Greenpeace Recherche enthüllt dunkle Geschäfte beim Bergbau in den Ozeanen

Tiefsee in Gefahr

In den Tiefen der Ozeane verbirgt sich ein einzigartiger Lebensraum, den wir gerade erst zu verstehen beginnen. Doch westliche Firmen drängen auf Ausbeutung dortiger Rohstoffe.

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Uralte Korallenriffe, kilometerhohe Unterwasserberge und hunderte Jahre alte Lebewesen – in der Tiefsee existiert ein vielfältiger und geheimnisvoller Artenreichtum. Sie gibt uns sogar Hinweise darauf, wo und wie das Leben auf unserem Planeten begann.

Ein neuer Industriezweig will jedoch jetzt mit dem Bergbau am Meeresboden beginnen, um dort wertvolle Rohstoffe abzubauen. Seit Langem warnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davor, dass der Tiefseebergbau den Ozeanen schwere und irreversible Schäden zufügen wird. Bisher unbekannte Arten werden möglicherweise ausgelöscht bevor wir sie überhaupt kennenlernen konnten. Mit dem Abtragen des Meeresbodens mit Hilfe schwerer Maschinen könnten sogar dort lagernde natürliche Kohlenstoffspeicher zerstört und die Klimakrise so weiter verschärft werden.

Eine aktuelle Recherche von Greenpeace beleuchtet die Struktur dieses neuen Industriezweiges und seiner undurchsichtigen politischen Lobbyarbeit bei den zuständigen internationalen Gremien und Behörden. Die internationale Meeresbodenbehörde ISA hat bereits ein Gebiet von etwa der Größe Frankreichs und Deutschlands für die Erkundung des Tiefseebergbaus freigegeben. Bis heute hat die ISA 30 Lizenzen für Gebiete mit einer Ausdehnung von über einer Million Quadratkilometer vergeben. Bei fast einem Drittel dieser Verträge sind private Unternehmen beteiligt, die größtenteils in Nordamerika und Europa ansässig sind. Darunter dominieren besonders drei Privatunternehmen, die allesamt ihren Firmensitz in Nordamerika oder Europa haben: das in Kanada registrierte Unternehmen DeepGreen, das belgische Unternehmen Dredging, Environmental and Marine Engineering NV (DEME) und der US-Waffenhersteller Lockheed Martin.  

Über ein dichtes Geflecht von Tochtergesellschaften, Partnern und Subunternehmern halten diese Unternehmen die Illusion aufrecht, dass ein kommender Tiefseebergbau im allgemeinen öffentlichen Interesse sei. Während die Hauptprofiteure jedoch überwiegend im globalen Norden sitzen, tragen die beteiligten Entwicklungsländer – überwiegend von der Südhalbkugel – die allergrößte Last an erheblichen Verbindlichkeiten und Risiken. Um an Förderlizenzen zu kommen, agieren die Unternehmen zum Teil verdeckt und über angebliche lokale Firmen aus Nauru, Kiribati oder Tonga. Ob diese Sponsorenstaaten aber überhaupt vom Tiefseebergbau profitieren werden, scheint mehr als fraglich.

Die Tiefsee gehört zum globalen Erbe der Menschheit und doch soll dieses unschätzbar wertvolle Gemeingut für private Unternehmensprofite freigegeben werden. Die internationale Staatengemeinschaft steht in den nächsten zwölf Monaten vor wichtigen politischen Entscheidungen – einschließlich der Frage, ob das größte Ökosystem der Erde, die Tiefsee, für den kommerziellen Bergbau geöffnet werden soll. Aktuell verhandeln die Vereinten Nationen über einen globalen Ozean-Vertrag, der die Weltmeere schützen soll. Um die Menschen und die Natur zu schützen, müssen die Regierungen sicherstellen, dass die Tiefsee für die Ausbeutung von Mineralien tabu bleibt. 

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