Glückliches Schnitzel? Was hinter den Fleisch-Siegeln steckt

Siegel-Check Fleisch

Wer am Fleischregal steht und wissen will, wie viel Tierleid im Steak steckt, wird auf einen Dschungel an Gütesiegeln und Labeln treffen. Greenpeace hat sie bewertet.

  • /

Weniger Fleisch schmeckt auch dem Klima. Und wenn überhaupt Fleisch, dann bitte nur selten und aus besserer Haltung. Doch wie erkennt man die? Durfte die Sau sich ein Nest aus Stroh bauen und ihren Ringelschwanz behalten? Hatte das Huhn zu Lebzeiten Platz zum Atmen und zum Scharren? Das Fleisch im Supermarkt ist mit allen möglichen wohlklingenden Siegeln gekennzeichnet. Was sich genau dahinter verbirgt, wissen die wenigsten. Wie Sie Billigfleisch erkennen, erfahren Sie im Folgenden:

Auf einen Blick

Welche Fleisch-Siegel sind aus Greenpeace-Sicht empfehlenswert?

Kaum überraschend: Wirklich empfehlenswert sind eigentlich nur die klassischen Biosiegel, wie Naturland, Bioland, Demeter oder das Programm von Neuland. Auch den beiden Labeln der Tierschutzorganisationen können Sie vertrauen: „Tierschutz kontrolliert GOLD“ von Vier Pfoten und „Für mehr Tierschutz** “ vom Deutschen Tierschutzbund. Die Haltungsform 4 (Premium) ist eine freiwillige Kennzeichnung des Handels und entspricht etwa dem Bio- oder Neuland Standard.

Achtung: Das Siegel der Initiative Tierwohl mag auf den ersten Blick ansprechend wirken – garantiert aber keineswegs eine anständige Tierhaltung. Auch bei Haltungsform 1 und Haltungsform 2 steckt Tierleid drin.

Schnell informiert mit dem Chativist

Als bequeme Möglichkeit, sich vor allem unterwegs zu informieren, bietet Greenpeace den Chativist. Der Chatbot unterhält sich mit Verbraucher*innen im Facebook-Messenger und beantwortet Fragen zu allen Siegeln.

Greenpeace-Bewertung der einzelnen Siegel

Wie viele Tiere pro Quadratmeter? Ist Gen-Futter erlaubt? Darf Antibiotika verabreicht werden? Sind tierquälerische Eingriffe wie betäubungslose Kastration erlaubt? Wie viele Stunden dürfen die Tiere maximal zum Schlachter unterwegs sein? Was genau welche Kennzeichnung oder welches Label erlaubt, hat Greenpeace im detaillierten Siegel-Check Fleisch zusammengetragen. (Stand Januar 2020, Erstveröffentlichung Oktober 2017)

Hühner in einem Betrieb für ökologische LandwirtschaftDicht gedrängt in dunklen Ställen oder mit Einstreu zum Scharren – die Haltungsbedingungen für Geflügel unterscheiden sich je nach Fleischsiegel gewaltig. Und auch bzgl. des prophylaktischen Einsatzes von Antibiotika lohnt es sich, genau hinzusehen. >>  >>Siegelcheck Hähnchen

Schwein im Stroh

Ein glückliches Schwein hat Platz, Stroh zum Wühlen und darf an die frische Luft. Schmerzhafte Eingriffe, die manche Fleischsiegel ausschließen und andere nicht, sind das Abschneiden der Ringelschwänze und das Kastrieren der Ferkel ohne Betäubung >> Siegelcheck Schweinefleisch

Rinder auf der WeideBei  Rindfleisch ist die Frage: Hat das Tier auf der Weide gestanden, kannte es Bienensummen und Gewitterregen – oder verbrachte es viel zu viel Zeit dicht gedrängt im dunklen Maststall auf Vollspaltenböden? >>Siegelcheck Rindfleisch

Mehr zum Thema

Schluss mit der Klöckner-Show

Unter dem Druck des Tönnies-Skandals zeigt die Landwirtschaftsministerin auf dem Fleischgipfel in Düsseldorf zwar späte Einsichten. Aber ihren Worten folgen keine Taten.

Laschet und Tönnies

Es reicht! Aktivist*innen protestieren vor dem NRW-Landtag und fordern Ministerpräsident Armin Laschet auf, das kranke System Billigfleisch zu stoppen.

Für eine neue EU-Agrarpolitik

Wie weiter mit der Reform der EU-Agrarpolitik? Darüber diskutieren heute EU-Kommissare mit der deutschen Politik.  Greenpeace und Landwirt*innen der AbL demonstrieren in Berlin.