Jetzt spenden
Bernd Hartung/Greenpeace

Protest bei Treffen der EU-Agrarminister*innen in Koblenz

Der EU-Agrarministerrat tagt in Koblenz. Greenpeace Aktivist*innen machen zu Wasser und in der Luft deutlich: Falsch verteilte Subventionen schaden Landwirtschaft und Umwelt.

Eine Exkursion in den Weinberg und anschließend eine Fahrt mit dem Schiff über die idyllische Mosel. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigt ihren europäischen Kolleg*innen am zweiten Tag des informellen Treffens der EU-Agrarminister*innen die schönen Seiten ihrer Heimat. Eine Bootsfahrt, die ist lustig? Gar nicht lustig finden Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace jedoch den klimaschädlichen Kurs der europäischen Agrarpolitik. Während die Politiker*innen mit dem Schiff von Winningen nach Koblenz fahren, werden sie von drei Greenpeace-Schlauchbooten begleitet. „Kein Geld für gestern“ prangt auf einem Banner, das dabei an einem Flugdrachen aufsteigt. Drei weitere Aktivist*innen empfangen das Schiff in Koblenz in ihren Kajaks. Sie fordern von Julia Klöckner, sich für eine klimaschonende Politik einzusetzen. 

Denn die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) vergibt seit Jahrzehnten den Großteil der Subventionen an Höfe mit großen Flächen und fördert damit Massentierhaltung und Pestizideinsatz. Während der derzeitigen deutschen EU-Präsidentschaft will Ministerin Klöckner die Reform der Agrarpolitik entscheidend vorantreiben. Der vorliegende Entwurf hält jedoch am alten Verteilungsprinzip fest. „Wenn Frau Klöckner die Subventionspolitik aus dem letzten Jahrhundert nicht grundlegend überarbeitet, bleiben Klima, Tierwohl und Artenschutz weiter auf der Strecke“, sagt Lasse van Aken, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. „Statt riesiger Monokulturen muss die EU gezielt die Landwirtinnen und Landwirte fördern, die Böden und Wasser schützen und ihre Tiere artgerecht halten. Nur so können die europäischen Klimaziele erreicht werden.“

Nach dem Ausflugsprogramm stehen am heutigen Dienstag Beratungsgespräche der EU-Agrarminister*innen an. Auch dieses Treffen in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz nutzen die Aktivist*innen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen - diesmal aus der Luft: Ein Aktivist fliegt in großen Bögen in einem Gleitschirm über das Gebäude. Seine Botschaft ist weithin sichtbar: „Kein Geld für gestern“. Landwirt*innen, die das EU-Treffen ebenfalls für ihren Protest nutzen, werden aufmerksam und kommen mit den Aktivist*innen ins Gespräch. Denn die anstehende Reform der GAP beschäftigt auch sie.

Landwirt*innen brauchen Perspektive

Die GAP ist der mit Abstand größte Posten im EU-Haushalt. Die alle sieben Jahre durchgeführte Reform legt die Kriterien fest, nach denen die landwirtschaftlichen Betriebe die Subventionen erhalten. Diese werden weitgehend unabhängig davon gezahlt, wie die Flächen bewirtschaftet werden. Daher erhalten so gut wie alle Höfe Subventionen. Bleibt es beim bisherigen flächengebundenen Verteilungsprinzip, bekommen weiterhin lediglich sechs Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe jährlich über zwei Milliarden Euro. Betriebe, die konkrete Maßnahmen gegen die Klimakrise oder zum Erhalt der Artenvielfalt umsetzen, erhalten keine angemessene finanzielle Belohnung. Insgesamt fließen jedes Jahr rund fünf Milliarden Euro direkt an deutsche Landwirtinnen und Landwirte.

„Ministerin Klöckner möchte am Prinzip der flächengebundenen Zahlung festhalten. Die grundlegenden Defizite der europäischen Agrarpolitik geht sie nicht an“, so van Aken. „Im Reformentwurf werden schwachen Umweltvorgaben nur neue Namen gegeben. Frau Klöckner verkauft alten Wein in neuen Schläuchen. Mit Greenwashing ist aber weder der Gesellschaft noch den Bauern und Bäuerinnen geholfen, die schon jetzt unter der Klimakrise leiden.“

  • Protest in der Luft

    Überspringe die Bildergalerie
  • Protest auf dem Boden

    Überspringe die Bildergalerie
  • Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Lasse van Aken

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Online-Mitmachaktion

https://act.greenpeace.de/klimanotstand

Klimanotstand jetzt!

Klimanotstand jetzt! Bundeskanzler Merz muss uns gegen Hitze, Flut und Dürre schützen: Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, mehr Naturschutz und finanzielle Hilfe für Städte und Kommunen.

Petition unterzeichnen
0%
vom Ziel erreicht
0
haben mitgemacht
0%
Gruppe von Jugendlichen auf historischem Platz schützen sich mit Regenschirmen vor der Sonn

Mehr zum Thema

Protest at Petersberg Climate Dialogue in Berlin

COP31: Alles zur Weltklimakonferenz 2026

Internationale Klimapolitik ist gerade schwierig – was kann die Klimakonferenz in Antalya da liefern? Die Klimakrise drängt: Werden neue Staaten vorangehen und den Weltmarkt klimafreundlich gestalten?

mehr erfahren über COP31: Alles zur Weltklimakonferenz 2026
Podium der 21. Klimaschutzkonferenz in Paris 2015

Internationale Klimakonferenzen

Schon in den siebziger Jahren erkannten Forschende: Der Klimawandel wird eine ernste, weltweite Bedrohung für Mensch und Natur. Daher wurde 1979 die erste Klimakonferenz in Genf einberufen. Ein historischer Überblick.

mehr erfahren über Internationale Klimakonferenzen
Klimaland Bavaria 2040 - Keep the word- Protest Munich

Bayern kippt sein Klimaziel

Große Klappe, nix dahinter: Söder bricht seine Zusage, dass Bayern bis 2040 klimaneutral wird. Am 12. November soll die Gesetzesänderung verabschiedet werden. Greenpeace zeigt, was das bedeuten würde.

mehr erfahren über Bayern kippt sein Klimaziel
Portrait von Roda Verheyen

Roda Verheyen bekommt Umweltpreis

Mit unkonventionellen Klagen kämpft die Rechtsanwältin Roda Verheyen, auch mit Greenpeace, für mehr Klimaschutz auf dem Rechtsweg. Dafür hat sie am 25. Oktober den Deutschen Umweltpreis bekommen.

mehr erfahren über Roda Verheyen bekommt Umweltpreis
Zwei große Bilder nebeneinander auf einem Lkw: eines düster „Power the apocalypse“, das andere mit Windrad „Power the future“.

Nvidia: Die Klimakosten des KI-Booms

Eine Greenpeace-Analyse zeigt: Der Aufstieg des Chipkonzerns Nvidia geht mit massiv steigenden CO2-Emissionen einher. Greenpeace-Aktive protestierten bei einer Konferenz in Berlin.

mehr erfahren über Nvidia: Die Klimakosten des KI-Booms
Floods in Homa Bay County in Kenya

Riesige Klimaschäden durch Superreiche

Ein neuer Greenpeace-Report zeigt: Die größten Klimaschäden der Superreichen entstehen nicht nur durch Privatjets und Luxusvillen, sondern durch Beteiligungen und Finanzanlagen.

mehr erfahren über Riesige Klimaschäden durch Superreiche