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Zügelpinguine in der Antarktis
© Christian Åslund / Greenpeace

Naturparadies Antarktis

Bedrohter Lebensraum

Die Antarktis ist ein extremer Lebensraum mit einzigartiger Flora und Fauna. Greenpeace untersucht auf einer neuen Expedition die Folgen der Klimakrise und schützenswerte Lebewesen am Meeresgrund.

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Welch ein Bild muss sich den ersten Seefahrern geboten haben, die im 18. und 19. Jahrhundert an den Küsten des Südpolarmeers anlegten. Albatrosse und Sturmvögel umkreisen die Schiffe, Hunderttausende von Pelzrobben drängeln sich ohne jede Menschenscheu auf den Felsen, riesige Pinguinkolonien watscheln im Einheitsmarsch zur Jagd ins Meer, Blauwale und Schulen von Schwertwalen tauchen majestätisch zwischen den Eisbergen auf. Bis 2300 Meter hoch türmen sich auf dem Festland die Eismassen. Gigantische Tafeleisberge kalben mit Getöse ins Meer und machen sich auf den Weg nach Norden; in Silber-, Grün- und Blautönen schimmernd, oft zu bizarren Türmen und Spitzen geformt. "Lang betrachtete ich den Himmel. Ich kam zu dem Schluss, dass solche Herrlichkeit auf weit entfernte und gefährliche Regionen beschränkt sein muss. Die Natur hat gute Gründe, denjenigen, die das Schicksal bestimmt hat, dieses mit eigenen Augen zu sehen, große Opfer abzuverlangen", schrieb Admiral E. Byrd-Alone 1938 beim Anblick der antarktischen Küste.

In diese Welt macht sich Greenpeace nun erneut mit dem Eisbrecher “Arctic Sunrise” auf, um gemeinsam mit Wissenschaftler:innen zu erforschen, wie es dem Südpolarmeer in Zeiten der Erderhitzung ergeht und wo besonders schutzbedürftige Lebewesen vorkommen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Tierwelt, vor allem den Pinguinen, deren Populationen schon heute schwinden – teilweise drastisch, wie Greenpeace schon bei einer Expedition im Jahr 2020 feststellen musste: Es zeigte sich, dass Zügelpinguin-Kolonien auf der Antarktis-Insel Elephant Island seit der letzten Zählung vor 50 Jahren um fast 60 Prozent eingebrochen waren. Eine spezifische Kolonie dieser Pinguinart schrumpfte sogar um 77 Prozent. Auch eine aktuelle Studie von internationalen Forscher:innen aus dem Jahr 2021 warnt, dass Kaiserpinguine in der Antarktis bis 2100 quasi aussterben könnten. 

In Anbetracht dieser sehr düsteren Aussichten für die typischen Bewohner:innen der Antarktis wird Greenpeace nun weitere Daten sammeln – diesmal in Kolonien von Adéliepinguinen. Wie bei anderen Pinguinarten auch, ist zu befürchten, dass ihnen die Klimakrise schwer zu schaffen macht, denn: Die Erderhitzung kann in der Antarktis beispielsweise dazu führen, dass Eisschollen vom Festland abbrechen, bevor Jungtiere schwimmen lernen konnten. Immer wieder ertrinken so zahlreiche Küken. Hinzu kommen häufiger auftretende Regenfälle, die Pinguinbabys nass werden und erfrieren lassen. Und die zunehmende Krillfischerei tut ihr Übriges: Pinguine ernähren sich neben kleinen Fischen wie Sardellen und Sardinen auch von Krill, winzigen garnelenartigen Krustentierchen, die an der Basis des gesamten Nahrungsnetzes in der Antarktis eine zentrale Rolle spielen. Werden Krillschwärme im große Stil abgefischt, fehlt den Pinguinen – wie auch vielen weiteren Tieren in der Antarktis – eine wichtige Nahrungsgrundlage. 

Fischereiaktivitäten mit Schleppnetzen gefährden aber auch besonders fragile Gemeinschaften von Meereslebewesen wie Korallen, Schwämmen und Seefedern am antarktischen Meeresgrund. Sie sind dort unten festgewachsen und können tonnenschweren Fanggeräten nicht ausweichen. Nur Schutzgebiete helfen, diese “Vulnerable Marine Ecosystems” vor Zerstörung zu bewahren. Wie bereits 2018, wird Greenpeace versuchen, mit Hilfe eines Tauchboots wissenschaftliche Bilder und Daten zu liefern, die von Entscheidungsträger:innen nicht ignoriert werden können.

Der kälteste Ort und die stärksten Stürme der Welt

In der Antarktis gibt es die mit über 300 Stundenkilometern stärksten Stürme der Welt. Um von Punta Arenas in Chile/Südamerika bis zur antarktischen Halbinsel zu gelangen, muss ein Schiff etwa 1.000 Kilometer weit den antarktischen Zirkumpolarstrom, auch Ringströmung genannt, durchqueren, ein ständig stürmisches Gebiet, das die gesamte Antarktis umgibt. In der Region angekommen tauchen jene gewaltige Tafeleisberge auf, die von den Schelfeisgebieten an den Küsten kalben. Diese werden von Gletschern und riesigen, bis zu 800 Kilometer langen Eisströmen aus dem Inland gespeist. Mehr als drei Viertel der weltweiten Süßwasservorräte sind in den Eismassen des Festlands gebunden.

Es ist sehr trocken. Im Jahresdurchschnitt fallen gerade einmal 50 Millimeter Niederschlag, so viel wie in der Sahara. Und es ist extrem kalt. An der russischen Antarktis-Station Vostok, Hunderte von Kilometern im Inneren des Kontinents, wurde der Kälterekord von fast minus 90 Grad gemessen. Im Winter herrscht „ewige“ Nacht, im Sommer bleibt es fast durchweg taghell.

Taghelle Nächte, funkelnder Krill

Die Antarktis umfasst den Kontinent Antarktika, mit 14 Millionen Quadratkilometern größer als die USA und Mexiko zusammen, sowie das Südpolarmeer mit einigen Inseln. Nähert man sich per Schiff, so ist der Temperaturwechsel deutlich zu spüren. Dort, wo zwischen dem 50. und 60. Breitengrad das eiskalte Polarwasser unter das warme nördliche Wasser sinkt, befindet sich eine wichtige biologische Grenze, die sogenannte "Antarktische Konvergenz". Ab dort finden sich viele Arten von Pflanzen und Tieren, die typisch für antarktische Gewässer sind, auf der anderen Seite der Konvergenz aber selten. 

Wegen der rauen Lebensbedingungen bieten die eisigen Meere um den Pol eine relativ geringe Artenvielfalt. Dafür kommen die wenigen Arten in großen Beständen vor, anders als zum Beispiel im tropischen Regenwald, wo es unzählige Arten gibt, häufig aber nur mit ganz kleiner, lokaler Verbreitung. Viele der höher entwickelten Tiere leben vom Krill, einer etwa sieben Zentimeter langen Garnelenart. Milliarden Krilltiere bilden riesige Schwärme, die bei Tageslicht als rote Flecken und bei Nacht als grüne Seen funkeln.

Krill ist ein zentraler Baustein im Nahrungsnetz der Antarktis, ohne den viele andere keine Überlebenschance hätten: Pinguine, Seevögel, die meisten Robben, aber auch Wale und Fische. Wenn die flugunfähigen Pinguine nach Krill und Fisch jagen, „fliegen“ sie mit bis zu 25 Stundenkilometern durchs Wasser. Im antarktischen Sommer, wenn die Sonne nicht untergeht, vermehren sich Algen und das Zooplankton relativ schnell. Sie sind der Anfang der Nahrungskette und wichtig für alle, die sich Speckvorräte für den langen Winter anfressen müssen.

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Bis ins 20. Jahrhundert des letzten Jahrtausends haben Menschen Robben, Wale und Pinguine massenhaft abgeschlachtet. Joseph Hatch beschreibt 1919: "Die Pinguine wurden wie Schafe eine Rampe herauf getrieben, die am Ende über die offene Tür eines Dampfkochers führte. Mit einem Hieb und einem Fußtritt wurden die Tiere in den Kocher geschickt, das war das letzte, was man von ihnen sah." Die Pinguine wurden gekocht, um ihr Körperfett beispielsweise zu Lampenöl zu verarbeiten.

Heute lässt man die Pinguine weitgehend in Ruhe. Die Robben sind südlich des 60. Breitengrades 1972 fast völlig unter Schutz gestellt. Seit 1986 gibt es ein Moratorium gegen die kommerzielle Waljagd und 1994 wurde das Meer um die Antarktis zusätzlich zum internationalen Walschutzgebiet erklärt. 1998 trat das internationale Abkommen zum Weltpark Antarktis in Kraft – Erfolg einer jahrelangen Greenpeace-Kampagne.

Doch die Natur am Südpol ist damit nicht automatisch gerettet. Illegale Fischerei schert sich nicht um Schutzgebiete. Und auch die Klimakrise setzt dem scheinbar unangreifbaren Eiskontinent zu. Das Eis schmilzt von unten, gigantische Eisflächen drohen, abzubrechen. Obwohl der Kontinent so kalt ist, gibt es Anzeichen, dass die Klimakrise bereits Auswirkungen auf das Leben über und unter Wasser hat: Nicht nur Pinguin- und Krillpopulationen leiden nachweislich unter den steigenden Meerestemperaturen. 

Die neue Forschungsexpedition soll das Wissen über Klimafolgen und Schutzbedürftigkeit in der Antarktis vergrößern und so den Druck erhöhen, das Südpolarmeer besser zu schützen. Greenpeace setzt sich deshalb weiter für ein wirksames Hochseeschutabkommen ein, das es ermöglicht, bis spätestens 2030 mindestens 30 Prozent unserer Ozeane unter Schutz zu stellen. Meeresschutz ist Klima- und Artenschutz – auch in der Antarktis. Denn nur gesunde Ökosysteme können die Folgen der Klimakrise für die Südpolarregion und ihre tierischen und pflanzlichen Bewohner abmildern.

 

Das fordert Greenpeace:

  • Die Antarktiskommission (CCAMLR) muss endlich die Schutzgebietsanträge für das Weddellmeer, die Antarktische Halbinsel und die Ostantarktis verabschieden. 
  • Es braucht einen starken globalen Hochseeschutzvertrag der es ermöglicht, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Ozeane unter Schutz zu stellen.

 

Was die Greenpeace-Schiffcrew bei Antarktis-Expiditionen sieht

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