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Uranhexafluorid-Petitionsübergabe in Berlin
© Andreas Schoelzel / Greenpeace

Rund 70.000 russische Unterschriften gegen Uranexporte an das Bundesumweltministerium überreicht

Was Importe betrifft, ist Russland streng: So dürfen per Dekret des Staatspräsidenten keine Milch- und Fleischprodukte aus der Europäischen Union ins Land, genauso wenig wie Obst und Gemüse. Was aber offensichtlich in Ordnung geht: abgereichertes Uran aus Deutschland. Ein Irrsinn, der in beiden Ländern Proteste auslöste.

Rund 70.000 russische Bürgerinnen und Bürger haben eine Petition von Greenpeace Russland unterzeichnet, die das sofortige Ende dieser gesundheitsgefährdenden Lieferungen aus dem niedersächsischen Gronau nach Russland fordert. Der russische Greenpeace-Atomexperte Rashid Alimov und sein deutscher Kollege Heinz Smital übergaben gemeinsam mit der russischen Umweltschutzorganisation „Ecodefense!“ diese Unterschriften gestern in Berlin. Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, nahm die Umweltschützer in Empfang.

Atommüll aus Niedersachsen

Bei den Lieferungen handelt es sich um Uranhexafluorid, das von der Uranfabrik Urenco im Münsterland zur Wiederaufbereitung nach Russland geschickt wird. Dieses „abgereicherte Uran“ fällt bei der Anreicherung an und kann mit hohem Aufwand wieder zu spaltbarem Material gemacht werden. Doch der größte Teil dieser importierten Abfälle verbleibt vermutlich für immer in Russland. Mit der Deklarierung als Wertstoff kann das giftige und strahlende Material ganz legal von Urenco außer Landes geschafft werden. Mit Atommüll, um den es sich bei Uranhexafluorid nach gängigem Verständnis eigentlich handelt, ginge das nicht – das verbietet das deutsche Atomgesetz, das die Endlagerung im eigenen Land vorsieht.

Mehr als 1,2 Millionen Tonnen abgereichertes Uran werden in Russland bereits unter freiem Himmel gelagert. Wenn die Behälter rosten oder auf andere Weise beschädigt werden, kann Uranhexafluorid austreten. Uran ist radioaktiv und kann beim Einatmen starke Schäden hinterlassen. Uranhexafluorid hat aber auch gefährliche chemische Eigenschaften. Es ist vergleichsweise leicht flüchtig. Wenn es mit Wasser in Verbindung kommt – dafür reicht sogar Luftfeuchtigkeit oder die Feuchtigkeit in den Atemwegen – entsteht stark ätzende Flusssäure. Kommt es zur Freisetzung von Uranhexafluorid, können sich gesundheitsschädliche Gase kilometerweit ausbreiten und bei Menschen schwere Lungenschäden verursachen.

Vor zehn Jahren hat Urenco nach Protesten der Anti-Atomkraft-Bewegung die Exporte nach Russland gestoppt. Gegen die Wiederaufnahme haben russische Bürgerinnen und Bürger heute zu Zehntausenden bei der deutschen Regierung Beschwerde eingelegt. Sie muss den deutschen Atomausstieg vollenden – dazu gehört auch, die noch bestehenden Uranfabriken in Gronau und Lingen zu schließen, damit kein Atommüll mehr quer durch Europa gekarrt wird.

>>> Auch Sie können auf die deutsche Bundesregierung Druck ausüben: Hier finden Sie die deutschsprachige Petition für ein Ende der Uranexporte und die Stilllegung deutscher Atomtechnikstandorte.

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