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Dieselfilter: Autobauer auf Trab gebracht

Kurz vor Beginn der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main hat Greenpeace am Montag eine Zwischenbilanz seiner Kampagne gegen Dieselkrebs gezogen. Wichtigstes Ergebnis: Seitdem Greenpeace das Thema vor zwei Jahren angepackt hat, scheint durch die Empörung in der Bevölkerung endlich ein wenig Bewegung in die Autoindustrie gekommen zu sein.

Doch noch reichen die zögerlichen Schritte der Autohersteller nicht aus. Die Täuschungsmanöver der Autoindustrie sind katastrophal, warnt Günter Hubmann, Auto-Experte bei Greenpeace. Jeder kann feststellen, wie ernst sie es mit ihren Ankündigungen meint, wenn er beim Dieselwagen-Neukauf konkret nach Rußfiltern fragt. Dann kann man sehen, wie lange es noch dauert.

Dessen ungeachtet brüstet sich zur IAA fast jeder deutsche Autokonzern mit wenigstens einem Diesel-PKW-Modell, das mit eingebautem Rußpartikelfilter auf den Markt kommen soll. Doch damit droht eine wichtige Forderung aus dem Blickfeld zu geraten: Die Autohersteller müssen auch serienmäßige Nachrüstfilter-Sets für alte und Gebrauchtwagen anbieten.

Beim Nachrüsten winken die deutschen Autobauer nach wie vor ab. Wir haben vorgemacht, wie es funktioniert, kontert Günter Hubmann, Auto-Experte bei Greenpeace. Nun müssen vor allem VW und DaimlerChrysler nachziehen. Seit einem Jahr ist ein Mercedes 220 CDI mit einem Greenpeace-Dieselfilter unterwegs, der vom RW TÜV Essen in den Gebrauchtwagen eingebaut wurde.

Kurz vor Ende der 80.000 Kilometer-Testfahrt bescheinigt der TÜV, dass der Filter immer noch einwandfrei funktioniert - für den Laien daran erkennbar, dass ein weißes Taschentuch am Auspuff weiß bleibt und nicht wie bei herkömmlichen Diesel-Fahrzeugen schwarz wird. Die Rußpartikel werden um 99 Prozent bis auf 0,001 Gramm pro gefahrenen Kilometer reduziert.

Jedes Jahr sterben 8000 Menschen an Lungenkrebs ausgelöst durch giftige Rußpartikel aus den Auspuffen der Millionen Dieselfahrzeuge auf den Straßen. Außerdem leiden viele Menschen in Folge der unnötigen Luftverschmutzung an Herzinfarkten, Asthma und Allergien.

Im Rahmen unserer Informations-Touren durch ganz Deutschland mit unseren als Schweinen verkleideten herkömmlichen Dieselfahrzeugen haben wir die Menschen wachgerüttelt, so Günter Hubmann. Gegenwärtig beschäftigen sich noch einige Gerichte mit Klagen von Greenpeace gegen die Automobilindustrie und das Kraftfahrtbundesamt aus dem Jahr 2001. Zugleich sind über 2.000 Strafanzeigen gegen DaimlerChrysler und VW von betroffenen Menschen aus ganz Deutschland bei den Staatsanwaltschaften eingegangen.

Greenpeace hatte zudem diesen Sommer in acht Städten an 16 Straßen Luftbelastungs-Messboxen aufgestellt. Die Stichproben nach vier Wochen zeigen, dass es in den Städten Ruß-Belastungen gibt, die die Grenzwerte des Bundesimmissionsschutzgesetzes überschreiten. Das heißt, dass die Menschen dort besonders stark gefährdet sind, an Dieselkrebs zu erkranken.

Wenn Bundeskanzler Schröder sich hier am Donnerstag wieder als Autokanzler feiern lässt, dann sollte er endlich seinen Einfluss gelten machen, um den Trab der Autokonzerne in Galopp zu verwandeln, so Hubmann. Wir hoffen noch auf positive Überraschungen.

Weitere Informationen zu Dieselruß und Gesundheit finden Sie unten.

Wissenswertes zur Dieselkrebs-Kampagne von Greenpeace gibt es hier: www.dieselkrebs.de (http://www.dieselkrebs.de/)

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