Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Stein des Anstoßes ist B30: eine Reihe von Stahlbetonbecken unter freiem Himmel, die der Unterwasserlagerung von radioaktivem Abfall aus den fünfziger Jahren bis 1985 dient. Der Atommüll ist teilweise militärischen Ursprungs. 1986 waren zum ersten Mal Inspektoren der Europäischen Atomenergiebehörde dort. Seit 1991 wird die Anlage einmal jährlich inspiziert, zum letzten Mal im März 2003.

Nach jeder Untersuchung wurde die halbstaatliche Betreiberfirma British Nuclear Fuels Limited (BNFL) darauf hingewiesen, dass zufriedenstellende Erkenntnisse unter den gegebenen Umständen nicht möglich seien. Vorhandene Unterlagen sind unzulänglich, ein direkter Zugang fast unmöglich.

Der Ort ist hoch verstrahlt. Das Wasser der künstlichen Teiche von Algen getrübt, der Boden verschlammt. Was alles und wie viel radioaktiver Müll dort lagert, ist nicht zu erkennen. Schätzungen zufolge müssen ungefähr 1,3 Tonnen Plutonium in der Brühe liegen. Eine kürzlich vorgenommene BNFL-Videountersuchung hat ergeben, dass sich rund 400 Kilogramm des Plutoniums aus verrosteten Brennelementen im Schlamm auf dem Grund abgesetzt haben.

In einem Brief an die EU-Kommission vom 8. Dezember 2003 geben britische Behörden zu, dass an einem solchen Ort nur begrenzte Aktivitäten möglich sind: Sichtprobleme ... und Radioaktivitätspegel bedeuten, dass ein Mensch weniger als eine Stunde am Tag bei der Anlage arbeiten darf.

Bis Juni 2004 gibt die EU-Kommission der britischen Regierung noch Zeit. Dann möchte sie Fakten sehen. Sollte sich nichts getan haben, kommt der Fall vor den Europäischen Gerichtshof. Greenpeace-Atomexpertin Susanne Ochse hält den Vorstoß für lange überfällig. Das Risiko für die Arbeiter in der Anlage und die Menschen in der Umgebung sei enorm, sagt sie.

Die britische Regierung und BNFL haben sich jahrzehntelang um das Problem herumgedrückt, obwohl sie genau Bescheid wussten. Auch die Kommission hat es 14 Jahre lang versäumt, etwas zu unternehmen, so Ochse. Dem Europaparlament und dem Europarat haben sie immer wieder erzählt, in Sellafield sei alles in Ordnung.

Mehr zum Thema

Projektion am AKW Grohnde: Für ein atomstromfreies Europa

Anti-Atomkraft-Appell an die Bundesregierung

  • 21.01.2022

Die EU will Energie aus Gas und Atomkraft als nachhaltig einstufen. Greenpeace und weitere Verbände fordern in einem gemeinsamen Appell von der Bundesregierung, dieses Vorhaben zu verhindern.

mehr erfahren
Die vier Kühltürme des Atomkraftwerks Mochovce in der Slowakei

Falsches Grün

  • 07.01.2022

Kapern Atomenergie und Gas gerade den Green Deal der EU und machen ihn damit unbrauchbar? Umweltschützende protestieren gegen den Plan, Risikotechnologien als nachhaltig zu verkaufen.

mehr erfahren
Expert:innen in Tschernobyl

Gefährliches Gestern

  • 25.04.2021

Die Katastrophe von Tschernobyl rückt in die Vergangenheit, ihre Folgen verschwinden aber nicht aus der Gegenwart. Sie sind eine Mahnung – auch an Atomkraftbefürworter:innen.

mehr erfahren
Dunkle Wolken über Fukushima

Gefährliche Mythen

  • 13.04.2021

Mit bewussten Fehleinschätzungen wird der Plan gerechtfertigt, Millionen Liter radioaktives Wasser aus Fukushima ins Meer abzulassen. Greenpeace entkräftet diese Halbwahrheiten.

mehr erfahren
Luftbild vom Atomkraftwerk Fukushima

Der ewige Denkzettel

  • 11.03.2021

Die Katastrophe ist nicht vorbei: Auch zehn Jahre nach dem Atomunfall in Fukushima leiden japanische Bürger:innen unter den Folgen – während die Regierung Normalität vorgaukelt.

mehr erfahren
AKW Gundremmingen

Nichts gelernt

  • 03.03.2021

Hat die Nuklearkatastrophe von Fukushima zu mehr Sicherheit in europäischen Atomkraftwerken geführt? Offenbar nicht: Ein aktueller Greenpeace-Bericht belegt die Versäumnisse.

mehr erfahren