Weniger Abgase bei Neufahrzeugen

EU muss Autos sauberer machen

Mit dem Auto zum Bäcker die Brötchen holen? Wie bequem! Im Porsche ungebremst über die Autobahn rasen? Wie aufregend! Was anfangs nach großem Glück und Wohlstand klingt, hat am Ende einen viel zu hohen Preis – besonders für die Umwelt. Gerade das Auto trägt erheblich zum Klimawandel bei. Aber nicht nur das: Es besetzt Parkplätze und raubt damit Spiel- und Erholungsflächen den Raum. Es darf hemmungslos rasen; dabei könnten gerade Tempo 30-Zonen hastige Städte entschleunigen. Die deutsche Autoindustrie ist der größte Bremsklotz einer echten Verkehrswende. Über Jahrzehnte wurden einschneidende technische Neuerungen verschleppt und jedes Umdenken verhindert. Motoren wurden zwar effizienter, dafür die Autos immer dicker.
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Weniger Verbrauch und - damit einhergehend - strengere Grenzwerte für Abgase wie das klimaschädliche CO2 sind ein Schlüssel für mehr Umweltschutz. Denn CO2, das auch bei der Verbrennung von Diesel und Benzin anfällt, ist das wichtigste Treibhausgas und für den Klimawandel verantwortlich. Der Verkehr erzeugt mehr als ein Viertel aller CO2-Emissionen in der EU, davon rund zwölf Prozent durch Pkw - Tendenz steigend.

Deutsche Auto-Lobby blockiert EU-Klimaschutz

Statt dass die Politik an einem Strang zieht, um CO2 zu verringern, ist in der Europäischen Union (EU) ein Streit über den künftig zulässigen Spritverbrauch von Neuwagen entbrannt. Denn ausgerechnet die deutsche Bundesregierung mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) blockiert langfristige EU-Ziele zur Reduzierung des Spritverbrauchs. Auf dem Spiel steht nicht weniger als der Klimaschutz in Europa, den Merkel zugunsten von wenigen Autoherstellern wie BMW torpediert.

Erst im Juni 2013 hatte die Kanzlerin eine entscheidende Abstimmung zu europäischen Grenzwerten ab 2020 verhindert. Seitdem liegen die Pläne der EU auf Eis. Mit einem Bonussystem für Elektro- und Hybridfahrzeuge, sogenannte "Supercredits", will die Bundesregierung die Fertigung von Spritschluckern begünstigen. Durch diese Schlupflöcher würden die die Verbrauchsziele nicht wie geplant 2020 erreicht, sondern erst viel später.

Hintergrund ist: Die EU-Kommission hat einen durchschnittlichen Verbrauch von rund 3,9 Litern Kraftstoff für Neuwagen auf 100 Kilometer ab 2020 festgelegt, was einem CO2-Ausstoß von 95 Gramm entspricht. Doch die Bundesregierung wird von Teilen der deutschen Autoindustrie gedrängt, diesen Grenzwert zu verwässern. Mit einem Bonussystem für Elektro- und Hybridfahrzeuge, sogenannte "Supercredits", will Deutschland die Fertigung von Spritschluckern absichern. Demnach werden sparsamere Fahrzeuge wie Elektro- und Hybridfahrzeuge mehrfach angerechnet. Dies hätte zur Folge, dass durch diesen Bonus Spritschlucker weiterhin mehr CO2 ausstoßen dürfen. Die Emissionen der gesamten Modellpalette würden durch die Anrechnung von E- und Hybridfahrzeugen de facto nicht gesenkt.

Immer mehr Autohersteller für Klimaschutz

Die Bundesregierung und die Auto-Lobby vertreten keine einhellige Branchemeinung, sondern die Interessen weniger Unternehmen. Denn der größte europäische Autobauer, Volkswagen, hat sich im März in einem Gespräch mit der Greenpeace-Geschäftsführung zu den fortschrittlicheren EU-Plänen bekannt. Ab dem Jahr 2020 will VW-Chef Martin Winterkorn, dass die Fahrzeuge des Konzerns nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer im Flottendurchschnitt emittieren (entspricht etwa 4 Liter Benzin pro 100 km). Auch Ford hat sich schriftlich zu den europäischen Klimaschutzzielen bekannt.

Die Produktion von effizienten Fahrzeugen ist nämlich technisch machbar. Hersteller wie Volkswagen oder Toyota bauen bereits Autos in Serie, die die CO2-Vorgaben von morgen erfüllen. Dazu gehören nach Werksangaben nicht nur Kleinwagen wie der VW eco up, sondern auch Familienautos, zum Beispiel der Toyota Prius.

Greenpeace selbst hat im Jahr 1996 mit dem SmILE vorgemacht, dass durch bereits vorhandene Technik der Spritverbrauch herkömmlicher Serienautos halbiert werden kann. Der SmILE, ein umgebauter Renault-Twingo, kam damals auf durchschnittlich 3,3 Liter (76 Gramm CO2).
Greenpeace fordert Bundesregierung und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) auf, sich in der EU für den Klimaschutz einzusetzen. Altmaier soll das ohnehin lasche Ziel von 95 Gramm CO2 je Kilometer unterstützen und sich für einen ambitionierten Grenzwert über 2020 hinaus stark machen.

Greenpeace fordert von der Bundesregierung und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) , dass sie sich für eine Begrenzung von CO2-Emissionen durch Neuwagen in Europa einsetzen,

  • indem sie das Ziel von höchstens 95 Gramm CO2 pro Kilometer ab dem Jahr 2020 unterstützen - ohne ("Super-Credits") und ohne Verzögerung
  • indem sie ein Ziel von maximal 60 Gramm CO2 pro Kilometer ab dem Jahr 2025 unterstützen. Dies soll sicherstellen, dass Autobauer extrem sparsame Fahrzeuge für die Massenproduktion entwickeln.

Diese Maßnahmen führen zu einem geringeren Spritverbrauch und damit zu einem geringeren CO2-Ausstoß. Damit nimmt der Druck ab, die Ölvorräte in empfindlichen Regionen wie der Arktis auszubeuten.

Factsheet: Verzögerung des CO2-Ziels der EU

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat einen CO2-Grenzwert für Neuwagen ab 2025 festgelegt. Der Grenzwert soll bei maximal 78 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer liegen, das entspricht rund 3 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometer.

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