Greenpeace-Report zu Mikroplastik im Rhein

Nicht sauber, sondern Rhein

Wer verschmutzt unsere Flüsse mit Mikroplastik? Eine Greenpeace-Studie nimmt Deutschlands wichtigste Wasserstraße unter die Lupe: Keine einzige Probe war ohne Kunststoff.

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Stellen Sie sich vor, Sie stehen in Köln am Rheinufer: Kommt Ihnen in den Sinn, dass der Fluss pro Tag etwa 190 Millionen Plastikkügelchen in Richtung Nordsee transportiert? Vielleicht ab jetzt: Eine aktuelle Greenpeace-Studie belegt nämlich die kontinuierliche Verschmutzung des Gewässers mit Kunststoff. 

Im September und Oktober des vergangenen Jahres waren Greenpeace-Mitarbeiter:innen mit dem Aktionsschiff Beluga II auf dem Rhein unterwegs, um Wasserproben zu nehmen. Ähnliche Untersuchungen von Greenpeace gab es bereits in den Jahren zuvor in deutschen Gewässern, darum war mit dem Ergebnis zu rechnen: Wer nach Mikroplastik sucht, findet welches – in wirklich jeder der 250 an Bord genommenen Wasserproben fanden sich winzige Plastikpartikel von wenigen Millimetern Durchmesser oder kleiner. Besonders hohe Konzentrationen ließen sich in der Umgebung von Industriegebieten nachweisen. 

Das Ganze ist außerordentlich schädlich für Mensch und Umwelt. Denn Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass das Plastik in unseren Flüssen auch in den Meeren landet. An der Oberfläche von Kunststoffen können sich Schadstoffe anlagern; wenn diese Teilchen von Tieren verschluckt werden, geraten Plastik und Umweltgifte in die Nahrungskette – und schlussendlich in unseren Lebensmitteln. In früheren Studien hat Greenpeace gezeigt, dass sich Plastikpartikel inzwischen in Austern und Miesmuscheln sowie im Verdauungstrakt von Heringen finden lassen. 

Ursachen der Verschmutzung

Für die Studie haben Greenpeace-Umweltschützer:innen im vergangenen Herbst zunächst vom Aktionsschiff Beluga II aus zwischen Duisburg und Koblenz 44 Wasserproben genommen. Anschließend wurden von Schlauchbooten weitere 206 Proben in der Nähe von Industriegebieten bei Krefeld und Dormagen gezogen. Erstmals fanden diese Probenahmen durchgängig über 24 Stunden statt. So ließen sich die möglichen Ursachen der Verschmutzung weiter eingrenzen. 

Diese Proben wurden in Greenpeace-Laboren, aber auch direkt an Bord der Beluga II, ausgewertet. In jeder Probe finden sich Plastikpartikel mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimetern. “Im Rhein wird offenbar Mikroplastik verklappt. Die Umweltbehörden in Nordrhein-Westfalen muss jetzt ermitteln, wer den Fluss verschmutzt”, fordert Daniela Herrmann, Umweltwissenschaftlerin von Greenpeace. 

Plastik aus Wasseraufbereitungsanlagen?

Beispielsweise wurde in der Umgebung des Industrieparks Dormagen eine fast dreimal so hohe Konzentration von primären Mikroplastikpartikeln gefunden als im Durchschnitt einige Kilometer stromaufwärts. Primäres Mikroplastik, das ist solches, das bewusst als Ausgangsmaterial für andere Plastikprodukte hergestellt wird: kleine Kügelchen oder Pellets, die zum Beispiel in Fabriken geschmolzen und zu Verpackungsfolien gezogen werden. Neben industriellen Produktionsprozessen könnten die Mikroplastikpartikel allerdings auch aus Ionenaustauschern in Filtersystemen von Wasseraufbereitungsanlagen stammen, so eine These der Greenpeace-Untersuchung. Sogenanntes sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Plastikteile zerstört und zerrieben werden – das ist die mengenmäßig größere Belastung, die sich in unseren Meeren ansammelt. 

Die potenziellen Verursacher der Plastikverschmutzung im Rhein sehen die Verfasser:innen der Studie in der Verantwortung, den Fluss sauber zu halten. “Beim Einsatz von primären Mikroplastik muss sichergestellt sein, dass die Partikel während der Produktion, des Transports, der Verwendung und der Entsorgung zu keinem Zeitpunkt in die Umwelt gelangen”, sagt Daniela Herrmann. Das meiste, was die Untersuchenden an Plastik in ihren Netzen fanden, ist vermutlich aus reiner Fahrlässigkeit ins Wasser gelangt – und stellt dort über Jahrzehnte eine Bedrohung für die Umwelt dar.

>>> Werden Sie mit uns aktiv! Unterzeichnen Sie die Petition gegen die Verwendung von Mikroplastik in der Industrie und senden Sie eine klare Botschaft an Entscheidungsträger:innen in Wirtschaft und Politik!

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