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JAGs bei der Daimler Hauptversammlung, April 2009
Paul Langrock / Zenit / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Online-Redaktion: Richard, das war ja ein ereignisreicher Tag in Berlin gestern. Erzähl doch mal, wie der Tag für euch begann.

Richard Brand: Ja, wir haben uns schon früh am Morgen mit rund 30 Jugendlichen aus unterschiedlichen Greenpeace-AGs vor dem Messegebäude in Berlin getroffen. Die ersten Aktionäre kamen nämlich schon gegen acht Uhr morgens. Am Eingang haben wir dann eine zweieinhalb Meter hohe Weltkugel aufgebaut. Die Kugel wurde von einem Mercedes-Modellauto platt gedrückt. Das Auto war mit rosa Farbe, Ohren und Ringelschwanz verziert, ein Klimaschwein eben. Und wir hatten noch ein Banner, darauf stand: Zukunft, Klima, dicke Autos - welches Wort passt hier nicht rein?

Online-Redaktion: Das hat für viel Aufmerksamkeit vor Ort gesorgt, es wurde ja auch in den TV-Nachrichten darüber berichtet.

Richard Brand: Ja, alle Aktionäre mussten ja an uns vorbei - und davon gibt es immerhin 10.000! Da war natürlich auch viel Presse. Und es gab wirklich viel zu sehen und zu hören: Unsere Fotoausstellung, auf der wir gezeigt haben, was uns und andere Jugendliche bewegt und was wir bisher alles schon gemacht haben, um auf das Problem der dicken Autos fürs Klima aufmerksam zu machen. Es gab sogar einen Chor, der Lieder zum Klimaschwein zum Besten gab.

Online-Redaktion: Wie ist es dann weitergegangen?

Richard Brand: Um 10 Uhr begann die Aktionärsversammlung. Wir sind mit fünf Leuten da reingegangen. Eine Stunde lang hat der Vorstandsvorsitzende Zetsche seine große Rede gehalten. Natürlich hat er auch über Nachhaltigkeit gesprochen und was Daimler alles für den Klimaschutz tun würde. Das kennt man ja schon. Danach konnten die Aktionäre sich zu Wort melden. Zetsche hat dann geantwortet, das hat sich ziemlich lange hingezogen.

Online-Redaktion: Und dann warst du endlich dran. Warst du aufgeregt?

Richard Brand: Och nö, eigentlich gar nicht. Wir mussten ja bis um vier Uhr nachmittags warten, bis ich endlich an der Reihe war. Das war zwar zum Teil ziemlich öde, aber ich habe dadurch genau mitbekommen, wie das Frage-Antwort-Spiel zwischen den einzelnen Aktionären und Zetsche funktioniert. Bei meiner Rede war ich dann sogar ziemlich entspannt.

Online-Redaktion: Hast Du eine Antwort von Zetsche erhalten?

Richard Brand: Ja. Ich hatte ihn gefragt, wie er denn seine Zusage einhalten will, bis 2012 den CO2-Ausstoß ihrer Wagen auf unter 140 Gramm pro Kilometer zu bringen. Er sagte mir, sie seien bereits dabei, die technische Entwicklung weiterzubringen und ihr technisches Know-How aufzubauen, um effizientere Motoren zu bauen. Und dass sie den versprochenen Wert von 140 Gramm C02 auf jeden Fall schaffen würden. Naja, das muss man jetzt erstmal abwarten.

Online-Redaktion: Wie hat das Publikum auf deinen fünfminütigen Beitrag reagiert?

Richard Brand: Sehr positiv, es gab ganz schön viel Applaus. Leider waren nicht mehr so viele Leute da wie am Anfang, weil es schon so spät war. Was sehr schön war: Hinterher, auf dem Weg zum Ausgang, haben mich noch zwei Leute angesprochen und gesagt, wie toll sie mein Engagement fänden. Darüber habe ich mich gefreut.

Online-Redaktion: Eurem Auftritt vor und in der Versammlung ging eine ganze Reihe von Aktivitäten zum Thema Daimler und Klima voraus. Du hast sie mitgeplant und mitorganisiert. Was waren für dich die wichtigsten und eindrucksvollsten Ereignisse?

Richard Brand: Ja, der Auftritt ist fast der Abschluss einer ganzen Reihe von Aktivitäten, die wir als Greenpeace-Jugendliche auf die Beine gestellt haben. Besonderen Spaß hat mir das Planen und Begleiten der Foto-Shooting-Aktion gemacht. In über 30 Städten haben wir im letzten Jahr Jugendliche fotografiert, die sich unseren Forderungen angeschlossen hatten. Sie hatten große Sprechblasen aus Pappe unter dem Arm. Darauf stand dann zum Beispiel Wir wollen keine fetten Autos, Mercedes!. Dazu gibt es auch ein schönes Video.

Beeindruckend fand ich auch unser bundesweites Treffen im Herbst 2008, zu dem ungefähr 200 Jugendliche nach Hannover kamen. Unter dem Motto Abspecken - Erde retten! Deutsche Autos sind zu dick! fanden viele Straßenaktionen statt. Und eine große Demo durch die Innenstadt gab es auch.

Insgesamt ist es sehr bewegend zu sehen, dass all das, was man sich vorher so ausgedacht hat, auch wirklich funktioniert! Und für mich war natürlich der Auftritt auf der Daimler-Versammlung der absolute Höhepunkt. Ich hatte ja sehr viel Zeit in die ganze Sache gesteckt und es es war wirklich ein schönes Gefühl, meine Meinung auch öffentlich kund zu tun!

Online-Redaktion: Was für Aktivitäten gegen die klimaschädliche Modellpolitik von Daimler habt ihr jetzt vor?

Richard Brand:: Eine wichtige Sache ist noch offen: Wir hatten im Februar an Zetsche geschrieben und ihn um ein persönliches Gespräch gebeten. Jetzt hat uns der Leiter des Unternehmensbereichs Umweltschutz bei Daimler zu einem Gespräch im Mai eingeladen. Wir wollen dort die Fotos und Postkarten übergeben, die wir auf den Straßenaktionen gesammelt haben. Und wir wollen nochmal klarmachen, dass wir uns um unsere Zukunft Sorgen machen, über die jetzt bei Daimler entschieden wird.

Online-Redaktion: Wie sieht denn deine Zukunft aus?

Richard Brand: Ich befinde mich gerade mitten im Abi. Aber sobald das vorbei ist, werde ich mich ganz der Umwelt widmen. Ich bin seit 2005 in der Greenpeace-Jugend aktiv und plane jetzt ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Denn mir ist klar geworden, dass man unbedingt etwas tun muss, um die Verantwortlichen zu einer Politik zu bewegen, die den Menschen und der Umwelt gerecht wird. Und dazu möchte ich die Menschen bewegen. Was mich antreibt ist der Wunsch, die Menschen für den Umweltschutz zu begeistern!

Online-Redaktion: Richard, herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!

Petition

https://act.greenpeace.de/vw-klage

Für ein Recht auf Zukunft, nicht Verbrenner

Für ein Recht auf Zukunft, nicht Verbrenner. Greenpeace klagt gemeinsam mit mit dem Bio-Landwirt Ulf Allhoff-Cramer und Fridays for Future-Klimaaktivistin Clara Mayer mehr Klimaschutz bei Volkswagen ein. Unterstützen Sie die Klage mit Ihrer Unterschrift!

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