Nachhaltig konsumieren: Fünf Tipps zum Kauf von Fisch

Guter Fang?

Wirklich nachhaltigen Fischfang gibt es kaum noch – das hat der Mensch besorgt. Wenn es doch Karpfen, Kabeljau und Co. sein sollen, sind hier fünf Tipps für nachhaltigen Konsum.
  • /

Die Meere sind kein Selbstbedienungsladen, doch der Mensch behandelt sie wie einen. Die industrielle Fischerei hat die Ozeane nahezu leergefischt, politische Regulierungen durch Fangquoten greifen nicht weit genug. Was kann also der Verbraucher tun, um zur Erholung der Bestände beizutragen? Wir haben fünf Tipps zusammengetragen, mit denen Sie Verantwortung für die Meere zeigen.

1. Essen Sie selten Fisch – oder am besten gar keinen.

So hart es klingt: Der nachhaltigste Fischkonsum ist der, den man bleiben lässt. Die industrielle Fischerei schröpft die Bestände schneller als sie sich erholen können – manche werden das nie wieder tun. Nach Angaben der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gelten bis zu 89 Prozent der wirtschaftlich wichtigen Fischbestände als maximal genutzt, überfischt oder bereits kollabiert. Seit 1950 sind durch das Einwirken der Menschen rund 90 Prozent der Bestände großer Raubfische wie Kabeljau, Thunfisch oder Lachs aus den Meeren bereits verschwunden.

Viele Kunden denken, dass Aquakulturen dieses Problem lösen: die industrielle Zucht auf Farmen. Doch das ist ein Trugschluss. Was in Aquakulturen an Fische verfüttert wird, kommt dennoch häufig aus dem offenen Meer – etwa zu Fischmehl verarbeitete Sardinen oder Krill. Außerdem ist die Zucht auf engem Raum besonders anfällig für Krankheitsausbrüche. Darum werden dem Wasser Medikamente zugesetzt, die die Umwelt auf Jahre belasten. Immerhin hat die EU bestimmt, dass Futtermitteln nicht mehr das Pflanzenschutzmittel Ethoxyquin zugesetzt werden darf, um sie haltbar zu machen: Die Chemikalie steht im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein.

2. Wenn Sie dennoch Fisch kaufen möchten, treffen Sie die richtige Wahl – der Händler hilft Ihnen.

Vermeiden Sie Fisch aus Fangmethoden, die sich zerstörerisch auf die Umwelt auswirken oder hohe Beifänge verursachen. Fisch aus gefährdeten Beständen sollten Sie selbstverständlich nicht kaufen. Fehlen Angaben zur Bestandsgröße, hat das vermutlich seinen Grund – lieber die Finger davon lassen. Wenn Sie sich nicht sicher sind: Fragen Sie Ihren Fischhändler.

3. Vertrauen Sie nicht blind Verbrauchersiegeln – sie sind häufig irreführend.

Noch eine schlechte Nachricht: Aus Greenpeace-Sicht ist keines der gängigen Siegel uneingeschränkt vertrauenswürdig. Das populärste und bekannteste ist sicherlich das des MSC, des Marine Stewardship Councils. MSC zertifiziert allerdings unter anderem auch Fischprodukte aus überfischten Beständen und zerstörerische Fischereimethoden, wie zum Beispiel bodenberührende Grundschleppnetze.

Der MSC hat sich die Sicherung der Fischbestände für die Zukunft zum Ziel gesetzt, steht mittlerweile aber wegen seiner Zertifizierungspraxis massiv in der Kritik. Ins Leben gerufen wurde das Siegel 1997 von Unilever, einem der größten Fischverarbeiter der Welt, in Zusammenarbeit mit dem WWF. Wenigstens zum Teil erfolgt seine Arbeit aus wirtschaftlichem Interesse.

4. Bevorzugen Sie Fisch aus kleinen handwerklichen Fischereien.

Fischfang hat natürlich nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Aspekte: Viele Küstengemeinden leben vom Fischfang und betreiben ihn seit unzähligen Generationen nachhaltig. Das größte Problem für die Meere stellen Flotten von Megatrawlern dar, die Fischfang in ganz anderen Größenordnungen betreiben.

Unter der Profitgier leiden nicht nur Umwelt und Tiere, sondern auch Menschen. Mit dem weltgrößten Thunfischverarbeiter Thai Union traf Greenpeace 2017 ein Abkommen, das den Marktriesen nicht bloß zu nachhaltigeren Fangmethoden verpflichtet, sondern auch zu verbesserten Arbeitsbedingungen auf seinen Schiffen. Doch nach wie vor werden auf den Weltmeeren nicht nur Fischbestände von der Großindustrie ausgebeutet, sondern auch Besatzungen. Wenn Sie das nicht unterstützen wollen, gibt Ihnen Ihr Fischhändler sicherlich Auskunft, woher er seine Lieferungen bezieht.

5. Machen Sie dem Handel Druck!

Der Verbraucher hat die Macht – man sieht es an den erfolgreichen Greenpeace-Kampagnen, nach denen Lidl und Edeka Haltungskennzeichnungen für Fleisch einführten. Das Gespräch mit dem Fischhändler an der Theke ist der erste Schritt. Ein Brief an die Geschäftsführung Ihres Supermarktes könnte der nächste sein: Woher kommt der Fisch? Mit welchen Methoden wurde er gefangen, und wie gesund sind die Bestände? Wer verantwortungsvoll Fisch konsumieren möchte, kann das nicht ohne größtmögliche Transparenz von Handel und Wirtschaft.

Wie man es allerdings dreht und wendet: Speisefische sind eine knappe Ressource und damit als Luxusprodukt zu sehen. Wirklich nachhaltig ist nur, weniger davon zu essen – oder eben gar keinen.

Mehr zum Thema

Welche Aquakulturmethoden gibt es?

Die Meere sind nahezu leer gefischt und nachhaltige Fischereiwirtschaft vielerorts ein Fremdwort. Aquakulturen versprechen die Lösung des Problems – so funktionieren die Fischfarmen.

Meeresschutz in großen Dosen

Thai Union ist für brutalen Fischfang und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bekannt. Nun unterzeichnet die weltgrößte Thunfischfirma ein weitreichendes Abkommen mit Greenpeace.