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Vier Jahre Krieg in der Ukraine

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Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine erlebte die Welt einen einschneidenden Umbruch. Nun jährt sich der Einmarsch zum vierten Mal. In den Jahren hat Greenpeace sich für die Menschen in der Ukraine und Frieden engagiert. Dafür setzen wir uns auch weiter ein. Zum Jahrestag berichtet unsere Kollegin Daryna Rogachuk aus der Ukraine. 

Auch vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges eskaliert der Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung weiter. Bombenterror bringt Tod, Zerstörung und unendliches Leid. Außerdem greift Russland immer wieder und gezielt die Energieversorgung des gebeutelten Landes an. Allein im Januar 2026 führten massive Angriffe auf die Energieinfrastruktur zur schwersten Energiekrise in der Geschichte des Landes. Doch inmitten all diesen Elends und der Dunkelheit gibt die dezentrale Energiewende ein wenig Hoffnung. 

Ein Leben in Kälte, Dunkelheit und die ständige Angst vor Luftalarm: So beschreibt Daryna Rogachuk, Pressesprecherin von Greenpeace Ukraine ihre Tage im vierten Kriegswinter im belagerten Kiew. Am 24. Februar 2026 jährt sich die umfassende Invasion Russlands in der Ukraine bereits zum vierten Mal. Während die Schlagzeilen weltweit mit - mehr oder weniger ernsthaft geführten - Friedensverhandlungen gefüllt sind, erlebt das Greenpeace-Büro in der Ukraine die Auswirkungen von Russlands anhaltenden Angriffen aus erster Hand: Seit mehreren Monaten haben die Mitarbeitenden nur wenige Stunden Strom und Heizung pro Tag, oft ohne Warmwasser, ohne die Möglichkeit, Aufzüge zu nutzen oder Mahlzeiten für sich und ihre Kinder zuzubereiten. Gezielte Angriffe auf die Energieversorgung führen immer wieder zu Stromausfällen und einem Versagen der Wärmeversorgung. Doch was Daryna Rogachuk Hoffnung gibt: dezentrale grüne Technologien. Sie sind für die Ukraine mehr als Klimaschutz – sie sind überlebenswichtige und hochresistente Sicherheitsgarantien, die Krankenhäuser, Schulen und Wohnhäuser autark vom zerstörten Zentralnetz versorgen.

Zum Jahrestag  und als Zeichen dafür, dass sie in ihrer schlimmen Lage nicht vergessen werden, läßt Greenpeace Deutschland Daryna Rogachuk hier den Raum, um aus erster Hand von vor Ort zu berichten. Was Daryna Rogachuk uns dazu schreibt:

Leben im Krieg - Text von Daryna Rogachuk

“Vom ersten Tag an zielte Russlands Krieg darauf ab, die Existenz der Ukraine als unabhängiger und souveräner Staat mit eigener Kultur und Sprache zu vernichten. Dabei werden auch gezielt Zivilisten, Wohnhäuser, Städte und kritische Infrastruktur angegriffen. Heute, im zwölften Jahr des russischen Krieges und im vierten Jahr der umfassenden Invasion, steht die Ukraine vor der tiefsten Energiekrise ihrer Geschichte – einer Krise, die durch russische Angriffe vorsätzlich und systematisch herbeigeführt wurde.

Allein seit Beginn des Jahres 2026 wurden 217 gezielte Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur verzeichnet. Allein im Januar feuerte Russland mehr als 6.000 Angriffsdrohnen, rund 5.500 Lenkbomben und 158 Raketen verschiedener Typen auf die Infrastruktur ab. Wärmekraftwerke, Umspannwerke und Fernwärmeanlagen werden immer wieder von russischen Raketen und Drohnen getroffen. Diese Schläge sind kein Zufall – sie sind Teil einer bewussten Strategie des Energiekollapses. Das Ziel ist einfach: Menschen ohne Licht, Wärme und Wasser zurückzulassen, den Winter in eine weitere Front des Krieges zu verwandeln und die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen.

In vielen ukrainischen Städten mit Fernwärmesystemen erreichen die Innentemperaturen im Winter kaum 10 bis 14 Grad. Strom gibt es nur für wenige Stunden am Tag, oft nachts. Unternehmen, Krankenhäuser, Schulen und öffentliche Räume sind gezwungen, am Rande ihrer Kapazitäten zu arbeiten oder ganz zu schließen, da Dieselgeneratoren keinen Dauerbetrieb von 12 bis 15 Stunden aufrechterhalten können. Gleichzeitig sind Luftschutzsirenen, Drohnen und Raketen zum Hintergrund des Alltags für Millionen von Menschen geworden.

Doch hat die Ukraine gerade in dieser Dunkelheit eine sehr klare Erkenntnis gewonnen: Ein zentralisiertes Energiesystem, das auf Atomkraft, russischem Gas und fossilen Brennstoffen basiert, ist im Krieg höchst anfällig. Im Gegensatz dazu retten dezentrale erneuerbare Energielösungen mit Energiespeichern Leben.

Krieg in der Ukraine: Nicht erst seit vier Jahren

Hintergrund: Von der Annektion der Krim bis heute 

Text

Eigentlich begann der Krieg in der Ukraine 2013/2014, als Russland völkerrechtswidrig die Krim annektierte.  "Vier Jahre Krieg" bezieht sich auf den Beginn der Vollinvasion. Der Krieg in der Ukraine ist das Ergebnis einer über ein Jahrzehnt andauernden Eskalation. Ein Überblick:

  • 2013/2014: “Beginn des Krieges in der Ukraine” Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim vor zehn Jahren markierte den Startpunkt des Krieges zwischen der Ukraine und Russland.  Nach dem “Euromaidan” mit dem Sturz des pro-russischen Präsidenten Janukowitsch setzte Russland irreguläre Truppen auf der Krim ein, mit deren Hilfe die Halbinsel schließlich der Ukraine entrissen wurde. Mit einem Scheinreferendum versuchte Moskau die Landnahme zu legitimieren. Auch im Donbass brach Gewalt aus. Pro-russische Separatisten erhoben sich gegen die Zentralregierung und wurden dabei direkt vom russischen Militär unterstützt.
  • 2015–2021: Trotz der Minsker Abkommen herrscht im Donbass ein jahrelanger Stellungskrieg. Währenddessen vereinbaren Deutschland und Russland den Bau der Nord Stream 2-Pipeline, die nicht nur den Gastransit durch die Ukraine überflüssig machen sollte, sondern die russischen Einnahmen aus dem Gasverkauf nochmals massiv gesteigert hätte. Das erste hätte die Ukraine strategisch geschwächt, das zweite hätte Russland weitere Finanzmittel zur Aufrüstung in die Hand gegeben. 
  • 24. Februar 2022: “Die Vollinvasion” Russland startet einen großflächigen Angriffskrieg auf das gesamte Staatsgebiet. Greenpeace verurteilt den Bruch des Völkerrechts scharf und beginnt mit Hilfsprojekten vor Ort sowie der Dokumentation von Umweltschäden (z. B. in Tschernobyl).
  • Heute (2026): “Der vierte Jahrestag der Vollinvasion” Nach 12 Jahren Krieg steht die Ukraine vor ihrer größten Energiekrise. Es wird klarer denn je: Fossile Energien sind ein Sicherheitsrisiko. Der grüne Wiederaufbau ist nicht mehr nur Klimaschutz, sondern eine Überlebensstrategie für eine unabhängige Ukraine.
Oversized Solar Sunflower at Ukraine Recovery Conference in Berlin
© Verena Brüning / Greenpeace

Die Zukunft der Ukraine ist erneuerbar

Nachricht

Die Ukraine hat enormes Potenzial für erneuerbare Energien. Ein Greenpeace-Pilotprojekt in Trostjanez zeigt, wie nachhaltiger Wiederaufbau mit Solarstrom und Erdwärme Realität werden kann.

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Ukrainische Frauen trainieren Aufbau von Solaranlagen
© Daryna Rogachuk

Ukraine: Grüne Energie dank Frauenpower

Hintergrund

Unabhängige und sichere Energieversorgung ist in der von russischen Angriffen gebeutelten Ukraine sehr wichtig. 30 Frauen nehmen das jetzt selbst in die Hand, Greenpeace bildet sie aus.

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Grüne Energie ist mehr als Klimaschutz

Während Russlands Krieg gegen die Ukraine wurde deutlich, dass es bei grünen Technologien nicht mehr nur um Klima, Umweltschutz oder Kosteneinsparungen geht. In der Ukraine sind sie zu einer Frage des Überlebens, der Sicherheit und der Widerstandsfähigkeit geworden. Dezentrale Solarpanele, Wärmepumpen, Batterien und autonome Stromsysteme haben ihre Wirksamkeit unter extremsten Bedingungen bewiesen. Sie funktionieren, wenn das zentrale Netz zerstört ist. Sie sind schwerer mit einem einzigen Schlag auszuschalten und viel schneller zu installieren oder zu ersetzen. Sie liefern Wärme, Licht und Wasser dort, wo es scheint, als sei nichts mehr übrig.

Patienten in Krankenhäusern und Ambulanzen können Impfungen und medizinische Versorgung rechtzeitig erhalten. Kinder in Schulen und Kindergärten haben alternativen Strom zum Lernen und für den Aufenthalt in Schutzräumen – sie können die Gefahr in Wärme und Licht durchstehen. Bewohner von Mehrfamilienhäusern haben zuverlässige Wärme aus der Energie der Erde. Grüne Lösungen funktionieren bereits heute und bieten Unterstützung und Hoffnung in extrem schwierigen Zeiten.

Deshalb arbeitet Greenpeace auch während des Krieges weiter in der Ukraine. Wir bleiben hier, weil diese Arbeit genau jetzt von entscheidender Bedeutung ist. Seit 2022 setzen wir in unserem ukrainischen Büro zusammen mit unserem internationalen Team und zusammen mit lokalen Gemeinden, Partnern und Spendern Projekte für erneuerbare Energien um – von Solarsystemen für medizinische Einrichtungen bis hin zu umfassenden Lösungen für Gemeinden.

Eines der beeindruckendsten Beispiele ist der grüne Wiederaufbau eines Mehrfamilienhauses in Trostjanez – einer Stadt nahe der russischen Grenze, die Besatzung und Zerstörung erlitten hat. Heute ist dieses Gebäude das erste Mehrfamilienhaus in der Ukraine, in dem sowohl die Raumheizung als auch die Warmwasserversorgung ausschließlich durch Wärmepumpen erfolgt. Für uns ist dies nicht nur ein wieder repariertes Gebäude. Es ist ein praktisches Modell für das künftige Energiesystem der Ukraine – dezentral, widerstandsfähig und sicher. Darüber hinaus ist es ein Vorbild für unsere gesamte Organisation und inspiriert nicht nur Ukrainer, sondern alle unsere Büros weltweit.

Die Erfahrung der Ukraine zeigt der Welt deutlich: Erneuerbare Energien sind nichts für „nach dem Krieg“ oder „wenn es besser wird“. Es ist eine Lösung, die während des Krieges umgesetzt werden muss, wenn wir Menschen schützen und die Anfälligkeit der Gesellschaft für Gewalt und Autoritarismus verringern wollen. Jedes Solarpanel, jede Wärmepumpe, jedes Batteriespeichersystem ist ein Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit, Sicherheit und Frieden.”

 

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