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Nach dem Super-GAU in Fukushima: Eine Mutter mit ihrem Kind in einer Flüchtlingsunterkunft in Yonezawa, März 2011
Christian Åslund / Greenpeace

Neuer IAEO-Report spielt Fukushima-Folgen herunter

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) spielt die Ursachen und Folgen der verheerenden Reaktorkatastrophe von Fukushima massiv herunter. Das bemerkte Greenpeace bei der Analyse eines bislang unveröffentlichten Berichtes der IAEO. Ein Entwurf des Reports, der im September vorgestellt werden soll, liegt Greenpeace vor.

Häufig bleibt die IAEO in ihren Schlussfolgerungen zu vage oder sogar widersprüchlich. So stellt sie in ihrem Bericht beispielsweise fest, dass das wahre Ausmaß der aus den havarierten Atomkraftwerken freigesetzten Strahlendosis noch gar nicht bekannt sei. Andererseits erwartet die Behörde jedoch keinerlei erkennbare Gesundheitsfolgen. Etwaige Auswirkungen auf die Tiere lässt die IAEO zudem außer Acht. Diese wurden allerdings von Wissenschaftlern bereits bestätigt.

Auch bei der Ursachenforschung der Atomkatastrophe ist der Report lückenhaft und irreführend. Nicht entsprechend berücksichtigt werden die Auswirkungen des gewaltigen Erdbebens der Stärke 9,0 auf der Richterskala, das die Fukushima-Region am 11. März 2011 erschütterte. Bestenfalls oberflächlich geht die IAEO auf die aktuelle Atomaufsicht in Japan ein. Noch schwerer wiegt jedoch ein weiterer großer Fehler: Der Bericht wurde ohne ordnungsgemäße Anhörung der am stärksten von dem Unfall Betroffenen erstellt - den Menschen in Fukushima.

„Mythos einer sicheren Atomenergie“

Das Fazit: Der IAEO-Report verfehlt die vollmundige Ankündigung des Generaldirektors der Behörde, der eine „wegweisende, sachliche und ausgewogene Bewertung“ versprach. Greenpeace hat seine Analyse deshalb an die IAEO geschickt und fordert eine komplette Überarbeitung des Reports der Realität und den wissenschaftlichen Untersuchungen entsprechend.

„Die IAEO sucht verzweifelt nach einer Zukunft für die Atomkraft - nicht zuletzt in Japan“, sagte Shaun Burnie, Greenpeace-Experte für Atomenergie. Deshalb wolle sie das Vertrauen der Öffentlichkeit in nukleare Sicherheit und Regulierung wiederherstellen. „Dieser Bericht ist Teil ihrer Strategie, die Auswirkungen des Unfalls klein zu reden“, so Burnie. „Die IAEO versuchte Gleiches in den Jahrzehnten nach Tschernobyl und spielt nun mit Fukushima das gleiche Spiel. Sie zeichnet den Mythos einer sicheren Atomkraft. Das ist gefährlich und wird nicht funktionieren."

Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 spielte die IAEO eine entscheidende Rolle bei dem Versuch, Gesundheits- und Umweltfolgen der Nuklearkatastrophe herunterzuspielen. Gleichzeitig ließ die Behörde die Welt glauben, neue globale Sicherheitsstandards brächten mehr atomare Verlässlichkeit. Die Realität der Tschernobyl-Katastrophe sieht jedoch anders aus: Bis zum heutigen Tag leiden Tausende Menschen an den Folgen des Super-GAU; der nukleare Fallout erfordert an vielen Orten noch immer umfangreiche Schutzmaßnahmen für die Menschen. Nach Tschernobyl haben IAEO und nationale Atomaufsichten es versäumt, entsprechend aus der Katastrophe zu lernen. Eine Folge war in 2011 der zerstörerische Atomunfall in Fukushima-Daiichi.  

  • Ausbreitung der Strahlung nach dem Super-GAU in Fukushima im März 2011

    Verstrahlt

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  • Einer von sechs Reaktoren des AKW Fukushima Daiichi nach dem Super-GAU im März 2011

    Was übrig blieb

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  • Säcke mit radioaktiv kontaminierter Erde, Schlamm und Gras lagern direkt vor den Haustüren der Menschen in Tamura, 2013

    Atommüll vor der Tür

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  • 2014, drei Jahre nach dem Super-GAU in Fukushima, strahlt die Landschaft rund 20 Kilometer vom zerstörten AKW mit 2.9 Mikrosievert pro Stunde. Vor dem Desaster waren es 0,08 Mikrosievert.

    Vorsicht, Strahlung!

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Menschen stellen die Energiewende dar - von der Atomkraft zur Windkraft 15.04.2011

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