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Anike Peters, Greenpeace-Klimaexpertin 15.12.2009
© Rolf Zöllner / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Redaktion: Warum ist Greenpeace gegen den Transport des Atommülls nach Lubmin oder Gorleben?

Anike Peters: Das Zwischenlager Nord in Lubmin wurde ursprünglich ausschließlich zur Lagerung von ostdeutschem Atommüll aus den DDR-Atomkraftwerken Greifswald und Rheinsberg gebaut. Dabei sollte es auch bleiben. Es macht keinen Sinn, dass radioaktive Fracht quer durch die Republik gekarrt wird, solange völlig unklar ist, was mit dem strahlenden Müll in Zukunft geschehen soll. Deshalb fordert Greenpeace, den Transport von Cadarache ins Zwischenlager nach Lubmin abzusagen.

Auch eine Zwischenlagerung in Gorleben lehnen wir ab. Gorleben ist als Endlagerstandort völlig ungeeignet. Jeder einzelne Behälter mit Atommüll, der nach Gorleben gebracht wird, ist einer zu viel und steht einer ergebnisoffenen Endlagersuche im Wege.

Redaktion: Um welche Art von Atommüll handelt es sich in diesem Fall?

Anike Peters: Bei dem angekündigten Transport handelt es sich um bundesdeutschen Forschungsmüll. Insgesamt sollen vier Castoren mit hochradioaktivem Atommüll (zum Beispiel abgebrannten Brennstäben) aus dem Atomforschungszentrum Karlsruhe und dem Atomfrachter Otto Hahn ins Zwischenlager Lubmin gebracht werden.

Redaktion: Wohin sollte dieser Atommüll nach Ansicht von Greenpeace gebracht werden?

Anike Peters: Wir fordern, dass Atommüll nach dem Verursacherprinzip gelagert wird. Derjenige, der Müll produziert, muss auch seine spätere Lagerung übernehmen. Das heißt für den Müll aus dem Forschungszentrum Karlsruhe, dass er entweder in einem Zwischenlager in Karlsruhe aufbewahrt wird. Das müsste nach neuesten Sicherheitsanforderungen gebaut werden. Oder aber er muss wenigstens in dem Bundesland gelagert werden, in dem er produziert wurde, also in Baden-Württemberg. Da würde sich zum Beispiel das Zwischenlager am AKW Philippsburg anbieten.

Redaktion: Wie gefährlich ist der Transport wirklich?

Anike Peters: Beim Transport von hochradioaktivem Müll handelt es sich immer um eine höchst gefährliche Fracht. Deshalb sollte jeder unnötige Atommülltransport quer durch die Bundesrepublik vermieden werden. Das gilt auch für den jetzt geplanten Transport, auch wenn das radioaktive Inventar nicht so groß ist wie bei dem letzten Castortransport nach Gorleben.

Redaktion: Was schlägt Greenpeace vor, wo ein Endlager in Deutschland hin soll?

Anike Peters: Was wir brauchen, ist eine ergebnisoffene Suche nach einem geeigneten Standort für ein Endlager in Deutschland. Die Untersuchungen des Salzstocks Gorleben haben gezeigt, dass Gorleben völlig ungeeignet ist. Die Festlegung auf Gorleben als mögliches Endlager war eine rein politisch motivierte Entscheidung. Fakten zur Sicherheit haben dabei keine Rolle gespielt. Deshalb muss die schwarz-gelbe Regierung die Erkundung von Gorleben beenden und endlich eine ergebnisoffene Standortsuche beginnen. Diese Suche muss deutschlandweit stattfinden, zum Beispiel müssen auch die Tonvorkommen in Baden-Württemberg berücksichtigt werden.

Redaktion: Wie kann ich gegen den Atommülltransport aktiv werden?

Anike Peters: Am Samstag, dem 11.12. um 13 Uhr findet in Greifswald eine große Anti-Atom-Demo statt. Dort werden viele viele Menschen gegen die gefährliche Atompolitik der Bundesregierung auf die Straße gehen. In den Tagen des Transportes, also vom 14. bis 16. Dezember wird es eine Vielzahl von bunten Aktionen wie z.B. friedlichen Sitzblockade gegen den Castortransport nach Lubmin geben.

Einen ersten Schritt für den Atomausstieg kann übrigens jeder selbst machen. Das ist ganz einfach: zu einem Ökostromanbieter wechseln. Auf diese Weise kann man seiner Meinung gegen Atomkraft ganz konkret Nachdruck verleihen.

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