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Vom Rost zerfressen: Atommüllfass im AKW Brunsbüttel
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In zwei Minuten zur Jahresdosis

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

In den Atommüll-Kavernen des AKW Brunsbüttel lagern seit Jahrzehnten Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll. Laut Atomaufsicht wurden dort Strahlenwerte bis zu 500 Millisievert pro Stunde gemessen. 

"Vattenfall scheint kein Zwischenlager sondern eine atomare Müllkippe im Keller zu haben", sagt Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl. "Die Strahlenwerte in den Lagerräumen sind so hoch, dass ein Betreten gesundheitsgefährdend ist. Daher war auch keine Kontrolle möglich und die Atomfässer konnten unbemerkt verrotten. Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesem gefährlichem Müll sieht anders aus.

Ab einer Strahlenbelastung von 3 Millisievert (mSv) pro Stunde gilt ein Raum als Sperrbereich, der nicht mehr betreten werden darf. In den Atommüllkellern von Brunsbüttel würde ein AKW-Mitarbeiter in circa zwei Minuten seine gesetzlich erlaubte Jahresdosis erreichen. Diese beträgt 20 mSv.

Zum Vergleich: Auf dem Gelände des Katastrophen-AKW Fukushima Daiichi erreichte die Strahlenbelastung nahe den Reaktoren am 14. März 2011 Werte bis zu 400 mSv pro Stunde - das 200-Fache der Jahresdosis aus natürlichen Quellen.

Was ein Strahlenwert von 500 mSv/Std bedeutet, zeigen auch die Dosisrichtwerte für Einsätze der Feuerwehr. Die Richtlinien sehen die Rettung von Menschen nur bis zu einer Dosisleistung von 400 mSv pro Stunde vor - und dann begrenzt auf einen 37-minütigen Einsatz.

"Der Fall muss dringend aufgeklärt werden. Vattenfall muss öffentlich darlegen, wie viele Fässer mit welchem Inhalt dort liegen", fordert Riedl. "Die schleswig-holsteinische Atomaufsicht muss erläutern, wieso sie in den letzten Jahren angesichts der enormen Strahlendosis keinen Handlungsbedarf in Brunsbüttel sah."

Verrostete Atommüllfässer im AKW Brunsbüttel - die Hintergründe

Medienberichten zufolge lagern die Fässer bereits seit dem Jahr 1981 in den Kavernen des inzwischen stillgelegten AKW Brunsbüttel. Seit 2004 wird der Müll in Gussbehälter umgefüllt, um ab 2019 im Schacht Konrad endgelagert zu werden. Bei 500 Fässern soll dieser Vorgang bereits abgeschlossen sein, 500 weitere werden derzeit für den Transport vorbereitet und umgefüllt.

Bei einer Routinekontrolle am 10. Januar 2012 fand der TÜV Nord verrostete, teils zersetzte Fässer vor und informierte die schleswig-holsteinische Atomaufsicht. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass Vattenfall schon am 15. Dezember 2011 Rost an einem Fass gefunden hatte. Justizminister Emil Schmalfuß stoppte die Arbeiten und benachrichtigte das Bundesumweltministerium.

Fehlende Transparenz bei Vattenfall

Vattenfall hat inzwischen eingeräumt, mit dem Verschweigen des Sachverhalts einen Fehler begangen zu haben. Der Vorfall werde unternehmensintern analysiert und aufgearbeitet. Der Konzern ist allerdings in der Vergangenheit wiederholt aufgefallen, weil er wichtige Informationen zurückhielt. Jedesmal gelobten die Verantwortlichen Besserung - geändert hat sich offensichtlich nichts.

Die fehlende Transparenz ging stets einher mit einer ebenso schlechten Sicherheitskultur. Das haben die Fälle Krümmel und Forsmark gezeigt. Auch daran scheint sich nichts geändert zu haben. "Ein solch schlampiger und verantwortungsloser Umgang mit Atommüll zeigt wieder einmal, dass der Betreiber Vattenfall offenbar nicht in der Lage ist, ein Atomkraftwerk verantwortungsvoll zu führen", so Tobias Riedl.

Greenpeace hat schon vor Jahren im Zusammenhang mit dem Fall Krümmel gefordert, dem Konzern die Betriebserlaubnis zu entziehen.

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