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Greenpeace-Aktivist:innen projizieren das Nuklearsymbol an die Wand des Sarkophags von Tschernobyl, 25 Jahre nach der Explosion und der anschließenden Atomkatastrophe.
© Vadim Kantor / Greenpeace

Tschernobyl: Protokoll eines Super-GAU

Am 26. April 1986 ereignet sich im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl eine gewaltige Explosion. Die Katastrophe geschieht durch eine Kombination aus menschlichem Versagen und technischen Mängeln.

Ein fatales Experiment

Am 25. April soll in Block 4 des AKW Tschernobyl ein Experiment stattfinden. Man will überprüfen, ob die Turbinen bei einem kompletten Stromausfall im Kraftwerk noch genügend Strom liefern können, um die Notkühlung des Reaktors bis zum Anlaufen der Notstromdieselgeneratoren zu gewährleisten.

Für den Test wird die Leistung heruntergefahren. Noch während des Herunterfahrens kommt vom Lastverteiler Kiew die Anordnung, das Experiment zu verschieben, da der Strom benötigt werde. Der Reaktor wird nun etwa neun Stunden lang im Teillastbereich gefahren.

Der Reaktortyp in Tschernobyl darf unter 20 Prozent der Leistung nicht betrieben werden. Wie kritisch die Situation im unteren Leistungsbereich aber tatsächlich wäre, geht aus der damals existierenden Dokumentation nicht hervor und ist der Bedienungsmannschaft nicht bekannt.

Auf dem Weg zur Katastrophe

Bei der Fortsetzung des Experiments um 23:50 Uhr wird schließlich der vorgesehene Leistungsbereich unterschritten. Um die Nennleistung wieder anzuheben, entfernen die Operatoren Bremsstäbe, mit denen die atomare Kettenreaktion kontrolliert werden kann. Dabei unterschreiten sie die zulässige Minimalgrenze von 28 Stäben.

Damit ist der Reaktor noch schwerer zu beherrschen und in einem gefährlichen Zustand. Dennoch befiehlt der stellvertretende Chefingenieur des Kraftwerks, Anatolij Djatlow, mit dem Experiment zu beginnen. Die Operatoren müssen die Kühlwasserpumpen hinzuschalten, um die Trägheit der auslaufenden Turbine optimal zu nutzen, so dass der mit wenig Leistung arbeitende Reaktor das ihn umfließende Wasser nicht mehr verdampfen kann.

Das Wasser beginnt zu kochen, erste hydraulische Schläge sind zu hören. Akimow, der Schichtleiter, und sein Mitarbeiter Toptunow wollen den Test abbrechen, doch Djatlow treibt sie weiter an. Dabei spricht er die inzwischen historischen Worte: Noch ein, zwei Minuten und alles ist vorbei! Etwas beweglicher, meine Herren! Es ist 1:22:30 Uhr.

Als die Bedienungsmannschaft den Dampfzufluss zur Turbine unterbricht, erhitzt sich das Kühlwasser erneut. Der Reaktortyp von Tschernobyl (RBMK 1000) hat aber die Eigenschaft, dass sich bei Dampfblasen die Reaktivität erhöht ( Positive void coefficent), und ist daher nun in einem äußerst kritischen Zustand.

26. April 1986, kurz nach 1 Uhr: Das Personal schaltet das automatische Sicherheitssystem aus. Die Leistung des Reaktors wird auf ein kritisches Niveau gesenkt.

1:22:30 Uhr: Die Zahl der Steuerstäbe im Reaktor, mit denen sich eine Kettenreaktion unterbinden lässt, beträgt nur noch sechs bis acht. Eine Notabschaltung müsste erfolgen.

1:23:04 Uhr: Die Kettenreaktion im Reaktor gerät außer Kontrolle.

1:23:40 Uhr: Das Personal versucht eine manuelle Notabschaltung. Zu spät, die Führungskanäle für die Steuerstäbe sind aufgrund der enormen Hitze bereits verformt.

1:23:58 Uhr: Der Reaktor explodiert.

28. April 1986, 9:00:00 Uhr: Im Atomkraftwerk Forsmark in Schweden wird aufgrund der hohen Radioaktivität auf dem Gelände automatisch Alarm ausgelöst. Die Katastrophe ist nicht länger geheim.

  • 1997: Atomanlage in Tschernobyl/Ukraine.

    Die Ruine

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  • Der Sarkophag des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl im September 1996

    Tschernobyl 1996

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  • Projektion anlässlich 25 Jahre Tschernobyl 04/26/2011

    Projektion anlässlich 25 Jahre Tschernobyl

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