Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Greenpeace fordert NRW auf, für die Blaue Plakette zu stimmen

Dicke Luft in Düsseldorf

Dieselabgase machen krank, besonders hoch ist die Schadstoffbelastung in NRW. Deshalb fordern Greenpeace-Aktivisten Ministerpräsidentin Kraft heute auf, für bessere Luft zu sorgen.

  • /

Hustengeräusche hallen heute durch das Foyer der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei in Düsseldorf. Greenpeace-Aktivisten schieben ein Krankenbett mit einer aufgesprühten Rußlunge durch die Eingangshalle, neben der Krankenakte haben sie auch eine Petition für saubere Luft dabei. Vor dem Gebäude schwebt an Ballons ein Banner mit der Warnung „Diesel macht krank“. Drastische Maßnahmen, um auf ein drastisches Problem hinzuweisen, das Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bislang ignoriert: Die Luft in Nordrhein-Westfalen ist schlecht. Trotzdem blockiert NRW die wirksamste Maßnahme, um das Problem in den Griff zu bekommen: die blaue Plakette.

„In keinem Bundesland ist die Luft so schmutzig wie in Nordrhein-Westfalen“, sagt Benjamin Stephan, Greenpeace-Experte für Verkehr. Elf von 28 deutschen Regionen, die die EU-Kommission als besonders belastet benennt, befinden sich in Nordrhein-Westfalen – mehr als in jedem anderen Bundesland. Düsseldorf, Köln, Essen, Dortmund, Wuppertal und Duisburg – alle weisen seit Jahren deutlich zu hohe Stickoxidwerte auf. Hauptquelle dieser Luftschadstoffe: schmutzige Diesel-Pkw.

Stickoxidbelastung an Düsseldorfer Schulen

Stickstoffdioxid (NO2) schädigt die Lungen und führt laut Europäischer Umweltagentur alleine in Deutschland jedes Jahr zu mehr als 10.000 vorzeitigen Todesfällen. Kinder reagieren besonders empfindlich auf das Atemgift, wie eine Greenpeace-Studie zeigt. Umso schlimmer ist es, dass oft gerade an Schulen die Luft hoch mit  Stickoxiden belastet ist. Stichprobenartige Stickoxid-Messungen von Greenpeace vor 18 Düsseldorfer Grundschulen und Kitas an größeren Straßen haben gezeigt, dass der Jahresgrenzwert an jeder dieser Schulen überschritten wird.

„Stickoxide sind eine Gesundheitsgefahr in Nordrhein-Westfalen, davor darf Hannelore Kraft nicht länger die Augen verschließen“, so Benjamin Stephan. „Wir fordern die Ministerpräsidentin auf, sich nicht weiter gegen die blaue Plakette zu sperren.“ Diese Umweltplakette für Fahrzeuge würde es Städten ermöglichen, ältere Dieselautos aus besonders belasteten Gebieten zu verbannen. Keines der bislang diskutierten Mittel gegen Luftverschmutzung ist wirksamer, hat das Verkehrsministerium von Baden-Württemberg für Stuttgart errechnen lassen.

Verkehrswende in NRW

„Die schlechten Luftwerte zeigen: Deutsche Großstädte brauchen dringend alternative Mobilitätskonzepte“, so Stephan weiter. „Gerade Nordrhein-Westfalen hat dank seiner Bevölkerungsdichte eigentlich gute Voraussetzungen, seinen Bürgern umweltverträgliche Alternativen zum Auto zu bieten – und deren Auslastung sicherzustellen.“ Köln etwa belegt mit attraktiven Angeboten für Radfahrer Platz drei des gerade veröffentlichten Greenpeace-Städterankings. Düsseldorf, Essen und Dortmund hingegen landen mit einem hohen Autoanteil und wenig Alternativen am unteren Ende. „Städte müssen den Menschen in den Mittelpunkt stellen, statt wie bislang das Auto“, so Stephan. „Das macht unsere Großstädte lebenswerter – und die Luft besser.“

Weiterführende Publikationen zum Thema

Zur Kampagne

Bewegt euch!

Während Rekordtemperaturen die Sorge vor der Klimakatastrophe befeuern, drängen sich auf deutschen Straßen weiterhin SUVs mit Verbrennungsmotoren. Dabei kommen Stadtbewohner mit dem Fahrrad oft umwelt- und gesundheitsfreundlicher voran. Setzen Sie sich mit uns für eine klimafreundliche Verkehrswende ein!

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Mehr Raum fürs Rad

In Brüssel und Bogotá, von Mailand bis Madrid gibt es neue Rad- und Fußwege für den Infektions- und Klimaschutz. Nur in Deutschland passiert zu wenig.

Mehr vom Weniger

Die Jugendbewegung Fridays for Future lässt keinen Zweifel: Nach einem Leben in Saus und Braus stehen wir in der Pflicht aufzuräumen. Das geht nur mit drastischen Veränderungen.

Mit dem SUV in die Klimakrise

Greenpeace-Aktivistinnen protestieren an einem Transportschiff gegen den Import von SUVs. Denn diese gefährden Menschen und Klima – so das Ergebnis einer Greenpeace-Recherche.