Verschmutztes Grundwasser: Greenpeace-Aktivisten fordern strengeres Düngegesetz

Der Mist wird teuer

Auf Deutschlands Äckern schwappt die Gülle über. Nun drohen EU-Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Zeit, die unappetitliche Suppe auszulöffeln – finden Greenpeace-Aktivisten.

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Deutschland bekommt die Scheiße nicht in den Griff. Nur Malta ist im europäischen Vergleich schlechter: 28 Prozent der offiziellen Grundwasser-Messstationen meldeten von 2012 bis 2015 in Deutschland zu hohe Nitratwerte. Diese Werte fallen nicht vom Himmel, sondern werden ganz bodenständig durch zu viel Gülle und andere Düngemittel auf den Äckern verursacht. Das Problem ist seit Jahren bekannt, die EU mahnte und verklagte schlussendlich die Bundesregierung, weil sich nichts tat. Heute verurteilte der Europäische Gerichtshof Deutschland, es drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe.

„Die Klientelpolitik der Bundesregierung hat den Steuerzahlern diese Suppe eingebrockt“, kritisiert Dirk Zimmermann, Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. Deshalb stellten Aktivisten heute einen großen mit 1000 Litern Gülle gefüllten Suppenteller vor das Reichstagsgebäude in Berlin. Eine Aufforderung an die Politik, die Suppe auszulöffeln und endlich mit einem strengeren Düngegesetz für sauberes Wasser zu sorgen.

Düngegesetz: Politik missachtet wissenschaftlichen Rat

Dabei hat die Bundesregierung erst im vergangenen Jahr eine Novelle beschlossen, um die drohendenden Strafzahlungen abwenden. Schon damals hagelte es Kritik. Nun, zeitlich für die angeklagte Bundesregierung recht ungünstig, attestiert eine vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) veröffentlichte Studie der Verordnung die mangelnde Durchschlagskraft: Eine nennenswerte Reduzierung von Nitrat-Einträgen ins Grundwasser sei mit dem neuen Düngerecht nicht zu erzielen.

„Der Hauptgrund hierfür ist die weitgehende Missachtung aller agrar- und umweltwissenschaftlichen Fachempfehlungen“, heißt es auf Seite vier. Eine vernichtende Bewertung. Doch warum missachtet das Landwirtschaftsministerium wissenschaftliche Empfehlungen? „Die Politik meidet den Konflikt mit dem mächtigen Bauernverband“, so Zimmermann. „Denn hinter all dem steht doch, dass Deutschland seine irrsinnig hohen Tierbestände abbauen muss. 59 Millionen Schweine werden in Deutschland jährlich geschlachtet. Dazu kommen Hühner, Puten, Kühe – sie alle scheiden Exkremente aus, die dann als Gülle oder Mist auf den Feldern landen.“

Güllemengen dokumentieren, Tiermengen begrenzen

So sind die erhöhten Nitratwerte vor allem in Regionen mit intensiver Tierhaltung zu finden. Zimmermann fordert deshalb, die Tierzahlen an die vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen zu binden. Zudem müssten Betriebe verbindlich dokumentieren, wie viel Gülle ausgebracht wurde. Mit einer sogenannten Hoftorbilanz ließe sich überprüfen, wie viele Nährstoffe der Hof in Form von Futter oder Dünger bezogen und wie viele er verteilt hat beispielsweise über den Verkauf von Tieren oder den Abtransport überschüssiger Gülle. Je höher der Überschuss an Nährstoffen, desto schlechter die Bilanz und desto mehr Sanktionen müssten erfolgen.

Denn  die anhaltende Überdüngung schadet Umwelt und Artenvielfalt, aber auch die Wasserwerke schlagen Alarm. Für Trinkwasser gelten strenge Grenzwerte – eine zu hohe Konzentration von Nitrat gefährdet die menschliche Gesundheit. Nitrat kann im menschlichen Körper in giftiges Nitrit umgewandelt werden. Dies ist besonders für Schwangere und Säuglinge gefährlich. In einigen Regionen sei die Aufbereitung des Wassers mittlerweile so aufwändig, dass laut BDEW Preiserhöhungen bis zu 62 Prozent möglich seien.

>>> Das stinkt Ihnen? Dann fordern Sie Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auf, eine strengere Düngeverordnung auf den Weg zu bringen.

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