haben, die im 18. und 19. Jahrhundert an den Küsten des Südpolarmeers anlegten. Albatrosse und Sturmvögel umkreisen die Schiffe, Hunderttausende von Pelzrobben drängeln sich ohne jede Menschenscheu auf den Felsen, riesige Pinguinkolonien watscheln im Einheitsmarsch zur Jagd ins Meer, Blauwale und Schulen von Schwertwalen tauchen majestätisch zwischen den Eisbergen auf. Bis 2300 Meter hoch türmen sich auf dem Festland die Eismassen. Gigantische Tafeleisberge kalben mit Getöse ins Meer und machen sich auf den Weg nach Norden; in Silber-, Grün- und Blautönen schimmernd, oft zu bizarren Türmen und Spitzen geformt.

"Lang betrachtete ich den Himmel. Ich kam zu dem Schluss, dass solche Herrlichkeit auf weit entfernte und gefährliche Regionen beschränkt sein muss. Die Natur hat gute Gründe, denjenigen, die das Schicksal bestimmt hat, dieses mit eigenen Augen zu sehen, große Opfer abzuverlangen", schrieb Admiral E. Byrd-Alone 1938 beim Anblick der antarktischen Küste.

Der kälteste Ort und die stärksten Stürme der Welt

In der Antarktis gibt es die mit über 300 Stundenkilometern stärksten Stürme der Welt. Um von Punta Arenas in Chile/Südamerika bis zur antarktischen Halbinsel zu gelangen, muss ein Schiff etwa 1.000 Kilometer weit den antarktischen Zirkumpolarstrom, auch Ringströmung genannt, durchqueren, ein ständig stürmisches Gebiet, das die gesamte Antarktis umgibt. In der Region angekommen trifft man auf jene gewaltigen Tafeleisberge, die von den Schelfeisgebieten an den Küsten kalben. Diese werden von Gletschern und riesigen, bis zu 800 Kilometer langen Eisströmen aus dem Inland gespeist. Mehr als drei Viertel der weltweiten Süßwasservorräte sind in den Eismassen des Festlands gebunden.

Es ist sehr trocken. Im Jahresdurchschnitt fallen gerade einmal 50 Millimeter Niederschlag, so viel wie in der Sahara. Und es ist extrem kalt. An der russischen Antarktis-Station Vostok, Hunderte von Kilometern im Inneren des Kontinents, wurde der Kälterekord von fast minus 90 Grad gemessen. Im Winter herrscht „ewige“ Nacht, im Sommer bleibt es fast durchweg taghell.

Taghelle Nächte, funkelnder Krill

Die Antarktis umfasst den Kontinent Antarktika, mit 14 Millionen Quadratkilometern größer als die USA und Mexiko zusammen, sowie das Südpolarmeer mit einigen Inseln. Nähert man sich per Schiff, so ist der Temperaturwechsel deutlich zu spüren. Dort, wo zwischen dem 50. und 60. Breitengrad das eiskalte Polarwasser unter das warme nördliche Wasser sinkt, befindet sich die biologische Grenze, die sogenannte "Antarktische Konvergenz". Von hier wird nährstoffreiches Wasser bis in Äquatornähe transportiert, eine wichtige Grundlage für das reiche Leben in tropischen Gefilden.

Wegen der rauen Lebensbedingungen bieten die eisigen Meere um den Pol eine relativ geringe Artenvielfalt. Dafür kommen die wenigen Arten in großen Beständen vor, anders als zum Beispiel im tropischen Regenwald, wo es unzählige Arten gibt, häufig aber nur mit ganz kleiner, lokaler Verbreitung. Viele der höherentwickelten Tiere leben vom Krill, einer etwa sieben Zentimeter langen Garnelenart. Milliarden Krilltiere bilden bei Tageslicht rote Flecken und bei Nacht grün funkelnde Seen.

Der Krill ist ein zentraler Baustein im Nahrungsnetz der Antarktis, ohne den viele andere keine Überlebenschance hätten: Pinguine, Seevögel, die meisten Robben, aber auch Wale und Fische. Wenn die flugunfähigen Pinguine nach Krill und Fisch jagen, „fliegen“ sie mit bis zu 25 Stundenkilometern durchs Wasser. Im antarktischen Sommer, wenn die Sonne nicht untergeht, vermehren sich Algen und das Zooplankton relativ schnell. Sie sind der Anfang der Nahrungskette und wichtig für alle, die sich Speckvorräte für den langen Winter anfressen müssen.

Nach langer Greenpeace-Kampagne: Die Antarktis wird zum Weltpark

Bis ins 20. Jahrhundert des letzten Jahrtausends haben Menschen Robben, Wale und Pinguine massenhaft abgeschlachtet. Joseph Hatch beschreibt 1919: "Die Pinguine wurden wie Schafe eine Rampe heraufgetrieben, die am Ende über die offene Tür eines Dampfkochers führte. Mit einem Hieb und einem Fußtritt wurden die Tiere in den Kocher geschickt, das war das letzte, was man von ihnen sah." Die Pinguine wurden gekocht, um ihr Körperfett beispielsweise zu Lampenöl zu verarbeiten.

Heute lässt man die Pinguine weitgehend in Ruhe. Die Robben sind südlich des 60. Breitengrades 1972 fast völlig unter Schutz gestellt. Seit 1986 gibt es ein Moratorium gegen die kommerzielle Waljagd und 1994 wurde das Meer um die Antarktis zusätzlich zum internationalen Walschutzgebiet erklärt. 1998 trat das internationale Abkommen zum Weltpark Antarktis in Kraft – Erfolg einer jahrelangen Greenpeace-Kampagne.

Doch die Natur am Südpol braucht auch heute Aufmerksamkeit. Illegale Fischerei schert sich nicht um Schutzgebiete. Und auch die Klimakrise setzt dem scheinbar unangreifbaren Eiskontinent zu und könnte sehr schnell wieder den Rohstoffhunger der Industriegesellschaften wecken.

Das fordert Greenpeace:

  • Die Europäische Union und die Mitgliedsstaaten der Antarktischen Meeresschutz-Konvention (CCAMLR) müssen die Wilderei im Südpolarmeer unterbinden.
  • Die EU-Staaten müssen die UN-Konvention zum Schutz wandernder Fischarten ratifizieren, damit sie in Kraft tritt (30 Staaten sind nötig). Dann können Staaten auch gegen illegale Fischerei in internationalen Gewässern vorgehen.
  • Weitere Walschutzgebiete müssen entstehen, mit dem Ziel eines Weltparks für Wale, der die Meeressäuger in allen Meeren dieser Erde unter Schutz stellt.

(Stand: April 2021)

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