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Greenpeace-Aktivisten projizieren: "Das Lügen geht weiter" an den Kühlturm des AKW Philippsburg 21.03.2011
Martin Storz / Greenpeace

Gravierende Sicherheitsdefizite in deutschen AKW

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Deutsche Atomkraftwerke sind die sichersten der Welt? Fehlanzeige. Deutsche Atomkraftwerke verfügen teilweise über weit geringere Sicherheitsstandards als das Katastrophen-AKW Fukushima 1.

Defizite gibt es bei den Siedewasserreaktoren (SWR), vor allem den vier ältesten Philippsburg 1, Isar 1, Brunsbüttel und Krümmel. Doch auch die neueren SWR-Reaktoren Gundremmingen B und C weisen Sicherheitslücken auf. Auf Schwachstellen in Notstrom- und Kühlsystemen weisen Experten schon seit langem hin.

Kanzlerin Merkel lügt, wenn sie behauptet, die deutschen AKW seien die sichersten der Welt, sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. Seit Jahrzehnten werden Sicherheitskriterien so hingebogen, dass selbst die ältesten deutschen AKW sie erfüllen. Teure Nachrüstungen wurden verschleppt. Der Kernphysiker fordert, alle Schwachstellen der Reaktoren jetzt schonungslos offenzulegen.

Schwachpunkt Sicherheitsbehälter

Die Sicherheitsbehälter der vier ältesten deutschen Siedewasserreaktoren sind schlechter gegen die Folgen einer Kernschmelze geschützt als die der japanischen Katastrophenreaktoren.

Der Sicherheitsbehälter - auch Containment genannt - ist eine wichtige Barriere, damit bei einem Unfall keine Radioaktiviät austritt. Er umschließt den Reaktordruckbehälter, in dem sich die Brennelemente befinden. Im AKW Fukushima 1 besteht dieser Sicherheitsbehälter aus einer mehrere Meter starken Betonhülle.

Anders bei den alten Siedewasserreaktoren Philippsburg I, Isar I, Brunsbüttel und Krümmel. Sie gehören zur sogenannten Baureihe 69, die mit einem schweren Konstruktionsfehler behaftet ist: Ihre Sicherheitsbehälter bestehen lediglich aus einer leicht schmelzenden Stahlhülle mit einer Wandstärke von wenigen Zentimetern. Diese Sicherheitslücke ist nachträglich nicht zu beheben.

Die Folgen sind schwerwiegend: Wenn das Kühlsystem versagt und eine Kernschmelze eintritt, wird schneller Radioaktivität freigesetzt. Zudem sind die Freisetzungsmengen größer, da sich in der kurzen Zeit nur ein kleiner Teil der Radionuklide innerhalb des Sicherheitsbehälters absetzen kann.

Schwachpunkt Abklingbecken

Fukushima zeigt, welche Gefahr von den abgebrannten Brennelementen in den Abklingbecken von AKW ausgehen kann. Diese Gefahr besteht auch in deutschen AKW.

In allen sechs deutschen Siedewasserreaktoren liegen die Abklingbecken - wie in Fukushima - außerhalb der Sicherheitsbehälter, im oberen Stockwerk des Reaktorgebäudes. Das betrifft die beiden neueren Reaktoren Gundremmingen B und C ebenso wie die vier alten Reaktoren der Baulinie 69.

In den Abklingbecken lagern mehr radioaktive Brennelemente als im Reaktorkern. Im AKW Gundremmingen B und C sind es normalerweise mehr als 200 Tonnen. Bei Versagen der Kühlung und Wasserverlust in den Abklingbecken wäre auch bei den deutschen Reaktoren die Strahlung derart hoch, dass sie Not- und Rettungsmaßnahmen unmöglich machen könnte.

Laufzeitverkürzung

Greenpeace fordert von Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Gesetz zur Laufzeitverkürzung für alle Atomkraftwerke. Spätestens 2015 soll das letzte Atomkraftwerk stillgelegt werden. Die sieben ältesten Reaktoren, der Pannenmeiler in Krümmel und das erdbebengefährdete AKW Neckarwestheim 2 müssen sofort und endgültig abgeschaltet werden.

Greenpeace ist am heutigen Donnerstag zu Gast bei der Ethikkommission. Atomexperte Heinz Smital wird dort über die Risiken der Atomkraft sprechen. Die Sitzung wird per Livestream auf Phoenix übertragen.

 

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