Jetzt spenden
Das AKW Isar 1 ist ein Siedewasserreaktor, Inbetriebnahme 1979. 02.04.2009
Jens Küsters / Greenpeace

Selbst mit moderater Laufzeitverlängerung blieben Atommeiler fast 70 Jahre am Netz

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Das ergibt eine Berechnung von Greenpeace, die heute veröffentlicht wurde. Daraus geht hervor, wie sich Laufzeitverlängerungen von zehn oder 15 Jahren auswirken würden auf das Jahr der Abschaltung, die Gesamtlaufzeit der einzelnen AKW und die anfallenden Müllmengen.

Zehn oder 15 Jahre Laufzeitverlängerung - das klingt harmlos, ist es aber nicht. Das moderat zu nennen, ist Betrug, sagt Tobias Riedl, Atomexperte von Greenpeace. Noch unsere Urenkel werden mit den Risiken uralter Atommeiler leben müssen, vom ungeklärten Problem mit den enormen Atommüllbergen ganz zu schweigen. Bundeskanzlerin Merkel hat bei ihrer Vereidigung geschworen, Schaden vom Deutschen Volke abzuwehren. Mit der Laufzeitverlängerung bricht sie ihren Schwur und schadet Deutschland. Eine Laufzeitverlängerung ist ein reines Geldgeschenk an die Konzerne. Greenpeace fordert eine Laufzeitverkürzung.

Über 6000 Tonnen hochradioaktiver Müll

Die Berechnung von Greenpeace ergibt Folgendes:

Eine Laufzeitverlängerung von zehn Jahren würde über 6000 Tonnen hochradioaktiver Atommüll bedeuten - das entspräche 650 Castoren. Beim zurzeit geltenden Atomausstieg würden noch 2000 Tonnen Atommüll anfallen - das sind zwei Drittel weniger. Eine Laufzeitverlängerung von 15 Jahren würde zu mehr als 8000 Tonnen Atommüll führen. Der letzte Meiler würde damit doppelt so lange laufen, wie nach dem jetzigen Atomausstieg vorgesehen: 78 Jahre im Jahr 2064! Geplant war, den letzten Meiler im Jahr 2027 abzuschalten, im Alter von 39 Jahren.

In der Berechnung geht Greenpeace davon aus, dass die sieben ältesten Atomkraftwerke plus dem Pannenmeiler Krümmel schnell vom Netz genommen werden, weil sie nicht einträglich gegen einen möglichen Flugzeugabsturz abgesichert werden können. Laut geltendem Atomgesetz, können diese Meiler ihre Reststrommengen dann auf andere AKWs übertragen.

Anhand dieser Zahlen kann man wohl kaum behaupten, dass es sich hierbei um eine moderate Laufzeitverlängerung handelt, bei der die Bundesländer nicht zustimmungspflichtig wären, so Riedl. Greenpeace fordert, schon bis 2015 aus der riskanten Atomkraft auszusteigen. Wir brauchen einen gemeinsamen Kraftakt von Industrie, Politik und Bevölkerung, damit Deutschland so schnell wie möglich ins regenerative Zeitalter gelangen kann. Das würde dem weltweiten Klima und der deutschen Wirtschaft helfen, und damit uns allen zu Gute kommen.

Tabelle: Jahr der Abschaltung von AKW bei einer Laufzeitverlängerung von 10 bzw. 15 Jahren.

 LZV 10 JahreLZV 15 JahreBrokdorf20532064Emsland20452054Neckarwestheim 220422050Isar 220392047Philippsburg 220372045Gundremmingen20422052Grohnde20412051Grafenrheinfeld20232028

 

  • Jahr der Abschaltung der AKWs bei Laufzeitverlängerungen um 10 bzw. 15 Jahre

    Übersicht: Abschaltung der AKWs

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Petition

https://act.greenpeace.de/eu-verbot-fossile-energien

Offener Brief: Neue fossile Energieprojekte in Europa verbieten

Wir alle müssen jetzt den klimatischen und ökologischen Notstand als die existenzielle Krise behandeln, die er ist. Unser Leben hängt davon ab. Deshalb fordern wir die EU-Institutionen dazu auf: Stoppt neue Öl- und Gasprojekte!

Jetzt unterzeichnen
0%
vom Ziel erreicht
0
haben mitgemacht
0%
Datum
Protesters holding yellow banner that says "defend the climate - not fussil fuels"

Mehr zum Thema

Atommeiler in Cattenom
  • 19.06.2024

Atomenergie ist ein volkswirtschaftliches Risiko, so eine aktuelle Greenpeace-Studie. Die Rechnung für unkontrollierte Kostensteigerungen und massive Verzögerungen begleichen die Steuerzahlenden.

mehr erfahren
Nuclear Action at EnBW in Germany
  • 24.05.2024

Tausende von Jahren sollte das „Versuchsendlager“ im ehemaligen Salzbergwerk Asse II sicher sein. Knapp vier Jahrzehnte später säuft es durch Wassereinbrüche ab, die Schachtanlage droht einzustürzen.

mehr erfahren
In einem Kindergarten liegen die Spielsachen so, wie sie nach der Katastrophe zurückgelassen wurden. Die Gasmaske eines Kindes neben einer Puppe ist nur ein weiteres grausames Paradoxon: Eine Woche vor dem Atomunfall wurden die Kinder darin geschult, die Sicherheitsausrüstung gegen die atomare Gefahr zu benutzen. Doch am Tag des Unfalls wurde auf Anweisung der Parteiführung keine einzige Gasmaske benutzt.
  • 26.04.2024

Am 26. April 1986 erschüttert eine Explosion das Atomkraftwerk Tschornobyl. Eine radioaktive Wolke verseucht die Region und zieht über Europa. Ursache sind menschliches Versagen und technische Mängel.

mehr erfahren
Greenpeace and BUND Naturschutz Celebrate Nuclear Phase-out in Munich
  • 12.04.2024

Vor einem Jahr ging das letzte AKW in Bayern vom Netz. Strom aus erneuerbaren Energien hat deutschlandweit Atomstrom ersetzt. Nur der Freistaat hinkt hinterher. Warum ist das so?

mehr erfahren
Projektion für den Atomausstieg am Atomkraftwerk Isar 2 bei Nacht
  • 09.04.2024

Happy Birthday, Atomausstieg! Auch wenn ein Jahr nach dem deutschen Ausstieg vielerorts eine “Renaissance der Atomkraft” herbeigeredet wird, laut einer aktuellen Studie sprechen die Fakten dagegen.

mehr erfahren
Karte der Region Fukushima in Japan, die die Ausbreitung der Strahlung nach der Atomkatastrophe im März 2011 im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zeigt.
  • 11.03.2024

Der 11. März 2011 versetzte Japan in einen Ausnahmezustand, der bis heute anhält. Die dreifache Katastrophe von Erdbeben, Tsunami-Flutwelle und Super-GAU traf das Land bis ins Mark.

mehr erfahren