Ölpalmenanbau in Indonesien – Desaster für Tiere, Menschen, Klima

Ausverkauf im Paradies

Die Regenwälder Südostasiens beheimaten eine fantastische Vielfalt an Pflanzen und Tieren und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Doch unser Ressourcenhunger vernichtet sie.
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Indonesien besteht aus über 17.000 Inseln, von Sumatra im Westen bis Westpapua/Neuguinea im Osten. Noch sind viele von ihnen mit tropischen Regenwäldern bedeckt. Königstiger und Waldelefanten streifen durch den Dschungel, Orang-Utans hangeln sich von Baum zu Baum. Noch leben indigene Gemeinschaften mit uralten Traditionen im und vom Wald, der ihnen Wasser, Nahrung und Medizin schenkt. 

Doch ihr Lebensraum wird bedrohlich kleiner. Die Holzindustrie frisst sich durch die Wälder, und die Agrarindustrie holzt riesige Flächen insbesondere für neue Ölpalmenplantagen ab. Dramatisch für die Menschen, die Artenvielfalt und für das Klima. 

Die indigenen Gemeinschaften sind auf intakte Urwälder angewiesen; die radikale Zerstörung ihrer Heimat bedeutet oft einen Absturz in Armut. In vielen Gebieten, die Holz- und Palmölindustrie beanspruchen, sind die Landrechte nicht geklärt, und die Unternehmen vertreiben Kleinbauern und indigene Gruppen oft mit Gewalt.

In den Urwäldern des Inselreichs leben rund zehn Prozent der weltweit vorkommenden Landtier- und Pflanzenarten. Einige Tiere sind ausschließlich in dieser Region heimisch, darunter der Orang-Utan, der Sumatra-Tiger und das Java-Nashorn. Sie stehen auf der Roten Liste der IUCN und sind vom Aussterben bedroht. Laut einer 2018 veröffentlichten Studie ist der Bestand der rothaarigen Menschenaffen dramatisch geschrumpft. Sumatra-Tiger sind akut bedroht mit nur noch zwei robusten Populationen. Ebenfalls extrem gefährdet ist das Java-Nashorn mit nur noch rund 60 Individuen.

Für das Klima gehen mit den Wäldern wertvolle Kohlenstoffspeicher verloren,  besonders die uralten feuchten Torfböden, die in Indonesien weit verbreitet sind. Wenn die Agrarindustrie die Wälder abholzt oder verbrennt und die Torfböden für die Plantagenwirtschaft entwässert, entweicht der Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid in die Atmosphäre. Um einen Eindruck zu geben, warum das besonders dramatisch ist: Moorland bedeckt nur 3 Prozent der Landfläche der Welt, enthält aber mehr als 40 Prozent des gesamten Bodenkohlenstoffs. Die Klimakrise wird also durch Abholzen von Wäldern auf Torfböden besonders stark angeheizt.

Traurige Rekorde

 Palmöl ist das weltweit bedeutendste Pflanzenöl: Die Jahresproduktion lag 2018 bei knapp 72 Millionen Tonnen. Deutlich über die Hälfte des weltweit produzierten Palmöls stammte aus Indonesien mit 40,57 Millionen Tonnen, gefolgt von Malaysia mit 19,5 Millionnen Tonnen. Die beiden Länder deckten 2018 also fast 84% der Weltproduktion ab. Ähnliche Anteile gibt es bei den Palmkernen und dem daraus gewonnenen Palmkernöl.

Indonesiens riesige Wälder schwinden daher in rasantem Tempo. Die Waldvernichtungsrate zählt zu den höchsten weltweit. Laut dem indonesischen Umweltministerium sind zwischen 1990 und 2015 24 Millionen Hektar Regenwald zerstören worden - eine Fläche, die fast die Ausdehnung von Großbritannien erreicht. Palmölplantagen bedecken bereits rund 13 Millionen Hektar und diese riesigen Flächen sollen sich, wenn es nach den Vorstellungen der indonesischen Regierung und den Palmöl-Konzernen geht, noch weiter ausdehnen.

Seit 2013 haben sich Unternehmen mit 74 Prozent der Raffineriekapazität in Indonesien und Malaysia eigentlich verpflichtet, Waldzerstörung zu unterlassen. Allerdings ist diese Verpflichtung bisher ein zahnloser Tiger: Auch zwischen 2016 und 2017 verlor Indonesien 3 Millionen Hektar Naturwald.

2015 wüteten in Indonesien heftige Brände, sie gelten als eine der größten ökologischen Katastrophen des 21. Jahrhunderts bisher. Der Rauch verursachte

Erkrankungen unter anderem der Atemwege bei Hunderttausenden von Menschen in der gesamten Region und laut einer Studie wahrscheinlich über 100.000 vorzeitige Todesfälle. In 2020 addiert sich zu dieser dramatischen Zahl noch die Erkenntnis, dass die stetige Rauchbelastung durch die Feuer auch das Risiko sowie das Ausmaß einer Covid-19-Erkrankung signifikant erhöhen kann.

Die indonesische Regierung reagierte mit einer Reihe von Maßnahmen. Doch nach drei Jahren, relativer Ruhe – auch dank der La Niña-Wetterlage – wüteten die Feuer zwischen Januar und September 2019 erneut heftig: 857.000 Hektar, davon 227.000 Hektar Moorland, standen in Flammen. Hier müssen also deutlich engagiertere Maßnahmen her.

Waldzerstörung in Papua


Palmöl aus Regenwaldzerstörung im Handel

Einer der wichtigsten Gründe für die Waldvernichtung in Indonesien ist Palmöl. Es fließt unter anderem in die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie, etwa in Schokoriegel und Shampoo, außerdem in Blockheizkraftwerke sowie – vermischt mit fossilem Kraftstoff auf Erdölbasis – in Dieseltanks. Seit 2010 stieg die indonesische Palmöl-Produktion um 75 Prozent. 

Einer der größten Palmöl-Importeure Europas ist Deutschland mit jährlich rund 1,6 Millionen Tonnen (Stand: 2017). Ein Großteil landet im Tank von Dieselautos, aber auch in Lebensmitteln und anderen Produkten des täglichen Bedarfs. Auf Druck von Greenpeace und weiteren Organisationen haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Firmen verpflichtet, schmutziges Palmöl aus ihren Liefer- und Produktionsketten zu verbannen. Darunter Lebensmittelkonzerne, aber auch Produzenten und Händler. Doch auch diese Zusagen sind wenig wert: Selbst Firmen, die sich der Nachhaltigkeit verpflichtet haben, sind nachweislich an Waldzerstörung und Trockenlegung von Torfmooren beteiligt. 

Dies betrifft auch Firmen, die durch den RSPO zertifiziert sind, den Runden Tisch für „nachhaltiges“ Palmöl. Denn dieser freiwillige, internationale Zusammenschluss aus Produzenten, Handels- und Industrieunternehmen, Banken und Nichtregierungsorganisationen setzt sich zu einem großen Teil aus Industrie und Handel zusammen, weshalb seine Kriterien trotz Nachbesserungen in den letzten Jahren weiterhin zu schwach sind. Insbesondere muss aber abgewartet werden, ob Unternehmen sich an die strengeren Kriterien halten oder wie in der Vergangenheit regelmäßig dagegen verstoßen.  

Auch der seit Mai 2011 bestehende befristete Stopp der Urwaldrodung und Vergabe neuer Konzessionen, hält nicht, was er verspricht. Greenpeace Analysen identifizierten rund ein Fünftel der Waldzerstörung zwischen 2011 und 2013 auf Flächen, die durch das Moratorium geschützt sein sollten.

Was geschehen muss

Die Verantwortung für die Zerstörungen in Indonesien liegt nicht nur bei der dortigen Regierung, sondern wir alle können und müssen etwas dafür tun, dass die verbliebenen Wälder bestehen bleiben. Wir alle leiden unter der daraus folgenden Befeuerung der Klimakrise, und gleichzeitig verursachen wir gerade in Industrieländern durch unseren Konsum das Problem mit. 

Das muss die Regierung in Indonesien tun

  •  In enger Abstimmung mit der lokalen Bevölkerung Anreize für Waldschutz und Wiederaufforstung schaffen.

  • Eine bessere Palmölproduktion vorantreiben, beispielsweise durch die Verbesserung der Ernteerträge und die Bildung genossenschaftlich aufgebauter Produktions- und Vermarktungskonzepte. Von zentraler Bedeutung ist die Beteiligung lokaler und indigener Gemeinschaften.

  • Die indonesische Regierung unter Präsident Joko Widodo ist derzeit leider weit entfernt, den Wald- und Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit im Land an erste Stelle zu stellen. Vielmehr droht die Umweltgesetzgebung weiter geschwächt zu werden. 

    Das müssen die Unternehmen tun

  • Palmölkonzerne müssen ihre Zulieferer kontrollieren und darauf bestehen, dass diese Wälder und Torfmoore konsequent schützen.

  • Karten aller Konzessionsgebiete der Firmengruppen müssen öffentlich zugänglich sein.

  • Unternehmen müssen zusammenarbeiten, um Zulieferer zu kontrollieren.  

  • Palmölkonzerne, insbesondere die großen Händler, müssen umgehend einen Handelsstopp mit den Unternehmen verhängen, die weiterhin auf Kosten der Regenwälder und Torfmoore wirtschaften.  

Das muss die deutsche und EU-Politik tun

  • Der EU ist zwar theoretisch bewusst, dass sogenannter Biodiesel von Palmölplantagen, die auf früherem Urwaldgebiet stehen, in Wirklichkeit nicht Bio ist. Doch die ergriffene Maßnahme ist viel zu lasch: Ein vollständiger Ausstieg aus der Verwendung von Palmöl für Biokraftstoffe ist erst für 2030 vorgesehen. Gleichzeitig gibt es diverse Ausnahmen. Der Ausstieg muss viel schneller und konsequenter erfolgen. 
  • Die EU muss zudem sicherstellen, dass Agrarrohstoffe wie Palmöl, die mit Waldzerstörung in Verbindung stehen, nicht länger auf ihren Binnenmarkt gelangen. Eine entsprechende Gesetzesinitiative gibt es zwar, doch entscheidend ist die Ausgestaltung. Das künftige Gesetz darf kein ähnlich zahnloser Tiger sein wie die freiwilligen Firmenverpflichtungen.

Das können Verbraucherinnen und Verbraucher tun

  • Keine Lebensmittel wegwerfen.

  • Zu Bioprodukten und möglichst unverarbeiteten Produkten aus regionaler, saisonaler und ökologischer Produktion beziehungsweise fairem Handel greifen. 

  • Als Kunden aktiv werden: Schreiben Sie an Firmen, deren Produkte Sie kaufen und fragen Sie nach, was diese Unternehmen tun, um Palmöl aus Regenwaldzerstörung aus ihren Lieferketten zu verbannen.

  • Wichtig dabei zu wissen: Palmöl ist vielfältig einsetzbar, die Ölpalme hat eine hohe Ertragskraft. Greenpeace zweifelt deshalb nicht grundsätzlich die Produktion und Verwendung von Palmöl an. Es ist keine gute Alternative, Palmöl einfach durch andere Pflanzenöle, zum Beispiel aus Raps oder Sonnenblumen, zu ersetzen. Um die gleiche Menge Öl zu erzeugen, würden deutlich größere Flächen benötigt. Auch die Verlagerung auf Sojaöl würde die ohnehin schon bestehenden Probleme in Anbauländern wie Brasilien und Argentinien verschärfen. Dennoch ist wichtig, dass der Palmölverbrauch insgesamt gesenkt wird. Ein wichtiger erster Schritt: Palmöl (und weitere Pflanzentreibstoffe) raus aus den Autotanks.

 (Stand: 09/2020)

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