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Kajaks, Kanus und Schwimmer:innen im Wasser, auf einem schwimmenden Banner steht: Klimakrise ist Fluchtgrund!
© Julius Schrank / Greenpeace

Wenn die Klimakrise zur Flucht zwingt und Konflikte verschärft

Die unterschätzte Katastrophe

Klimawandel und Umweltzerstörung sind schon heute oft ein Auslöser für Flucht und Abwanderung. Kürzungen bei der Entwicklungshilfe verschärfen das Problem. Es ist Zeit, zu handeln!

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Auch die Klimakrise vertreibt weltweit mehr und mehr Menschen. Zwar ist sie meist nicht der alleinige Auslöser dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Doch sie verstärkt das Risiko in Ländern, in denen die Situation eh schon angespannt ist. Denn die Klimakrise verknappt Ressourcen. Gewaltkonflikte wie Bürgerkriege, Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppen und gewaltsame Proteste werden wahrscheinlicher. Die Klimakrise verstärkt Faktoren wie Armut, wirtschaftliche Probleme und instabile Institutionen. 

Menschen, die in Gebieten leben, die von gewalttätigen Konflikten betroffen sind und gleichzeitig den Auswirkungen der Klimakrise ausgesetzt sind, sind besonders gefährdet. Sowohl der IPCC-Bericht als auch das Pariser Klimaabkommen bestätigen, dass die Klimakrise ein wesentlicher Faktor für globale Migration ist. 

Auch in Europa verlieren Menschen infolge der Klimakrise ihre Heimat: Der Schutz vor Klimarisiken ist vielerorts unzureichend. So wurden etwa bei den Sturzfluten in Valencia im Jahr 2024 Warnungen zu spät ausgegeben – obwohl funktionierende Frühwarnsysteme vorhanden waren. Fehlender Hochwasserschutz und die weitgehende Versiegelung ehemaliger Überflutungsflächen verschärften die Folgen zusätzlich. 
Ein weiteres Beispiel ist Süddeutschland: Dort kam es im Juni 2024 nach Starkniederschlägen zu großflächigen Überschwemmungen – begünstigt durch fehlende Rückhaltebecken, versiegelte Böden und unzureichenden Hochwasserschutz. Beide Fälle stehen exemplarisch für ein systemisches Problem: Vielerorts fehlen Investitionen in präventive Schutzmaßnahmen und Frühwarnsystemen.

Dass Klimaflucht und Klimavertreibung mittlerweile sogar Deutschland betrifft, zeigt unter anderem das Ahrtal: Nach der verheerenden Flut 2021 durften 34 zerstörte Häuser im Hochrisikogebiet nicht wieder aufgebaut werden. Weitere Beispiele sind die Umsiedlung von zwei Ortsteilen: Röderau-Süd in der Elbaue in Sachsen wurde 2003 nach der Flutkatastrophe der Elbe umgesiedelt. Isarmünd, ein Ortsteil der niederbayerischen Gemeinde Moos, musste nach einem Hochwasser 2013 ebenfalls dem Hochwasserschutz weichen. 

Weltweit geht es dabei natürlich um weit schlimmere Dimensionen und ganz andere zahlen von Klimaflüchtenden. 

Die Klimakrise wird immer drängender: 2025 war das weltweit drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Europa erwärmt sich dabei etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Deutschland erlebte 2024 das bislang heißeste Jahr. Diese Tatsache muss mehr als bisher beachtet werden. Wir können es uns nicht länger leisten, die Katastrophen zu unterschätzen, die sich überall auf der Welt abspielen. 

Klimawandel verschärft Konflikte

Die Studie „Klimawandel, Migration und Konflikt“ der Universität Hamburg und der Gesellschaft für Umwelt- und Entwicklungsforschung im Auftrag von Greenpeace (2025) zeigt: Die Klimakrise ist zunehmend auch eine soziale und sicherheitspolitische Bedrohung. Die Studie analysiert wissenschaftliche Daten und politische Entwicklungen weltweit. Das Ergebnis ist alarmierend: Wetterextreme und schleichende Umweltveränderungen treffen vielerorts auf bestehende soziale Ungleichheiten. Das führt in immer mehr Regionen zu Hunger, Vertreibung und wachsender Gewalt. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie im Überblick: 

Klimakrise als Konflikttreiber: Überschwemmungen, Hitze und Wasserknappheit verschärfen bestehende Konflikte – besonders in fragilen Staaten wie Subsahara-Afrika, Bangladesch oder Myanmar.In Europa verlieren Menschen durch Extremwetterereignisse wie Sturzfluten in Valencia oder Überschwemmungen in Süddeutschland ihr Zuhause.

Militär verstärkt Umweltzerstörung: Kriege verursachen hohe Emissionen, verschlingen Ressourcen und zerstören Infrastruktur. Je länger militärische Konflikte andauern, desto größer und langfristiger die Umweltschäden – oft über Jahre hinweg spürbar.

Globale Verantwortung: In den USA wurden unter der Trump-Administration wichtige Klimaschutz- und Katastrophenvorsorgemaßnahmen zurückgefahren, während zugleich globale Klimaforschung und -politik erheblichen Schaden nimmt.

Die Studie warnt: Ohne konsequenten Klimaschutz und internationale Solidarität drohen sich humanitäre Krisen weiter zu verschärfen.

Weltflüchtlingstag 20. Juni 2025

  • Protest on the Spree in Berlin for Protection of Refugees

    19. Juni 2025

    Mit einem 60 Quadratmeter großen Schwimmbanner protestieren Aktivist:innen von Greenpeace und Amnesty International für den Schutz Geflüchteter. Anlass ist der Weltflüchtlingstag am 20. Juni. „Die Klimakrise kennt keine Grenzen“ prangt so vor dem Bundestag.

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  • Protest on the Spree in Berlin for Protection of Refugees

    Denn die Klimakrise macht nicht an Grenzen halt. Und Abschottung darf keine Antwort auf menschliches Leid sein.

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  • Protest on the Spree in Berlin for Protection of Refugees

    Schutzsuchende dürfen nicht länger durch politische Blockaden, Pushbacks oder mangelhafte Aufnahmebedingungen gefährdet werden.

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  • Protest on the Spree in Berlin for Protection of Refugees

    Fawad Durrani, Greenpeace-Experte für Klima und Migration, fordert: „Eine bessere Klimapolitik muss einen Beitrag leisten, damit die Klimakrise nicht immer mehr Menschen ihre Heimat nimmt.“

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Was sind Klimaflüchtlinge?

Versuch einer Definition

Text

Klimaflüchtlinge bezeichnet Menschen, die aus Folgen der Klimakrise ihre Heimat verlassen müssen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) und der Weltklimarat (IPCC) raten davon ab, den Begriff Klimaflüchtling zu verwenden, da er falsche Erwartungen weckt. Denn die Genfer Flüchtlingskonvention gilt nur für Personen, die vor Konflikten und Verfolgung ins Ausland fliehen. Klimafolgen sind derzeit noch kein anerkannter Fluchtgrund. Das Konzept der Klimaflüchtlinge ist auch deshalb wenig sinnvoll, weil Wissenschaftler meist nicht in der Lage sind, einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen einem bestimmten Wetterereignis und dem Klimawandel nachzuweisen. Sie können nur Trends feststellen, eine gewisse Zunahme der Häufigkeit und Intensität solcher Wetterkatastrophen. Kurzum, der Begriff Klimaflüchtling hilft den Betroffenen nicht weiter; ihnen könnte leicht der Schutz verweigert werden mit dem Argument, dass der konkrete Zusammenhang zwischen Klimawandel und Flucht nicht nachgewiesen werden kann.
 

Weltflüchtlingstag: 118 Millionen Menschen weltweit vertrieben

Der Weltflüchtlingstag erinnert an Millionen von Menschen, die aufgrund von Konflikten, Kriegen und anderen Krisen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Die Zahlen sind alarmierend: 

Die Zahl der Vertriebenen ist in den letzten zehn Jahren stark angestiegen. Schätzungen des UNHCR zufolge, waren Ende 2025 117,8 Millionen Menschen durch Konflikte und Gewalt vertrieben. Die Gesamtzahl der Binnenvertriebenen, also die Summe der Neuvertreibungen und der Menschen, für die nach mehrjähriger Vertreibung noch keine dauerhafte Lösung gefunden worden ist, schätzt das Internal Displacement Monitoring Center auf 82,2 Millionen Menschen. Die Zahl der geschätzten Binnenvertriebenen hat sich zu vor zehn Jahren verdoppelt. Die Eskalation von Krieg und Gewalt und der fortschreitende Klimawandel tragen zur dramatisch hohen Zahl an Binnenvertriebenen bei. Hinzu kommt, dass nicht genug getan wird, damit betroffene Menschen dauerhafte Lösungen finden können. 

Afghanische Männer suchen nach Opfern, nachdem ein pakistanischer Luftangriff in der Nacht ein Wohngebiet getroffen hat.
Aimal Zahir/AFP via Getty Images

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Die Spannungen zwischen Afghanistan und Pakistan haben sich in den vergangenen Tagen drastisch verschärft. Aus jahrelangen Grenzstreitigkeiten ist ein offener Krieg geworden.

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© W. Guansen / Xinhua / dpa / pa

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Hintergrund

Die humanitäre Krise im Sudan ist gigantisch. Dennoch erhält sie im Vergleich zu anderen Konflikten weltweit nur einen Bruchteil der globalen Aufmerksamkeit. Warum sich das ändern sollte.

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Zahl der Klimaflüchtenden steigt

Plötzlich eintretende Natur- und Wetterkatastrophen vertreiben oft ganze Bevölkerungsgruppen. Die Menschen bleiben meist im Land, oft sogar in der Nähe ihrer einstigen Heimat. Der größte Teil kehrt bald wieder zurück, sofern es möglich ist, und engagiert sich beim Wiederaufbau. Der allerdings kostet Geld. Wenn der Staat dabei nicht hilft, setzt das oft einen Teufelskreis in Gang: Gerade in Entwicklungsländern führt jede Katastrophe meist zur weiteren Verarmung. Und die Fähigkeit, sich vorbeugend auf die nächste Flut oder Dürre vorzubereiten, nimmt immer weiter ab.

Nur ein Bruchteil der Menschen, die weltweit vertrieben sind, verlassen das eigene Land oder machen sich gar auf den Weg nach Europa. Oft waren sie zuvor jahrelang im eigenen Land entwurzelt: durch Naturkatastrophen oder Gewalt und Krieg oder durch beides. Erst wenn dort die Unterstützung fehlt und Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung zu groß werden, begeben sich diese Menschen auf die gefährliche Flucht in andere Länder.

Fallbeispiel Afghanistan: Abschiebung in den permanenten Notstand

Afghanistan leidet unter der Taliban-Herrschaft und gestrichenen internationalen Geldern, was zur Schließung von 400 Krankenstationen führte. Die Klimakrise verschärft die Lage: Die Schneedecke im Himalaya schwindet, natürliche Wasserspeicher versiegen. Auf extreme Dürren folgen katastrophale Sturzfluten. Seit 2023 wurden über sechs Millionen Afghanen aus Pakistan und dem Iran zur Rückkehr gezwungen – oft über illegale Pushbacks ohne rechtliche Prüfung. Besonders dramatisch ist die Lage für geflüchtete Frauen, denen fundamentale Rechte vorenthalten werden. Kabul droht als erste Großstadt weltweit das Trinkwasser zu verlieren. Die Studie kritisiert Abschiebungen aus Europa als völkerrechtlich rücksichtslos. 

Fallbeispiel DR Kongo: Ein fatales Kürzungsexperiment

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo explodierte die Zahl der Vertriebenen durch den aufflammenden Krieg 2025 auf fast zehn Millionen Menschen. In dieser Phase kürzte die neue US-Regierung die Hilfsgelder drastisch: Von 1,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf nur noch 21 Millionen Dollar 2026. Die Folgen sind verheerend: Ein neuer Ebola-Ausbruch wurde wegen des kollabierten Gesundheitssystems zu spät erkannt, die Sterblichkeit verdoppelte sich und die Kriminalität stieg sprunghaft an. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass der abrupte Stopp von Hilfsgeldern die Wahrscheinlichkeit neuer Gewaltkonflikte signifikant erhöht.

Fawad Durrani

Fawad Durrani

Greenpeace-Experte für Klima-Migration und Konflikte

„Während Familien im Globalen Süden ihre Heimat durch Klimakatastrophen verlieren, kürzen wohlhabende Nationen die Hilfsgelder und investieren Billionen in Waffen. Diese humanitäre Krise muss enden. Die Industriestaaten müssen illegale Pushbacks stoppen, sich für Frieden entscheiden und unverzüglich Klimaanpassung sowie sichere, legale Migration finanzieren.“
Fawad Durrani
Zitat
„Während Familien im Globalen Süden ihre Heimat durch Klimakatastrophen verlieren, kürzen wohlhabende Nationen die Hilfsgelder und investieren Billionen in Waffen. Diese humanitäre Krise muss enden. Die Industriestaaten müssen illegale Pushbacks stoppen, sich für Frieden entscheiden und unverzüglich Klimaanpassung sowie sichere, legale Migration finanzieren.“

Zitatinhaber, Vorname Nachname
Fawad Durrani
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Greenpeace-Experte für Klima-Migration und Konflikte
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Wer sein Land verlassen muss, braucht rechtlichen Schutz

Sowohl der IPCC-Bericht als auch das Pariser Klimaabkommen bestätigen, dass die Klimakrise ein wesentlicher Faktor für globale Migration ist. Es fehlt aber bisher eine rechtliche Anerkennung des Klimawandels als Fluchtgrund. Jeder Staat entscheidet autonom, wem er Schutz gewährt. Bund und Länder nehmen über humanitäre Programme Menschen aus Bürgerkriegsgebieten auf. Dabei sollten auch Menschen berücksichtigt werden, deren Lebensgrundlage durch Klimakrise und Naturkatastrophen zerstört wurde. 

Weil hauptsächlich Länder des Globalen Nordens die Ursachen für diese Flucht geschaffen haben, tragen sie die Verantwortung, einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, der es den Betroffenen ermöglicht, anderswo ein neues Leben aufzubauen.

Das Problem der Vertreibung durch Klimawandel muss endlich ernst genommen werden. Das heißt zum Einen, dass diese Menschen einen – wie auch immer gearteten – Status erhalten müssen: Einen, der ihnen Rechte einräumt, wenn sie ihr eigenes Land verlassen müssen, und der ihnen international Schutz gewährt. Zum Zweiten müssen die gefährdetsten und verwundbarsten Länder dieser Erde von den reichen Industrienationen (die immerhin den Klimawandel verursacht haben) finanziell bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützt werden. Und natürlich muss zum Dritten die Menschheit und die Staatengemeinschaft alles in ihrer Macht Stehende dafür tun, den Ausstoß der Klimagase zu reduzieren und die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Klimawandel, Migration und Konflikt

Klimawandel, Migration und Konflikt

Die Klimakrise ist zunehmend auch eine soziale und sicherheitspolitische Bedrohung.

Anzahl Seiten: 75

Dateigröße: 3.06 MB

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 Climate Change, Migration and Conflict

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Causes. Effects. Solutions.

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Studie: Klimawandel, Migration und Vertreibung

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Anzahl Seiten: 40

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Greenpeace-Studie: Klimaflüchtlinge - die verleugnete Katastrophe

Greenpeace-Studie: Klimaflüchtlinge - die verleugnete Katastrophe

Anzahl Seiten: 40

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Häufig gestellte Fragen zu Klimaflüchtlingen

Welche Auswirkungen hat die Klimakrise auf die weltweite Migration?

Die Klimakrise wirkt wie ein Risikomultiplikator, indem sie bestehende wirtschaftliche, politische und soziale Spannungen verschärft und so immer mehr Menschen zur Flucht zwingt. Langfristige Veränderungen wie der ansteigende Meeresspiegel, Wüstenbildung und lang anhaltende Dürren zerstören schrittweise die Lebensgrundlagen, insbesondere in der Landwirtschaft, und zwingen Gemeinschaften im Laufe der Zeit zur Abwanderung. 

  • Plötzlich eintretende Ereignisse: Extremwetterereignisse wie Hurrikane, Taifune und schwere Überschwemmungen führen zu plötzlichen Massenvertreibungen. 
  • Schleichend eintretende Ereignisse:Langfristige Veränderungen wie der ansteigende Meeresspiegel, Wüstenbildung und lang anhaltende Dürren zerstören schrittweise die Lebensgrundlagen, insbesondere in der Landwirtschaft, und zwingen Gemeinschaften im Laufe der Zeit zur Abwanderung.
  • Die Verbindung zur Sicherheit: Wenn Krieg lebenswichtige Infrastrukturen wie Wassernetze und medizinische Einrichtungen zerstört, raubt dies einer Gemeinschaft jegliche Fähigkeit, mit Umweltbelastungen umzugehen. Dadurch bleiben vertriebene Familien unmittelbaren Klimaschocks wie intensiven Hitzewellen oder Sturzfluten völlig schutzlos ausgeliefert. Umgekehrt lassen schleichende Klimakatastrophen Wasserquellen versiegen und ruinieren landwirtschaftliche Flächen. Die daraus resultierende Knappheit löst einen erbitterten Wettbewerb um schwindende Ressourcen aus, was neue lokale Konflikte entfachen oder bestehende Kriege verlängern kann.

Gibt es eine rechtliche Definition für Klimaflüchtlinge?

Im öffentlichen Diskurs ist der Begriff „Klimaflüchtlinge“ weit verbreitet, um die Dringlichkeit des Problems zu betonen. Allerdings fehlt ihm eine formale internationale rechtliche Definition. Gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 ist der rechtliche Flüchtlingsstatus eng mit einer begründeten Furcht vor menschlicher Verfolgung (aufgrund von Rasse, Religion, Politik usw.) verbunden, was Umwelt- oder Klimafaktoren nicht einschließt. Deshalb zieht die Studie Begriffe wie „umweltbedingte Migration“, „Vertreibung im Kontext des Klimawandels“ oder „durch den Klimawandel vertriebene Personen“ vor, um die vielfältigen Formen menschlicher Mobilität genauer darzustellen. 

Welche Beispiele gibt es für „Klimaflüchtlinge“?

Afghanistan: Das Schmelzen der Himalaya-Gletscher bedroht die Trinkwasserversorgung und die landwirtschaftliche Bewässerung der gesamten Region. Schwere Dürren werden regelmäßig von plötzlichen, katastrophalen Sturzfluten unterbrochen, die Familien zwingen, ihre angestammte Heimat zu verlassen.

Die Demokratische Republik Kongo (DRK): Extreme Klimavulnerabilität überschneidet sich mit den Folgen von Kriegen. Der plötzliche, drastische Abzug internationaler Entwicklungs- und humanitärer Gelder hat die Wahrscheinlichkeit lokaler Konflikte um schwindende natürliche Ressourcen erheblich erhöht.

Bangladesch: Küstengemeinden sind mit chronischer Flussufererosion, steigendem Meeresspiegel und verheerenden tropischen Zyklonen konfrontiert. Brennpunkt ist zum Beispiel die Region Cox’s Bazar: hier leben bereits Millionen Vertriebene (wie die Rohingya aus Myanmar) dicht gedrängt in instabilen Lagern, obwohl die Gegend stark anfällig für Erdrutsche und Stürme ist.

Welche Länder sind am stärksten von Klimavertreibung betroffen?

Die am stärksten betroffenen Länder sind meist jene mit einer hohen Gefährdung durch Extremwetter und einer geringen wirtschaftlichen Kapazität zur Anpassung.

  • Der Globale Süden im Allgemeinen: Länder, die am wenigsten zu den anthropogenen Emissionen beigetragen haben, tragen aufgrund geringer finanzieller Anpassungskapazitäten die Hauptlast der Schäden.
  • Afghanistan & Myanmar: Gefangen in Zyklen aus politischer Gewalt, Bürgerkrieg und hoher Klimavulnerabilität, was ihre Bevölkerung gegenüber Katastrophen praktisch schutzlos macht.
  • Bangladesch: Eine der am dichtesten besiedelten Nationen der Welt, die schweren Überschwemmungen und Zyklonen ausgesetzt ist.
  • Kleine Inselentwicklungsländer (SIDS): Diese stehen durch den steigenden Meeresspiegel vor existenziellen territorialen Bedrohungen.
  • Die afrikanische Sahelzone: Konfrontiert mit sich überschneidenden Krisen aus Krieg, extremer Armut und Wüstenbildung.

Wohin fliehen die meisten Menschen vor der Klimakrise?

Die meisten Menschen, die aufgrund des Klimawandels fliehen, bleiben innerhalb ihres Landes. Sie verlassen oft zerstörte ländliche Gebiete und ziehen in Städte oder Ballungszentren, um Arbeit zu finden und zu überleben. Große Wanderungsbewegungen in wohlhabendere Länder im Norden sind selten. Wenn Menschen internationale Grenzen überqueren, ziehen sie meist in benachbarte Entwicklungsländer in derselben Region. 

Welche Länder nehmen „Klimaflüchtlinge“ auf?

Es gibt eine schwerwiegende institutionelle Lücke: Da es keine formale globale Rechtsdefinition oder ein spezielles Erfassungssystem für Klima-Asyl gibt, nehmen die meisten Länder Menschen nicht explizit unter einer Visakategorie für Klimamigranten auf. Stattdessen werden Unterstützung und Aufnahme weitgehend über folgende Wege geregelt:

  • Regionale Rahmenbedingungen in Afrika: Verträge wie die Kampala-Konvention verpflichten die Mitgliedstaaten rechtlich dazu, intern vertriebene Personen zu schützen und zu unterstützen, was diejenigen, die aufgrund von Natur- und Klimakatastrophen fliehen müssen, ausdrücklich einschließt.
  • Allianzen kleiner Inselstaaten: SIDS treiben die internationale Klimapolitik aktiv voran, um Migrationswege zu sichern, obwohl umfassende globale Umsiedlungsabkommen nach wie vor selten sind.
  • Der Globale Norden muss in Zukunft gefährliche Pushbacks stoppen und sichere, legale Wege schaffen, die klimavertriebenen Menschen formalen Schutz bieten, während gleichzeitig die finanzielle Unterstützung für Klimaanpassung und humanitäre Hilfe im schwer getroffenen Globalen Süden deutlich aufgestockt werden muss.

Welche Verantwortung tragen Industrienationen bei der Klimaflucht?

 Die Verantwortung für den Ausstieg aus den Fossilen: Die wohlhabenden Industrienationen tragen die Hauptverantwortung für die historischen Treibhausgasemissionen. Daher sollten sie dringend aus fossilen Brennstoffen aussteigen, um zukünftige Vertreibungsszenarien zu verhindern. 

Militarisierung begrenzen: Industrienationen sollten weniger Geld für aggressive Militarisierung ausgeben und stattdessen mehr in humanitäre Hilfe und globale Anpassung investieren. In den letzten Jahren haben wohlhabende Länder vermehrt Gelder umgeleitet, um Verteidigungsausgaben und Grenzsicherung zu erhöhen. Dies hat zu erheblichen Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit und globalen Hilfsfonds geführt.

Die Pflicht zur finanziellen Unterstützung: Industrienationen sollten ärmeren Ländern finanziell helfen. Das bedeutet, dass sie Geld für lokale Anpassungsstrategien bereitstellen sollten, um widerstandsfähige Infrastrukturen aufzubauen. Zudem sollten sie über internationale Mechanismen wie den Fonds zur Bewältigung von Verlusten und Schäden robuste Entschädigungen bereitstellen, um Gemeinschaften bei unumkehrbaren Klimaschäden zu unterstützen. Die Kürzung von Entwicklungshilfebudgets in den letzten Jahren hat die Fähigkeit dieser Länder stark beeinträchtigt, Konflikte und Vertreibungen aufgrund von Ressourcenknappheit zu verhindern.

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