Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Die Folgen des Super-GAU

Die Explosion des Tschernobyl-Reaktors am 26. April 1986 setzt mehrere Tonnen hochradioaktives Material frei. Die radioaktive Wolke steigt in die Atmosphäre auf und zieht Richtung Westen. Die Folgen für Mensch und Umwelt sind dramatisch und heute noch spürbar.
  • /

Die Strahlen machen krank

Am stärksten betroffen sind jene Menschen, die in der Ukraine, Weißrussland und Russland leben. Dort geht die meiste Radioaktivität nieder. Ebenso betroffen sind die rund 860.000 Liquidatoren, die wochenlang am zerstörten Reaktor versuchen, die Katastrophe einzudämmen.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation werden in den ersten Tagen nach dem Unglück zwei Millionen Kinder mit radioaktivem Jod verstrahlt. Experten gehen davon aus, dass ein Drittel der Kinder, die zum Zeitpunkt der Kernschmelze bis zu vier Jahre alt waren, im Laufe ihres Lebens an Schilddrüsenkrebs erkranken werden. Nur 15 Prozent aller Kinder der Region gelten heute als gesund.

Die Strahlen machen krank: Sie bringen Schilddrüsenkrebs, Lungenkrebs, Magenkrebs sowie chronische Erkrankungen wie Diabetes, bösartige Bluterkrankungen und eine Immunschwäche, das so genannte Tschernobyl-Aids. Aufgrund der Schädigungen des Erbguts kommt es vermehrt zu Missbildungen bei Neugeborenen. Der Super-GAU hinterlässt weitere tiefe Spuren: Dorfgemeinschaften, Familien werden auseinandergerissen, hunderttausende Menschen verlieren ihre Heimat.

Verstrahltes Land

In Weißrussland werden nach dem Super-GAU 7.000 Quadratkilometer zur Sperrzone und Zone strikter Kontrolle erklärt. Etwa 23 Prozent des Staatsgebietes sind stark verstrahlt, 40 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche radioaktiv verseucht. In den betroffenen Gebieten leben zur Zeit des Unfalls 2,2 Millionen Menschen. 135.000 werden umgesiedelt, weitere 565.000 verlassen ihre Heimat.

Heute leben noch 1,5 Millionen Menschen in der kontaminierten Region. Schätzungen zufolge werden die wirtschaftlichen Schäden bis zum Jahr 2015 insgesamt 235 Milliarden US-Dollar betragen, das ist mehr als zehnmal so viel wie das Bruttoinlandsprodukt Weißrusslands im Jahr 2004.

In der Ukraine werden 1.000 Quadratkilometer zur Sperrzone und Zone strikter Kontrolle erklärt. Etwa fünf Prozent des Staatsgebietes sind stark verstrahlt. In den betroffenen Gebieten leben zum Zeitpunkt des Unglücks 2,6 Millionen Menschen. 160.000 Menschen werden umgesiedelt, weitere 150.000 verlassen ihre Heimat. Laut Schätzungen werden die wirtschaftlichen Schäden bis zum Jahr 2015 auf insgesamt 201 Milliarden US-Dollar anwachsen. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt beträgt im Jahr 2004 ca. 64,8 Milliarden US-Dollar.

In Russland sind 1,5 Prozent der Landfläche kontaminiert. 50.000 Menschen werden umgesiedelt. In den verstrahlten Gebieten lebten ursprünglich 2,7 Millionen Menschen, heute sind es nur noch 1,8 Millionen.

Tags:

Mehr zum Thema

Rendezvous mit einem Monster

Kiew, die Zone, Tschernobyl, die Reaktorruine ... Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer erzählt von seinem Aufenthalt in der Ukraine, von der Fahrt in die Sperrzone um Tschernobyl und...

365 Gründe gegen Atomkraft

Es gibt Tausende Gründe gegen Atomkraft. 365 davon haben wir in einem Jahreskalender zusammengestellt - für jeden Tag einen. Jeder Tag enthält nur wenige Worte, doch die haben es in sich.