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Die britische Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield
© Sabine Vielmo / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Sellafield ist die größte Atomanlage in Großbritannien. Das Leck in der Pipeline wurde erst mit neun Monaten Verspätung im April 2005 gefunden. Es befand sich in einer versiegelten Betonlagerstätte, die 20 Tonnen Uran und 160 Kilogramm Plutonium enthält. Die Anlage, in der auch deutscher Atommüll wiederaufbereitet wird, ist seitdem vorübergehend geschlossen.

Jean McSorley, Atomexperte bei Greenpeace, nannte die Strafe hochverdient. Der Fall wirft ein Licht auf die Unfähigkeit der Atomindustrie. BNG hat dieses Leck nicht nur nicht verhindert. Sie haben es neun Monate lang nicht einmal entdeckt. Die Industrie hat die Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield zu einer Anlage auf neuestem technischen Stand hochgelobt. Jetzt haben sie ihr Flaggschiff auf Grund gesetzt.

Eine Schreckensmeldung folgt der anderen

Die britische Zeitung The Guardian berichtet, dass die Atomindustrie auf der Insel letzte Nacht eine weitere Schlappe hinnehmen musste. Der Atomstromkonzern British Energy gab zu, in einer seiner Anlagen 90 Defekte gefunden zu haben. In einem anderen AKW habe es Lecks gegeben und überhaupt funktioniere nur eine einzige Anlage ganz normal.

Die trüben Nachrichten werfen ihre Schatten auf ein Ereignis, dass die Atomindustrie gern gefeiert hätte: Vor fünfzig Jahren, am 17. Oktober 1956, weihte die Queen die erste zivile Atomanlage in Großbritannien ein - Calder Hall in Sellafield. Damals versprach die Atomlobby ein Zeitalter sauberer und unendlich verfügbarer Energie.

Heute ist Sellafield eine verseuchte Region - ein schleichendes Tschernobyl. Pro Tag leitet die Anlage rund neun Millionen Liter radioaktive Abwässer in die Irische See ein. Kinder und Jugendliche aus Sellafield erkranken zehnmal häufiger an Blutkrebs als im Landesdurchschnitt. Spuren von Plutonium und Strontium fanden sich in den Zähnen von Jugendlichen. Tote Tauben aus Sellafield strahlten nach Greenpeace-Messungen derart, dass sie als Sondermüll zu gelten hatten.

Wunsch und Wirklichkeit

Schon 1957 kam es zu einem ernsten Zwischenfall, als im Atomkomplex Sellafield, damals noch Windscale, ein Feuer ausbrach und erst nach vier Tagen gelöscht werden konnte. Der Beinahe-GAU im US-amerikanischen AKW Three Miles Island und der Super-GAU im ukrainischen Tschernobyl gaben den Kritikern der Atomkraft weiteren Aufwind.

Die ungelösten Probleme mit dem Atommüll und dem Rückbau stillgelegter Anlagen taten ein Übriges. Noch bis vor kurzem schien klar, dass die Blütezeit der Atomindustrie vorüber ist - bis sie den Klimawandel als neues Argument entdeckte. Premierminister Tony Blair signalisierte im Sommer 2006 gegen die Expertise zahlreicher Wissenschaftler eine Renaissance der Atomkraft.

Vor diesem Hintergrund dürften ihn die neuesten Nachrichten nicht gerade glücklich stimmen - nicht nur wegen der wieder aufgeflammten Sicherheitsdebatte: Die Regierung plant, ihre Anteile am maroden Energieversorger British Energy zu verkaufen. Doch wer kauft ein unkalkulierbares Risiko?

  • Ihr Schulweg führt an der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield vorbei: Kinder aus dem nahegelegenen Ort Seascale, Mai 1990

    Auf dem Schulweg

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  • 1998: Ein Greenpeace-Taucher nimmt Proben an einer Abwasserleitung der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield

    Probenahme an einer Abwasserleitung der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield

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  • Tote Tauben aus der Gegend um Sellafield sind so hoch verstrahlt, dass sie nach deutschem Recht als Sondermüll einzustufen sind.

    Tote Tauben - hoch verstrahlter Sondermüll aus Sellafield

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  • Enge Nachbarschaft: Das Dorf Seascale und die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield

    Enge Nachbarschaft: Das Dorf Seascale und die Wiederaufarbeitungsanlage

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