Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Nichts Genaues weiß man nicht

AKW-Neubau in Polen?

Die polnische Regierung denkt über den Einstieg in die Atomkraft nach. Finanzierung und Standort sind nach offiziellen Angaben völlig offen. Doch eines steht fest: Sollte Polen sich tatsächlich für den Bau eines Atomkraftwerks entscheiden, wird Greenpeace dagegen kämpfen. Gleichgültig, an welchem Standort dieses AKW entstehen soll.

  • /

Die Aufregung in vielen deutschen Medien geht auf eine Meldung der Glos Szczecinski zurück. Die polnische Zeitung hatte am Dienstag berichtet, dass bei Gryfino nahe der deutschen Grenze bis 2015 ein AKW entstehen solle. Das polnische Wirtschaftsministerium dementierte konkrete Pläne.

Polen gewinnt seine Energie fast hundertprozentig aus fossilen Brennstoffen, überwiegend Kohle. Das osteuropäische Land fördert mehr Steinkohle als alle anderen EU-Staaten zusammen. Auch Braunkohle, der schlimmste Klimakiller, spielt in der Energieerzeugung eine große Rolle. Polnische Kraftwerke belegen zusammen mit deutschen Anlagen die Spitzenplätze der europäischen Klimakiller-Hitliste.

Mit dem Eintritt in die EU hat Polen sich den Klimaschutzzielen des Kyoto-Protokolls verpflichtet. Mit Kohle als Energieträger aber ist eine Verminderung der CO2-Emissionen unmöglich. Zudem geht die polnische Regierung davon aus, dass der Strombedarf bis 2025 um 80 bis 93 Prozent wachsen wird.

So kam die Regierung nach rund zwei Jahrzehnten auf eine alte Idee zurück: ein Atomkraftwerk zu bauen. Das allererste polnische AKW war im Bau, als 1986 im ukrainischen AKW Tschernobyl der Reaktor explodierte. Unter dem Eindruck der Katastrophe verzichtete man auf die Fertigstellung. Inzwischen ist die Erinnerung an Tschernobyl offenbar auch in polnischen Regierungs- und Wirtschaftskreisen verblasst.

Die Bevölkerung allerdings ist Umfragen zufolge mehrheitlich gegen Atomkraft eingestellt. Darauf weist Greenpeace-Sprecher Tomasz Salinski hin. Greenpeace wird alles in Bewegung setzen, damit es nicht zum Einstieg in die Atomkraft kommt, sagte er am Freitag in Warschau. Greenpeace weiß in dieser Frage eine große Mehrheit der Polen hinter sich. Das zeigen alle Umfragen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report 2020

Die Strahlungsmessungen in der Region Fukushima aus dem Herbst 2019 zeigen: Unwetter wie der Taifun Hagibis führen zum Auftreten neuer radioaktiver Hotspots. Auch in den Gebieten, in denen im Sommer 2020 die Olympiade stattfinden soll.

Mehr zum Thema

Gefährliches Gestern

Die Katastrophe von Tschernobyl rückt in die Vergangenheit, ihre Folgen verschwinden aber nicht aus der Gegenwart. Sie sind eine Mahnung – auch an Atomkraftbefürworter:innen.

Der ewige Denkzettel

Die Katastrophe ist nicht vorbei: Auch zehn Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima leiden japanische Bürger:innen unter den Folgen – während die Regierung Normalität vorgaukelt.

Katastrophal nachgebessert

Eine Novelle des Atomgesetzes, die berechtigte Klagen unterbände, hätte fatale Auswirkungen – nicht nur für die Anwohnerinnen von Atomanlagen, sondern auch für den Rechtsstaat.