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Schmilzendes Packeis
Bernd Roemmelt/Greenpeace

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Brüssel/Hamburg (dpa Insight) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert ein Förderverbot von Öl in den arktischen Gewässern. Die Risiken von Unfällen seien im hohen Norden durch die extremen Wetterverhältnisse viel zu hoch und nicht kontrollierbar, sagte Greenpeace-Experte Jörg Feddern im Gespräch mit dpa Insight EU. «Die Technik ist noch nicht soweit und die Notfallpläne für drohende Unfälle sind allesamt ungenügend.» Ölunfälle hätten massive Folgen für die weitgehend unberührte Region und ihre Bewohner. Zudem würden indigene Völker kaum profitieren, sollten Energiekonzerne wie Shell in den eisigen Regionen Bohrinseln bauen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert ein Förderverbot von Öl in den arktischen Gewässern. Die Risiken von Unfällen seien im hohen Norden durch die extremen Wetterverhältnisse viel zu hoch und nicht kontrollierbar, sagte Greenpeace-Experte Jörg Feddern im Gespräch mit dpa Insight EU. «Die Technik ist noch nicht soweit und die Notfallpläne für drohende Unfälle sind allesamt ungenügend.» Ölunfälle hätten massive Folgen für die weitgehend unberührte Region und ihre Bewohner. Zudem würden indigene Völker kaum profitieren, sollten Energiekonzerne wie Shell in den eisigen Regionen Bohrinseln bauen.

Bisher gibt es noch keine Ölförderung im arktischen Ozean. Doch in Zeiten des Klimawandels schrumpft das ewige Eis - und die Region wird leichter zugänglich. Das weckt das Interesse der Industrie. Aus Sicht von Feddern hinkt die technische Machbarkeit den ambitionierten kommerziellen Plänen hinterher. Dies habe sich erst kürzlich in Shells Alaska-Projekt gezeigt, als der Ölkonzern die Umsetzung von Bohrplänen wegen der widrigen Witterung und technischer Pannen habe abbrechen müssen.

Warnung vor leeren Versprechen

Der Umweltschützer sieht es mit Sorge, dass sich Industrie und Energiekonzerne im Rennen um arktische Bodenschätze immer stärker zu Wort melden. «Den Bewohnern der Arktis werden leere Versprechungen auf schnelles Geld gemacht, während die Gefahren für die Umwelt heruntergespielt werden.» Letztlich seien die indigenen Völker gar nicht oder nur «alibimäßig» in den politischen Prozess eingebunden. Das müsse sich ändern.

Feddern nannte die Situation in der russischen Komi-Region im äußersten Nordosten von Europa als warnendes Beispiel. Dort habe der massive Ölabbau zu stark verschmutzten Flüssen und weiträumig verseuchten Landschaften geführt. «Die Ureinwohner haben so gut wie nichts von den Öleinnahmen bekommen», bemängelt Feddern. «Die Öl-Förderanlagen und Pipelines haben die Landschaft zerklüftet.»

Brüche in Pipelines seien beinahe an der Tagesordnung, was das Wasser in den Flüssen verschmutzt habe, sagte Feddern. «Das ist eine hohe Bürde für die traditionelle Rentierzucht und die Fischerei.» Anstatt Reichtum zu bringen, habe die Ölförderung die Einkommensgrundlage der Ureinwohner zerstört. Ähnliches drohe künftig auch in arktischen Gebieten wie Grönland oder Alaska.

Hotels statt Bohrtürme

Wirtschaftsvertreter und Politiker aus Europa oder den USA dürften den Ureinwohnern nicht mit irreführenden Öl-Verlockungen den Kopf zu verdrehen, meint der Umweltschützer. Stattdessen müssten gemeinsam Strategien zur nachhaltigen Nutzung ihrer Umwelt entwickelt werden. Hier könnte beispielsweise die Entwicklung von Ökotourismus und der Ausbau von Erneuerbaren Energien den indigenen Völkern zu einer besseren finanziellen Perspektive verhelfen. Die EU sollte die Arktis-Bewohner im nachhaltigen Nutzen von Ressourcen unterstützen. Die Ureinwohner müssten als gleichberechtigte Partner anerkannt werden.

Feddern warnt davor, dass die EU beim Thema Arktis auf rein wirtschaftliche Argumente setzt. Sollte Brüssel der europäischen Industrie den Weg in die Polarregionen ebnen, werde späterer Umweltzerstörung Vorschub geleistet. «Das wäre auch im Kampf gegen den Klimawandel eine sehr schlechte Nachricht.»

Das Verbrennen von Öl gilt als einer der Hauptverursacher des Klimawandels. «Sollten die vermuteten Ölvorkommen in der Arktis ausgebeutet werden, würde der Klimawandel weiter angeheizt und das Eis der Arktis noch schneller verschwinden.» Aus diesem Teufelskreis müsse man ausbrechen. Die Eisflächen der Arktis spielten eine entscheidende Rolle für die Stabilität des Weltklimas, betont Feddern.

Skepsis bei Schiffsroute

Neben den Bodenschätzen weckt zudem der Seeweg von Europa nach Asien über die Arktis das Interesse der Wirtschaft. Die Route von Deutschland und den Niederlanden nach Japan verkürzt sich im Vergleich zur Mittelmeer-Route um etwa ein Drittel. Auch hier mahnt Feddern zur Besonnenheit. So drohe das in der Schifffahrt verwendete Schweröl die arktische Umwelt zu belasten. Bislang seien die Route nicht angemessen abgesichert und die Verhandlungen über den «Polar-Code» nicht abgeschlossen.

Beim Polar-Code will die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) Regeln für die Nutzung der Arktisroute vorschreiben, etwa für die Ausbildung der Besatzung, die Bauweise der Schiffe und die Technik an Bord. Bevor die Route im großen Maßstab kommerziell genutzt wird, sei dieser Polar-Code nötig, sagt Feddern. Doch auch hier drohten Wirtschaftsinteressen Sicherheitsaspekte in den Hintergrund zu drängen. «Jeder will beim Thema Arktis den Fuß in der Tür haben - egal wie. Das geht nicht, das können wir der Umwelt nicht antun.»

***

Gespräch: Wolf von Dewitz, dpa

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