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Das AKW Biblis in Hessen 15.04.2009
Andreas Varnhorn / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die Studie zeigt: Es gibt günstigere und sicherere Maßnahmen, um einen Stromengpass im kommenden Winter zu vermeiden - wobei der Ausfall ohnehin sehr unwahrscheinlich ist. Greenpeace fordert daher von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), seinen Vorschlag für ein Reserve-AKW zu korrigieren.

Es ist richtig und auch die Pflicht der Regierung, Vorsorge für alle nur erdenklichen Extremsituationen bei der Sicherheit der Stromversorgung zu treffen, erklärt Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace. Der Vorschlag, eines der älteren AKW für ein Jahr als Reserve weiter laufen zu lassen, ist allerdings absurd und unverantwortlich. Zumal der Reservemodus den alten Atommeiler sogar zusätzlich belasten könnte.

Die Kurzstudie belegt außerdem, dass AKW als Notreserve bisher nicht praxiserprobt und nur wenig geeignet sind. Warum? Notreserven für Stromspitzen im kommenden Winter müssten in weniger als 36 Stunden zur Verfügung stehen. Aufgrund der komplizierten Anfahrtstechnik hieße das für ein AKW, dass es voraussichtlich dauerhaft im sogenannten heißen Standby-Betrieb laufen müsste. Dies verursacht zum einen hohe Kosten und zum anderen zusätzliche Sicherheitsrisiken bei einem Lastwechselbetrieb.

Die Wahrscheinlichkeit von Stromengpässen oder Netzinstabilitäten in Süddeutschland ist laut Studie ohnehin gering und durch alternative Vorsorgeoptionen beherrschbar. Die einer Extremsituation unterstellte Annahme einer Spitzenlast von über 80 Gigawatt ist in den letzten 10 Jahren in Deutschland nicht in einer einzigen Stunde des Jahres aufgetreten. Eine Spitzenlast von über 78 Gigawatt ist 2010 in nur drei Stunden des Jahres aufgetreten. Notfallmaßnahmen müssten, wenn überhaupt, nur für sehr geringe Zeiträume von wenigen Stunden ergriffen werden.

Wie sieht eine sichere Notreserve aus?

Zur Vorsorge für solch kurzzeitige Extremsituationen gibt es günstigere und vor allem sicherere Alternativen als ein AKW. Möglich sind laut Studie neben einem längeren Betrieb bestehender Reservekraftwerke wie zum Beispiel dem alten Ölkraftwerk Pleinting auch Maßnahmen zur Reduzierung der Spitzenlast. So könnten industrielle Großverbraucher gegen finanzielle Kompensationen die Produktion für die entsprechenden Stunden drosseln. Auch könnte der Strombedarf durch einen schnelleren Ersatz von Stromheizungen deutlich verringert werden.

Die Idee, für den nächsten Winter zusätzliche Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen, war sicher gut gemeint, würde mit einem Reserve-AKW aber denkbar schlecht umgesetzt, so Böhling. Minister Rösler sollte jetzt die Größe haben, seinen Vorschlag zu korrigieren. Ansonsten stürzt sich die Regierung in ein irrsinniges Abenteuer.

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