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Kleiderstange mit Frauenmode vor weißem Hintergrund
© Shutterstock

H&M sitzt laut Medienberichten auf Warenbestand im Wert von 3,5 Milliarden Euro

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Wer Kleidung produziert, die kein Mensch braucht, darf sich am Ende nicht wundern, wenn sie keiner kauft. Das tut der schwedische Bekleidungskonzern Hennes & Mauritz derzeit trotzdem: „Ladenhüter sind für H&M eine neue Erfahrung“, heißt es in einem vertraulichen Bericht der deutschen Logistiktochter des Unternehmens. Gemeinsame Recherchen der Wirtschaftswoche und des ZDF-Magazins Frontal21 ergaben, dass H&M auf einem Warenbestand im Wert von 3,5 Milliarden Euro sitzt – eben jene Ladenhüter.

Doch was passiert mit dem irrsinnigen Volumen an Kleidung, die niemand kauft? So genau weiß das niemand. Dass H&M einen Teil der Sachen verbrennt, ist allerdings bekannt, alleine in Dänemark seit 2013 zwölf Tonnen jährlich. Dass es sich dabei um wiederverkäufliche Ware handelt, bestreitet das Unternehmen. „Für H&M gibt es keinen Grund, intakte Kleidung in die Verbrennung zu geben oder anderweitig zu vernichten“, so eine offizielle Stellungnahme. Bereits im Juni deckten Wirtschaftswoche und Frontal21 auf, dass der Online-Versandhändler Amazon in großem Maßstab Waren vernichtet, darunter Kleidung, aber auch Elektronikartikel und etliche weitere Konsumprodukte.

Burberry: 100 Millionen Euro verbrannt

H&M tut so, als sei die Idee, einwandfreie Klamotten in den Ofen zu werfen, weit hergeholt, dabei zeigt der Burberry-Skandal, dass dem keineswegs so ist. Die britische Edelmarke hatte in den vergangenen Jahren Ladenhüter im Wert von über 100 Millionen Euro verbrennen lassen, vorgeblich um die Marke zu schützen – zu viel Burberry in Outlet-Stores sei nicht gut fürs Image, glaubte das Unternehmen. Die Firma hat die Praxis nach Protesten mittlerweile eingestellt. 

Kirsten Brodde, Textilexpertin von Greenpeace fordert auch von anderen Modeketten, diese Ressorcenverschwendung zu stoppen. „H&M behauptet ja, eh nur Ware zu verbrennen, die wegen Mängeln unverkäuflich ist“, so Brodde. „Insofern kann so ein Verbrennungsstopp ja jetzt kein großer Schritt für den Konzern sein.“ Eine Alternative zum Verbrennen wäre konsequente Wiederverwertung, doch in den meisten Fällen betreibt H&M vielmehr sogenanntes Downcycling:  Zurückgenommene Kleidung wird zu Putzlappen oder Dämmmaterial. Das ist allerdings weit weg von einer funktionierenden, nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.

Fast Fashion – ein Modell von gestern

Das Geschäftsmodell von Fast Fashion, also in immer kurzlebigeren Zyklen neue Kollektionen auf den Markt zu werfen, ist angesichts der aktuellen Zahlen nachweislich überholt. Der schnelle Modemarkt ist sogar für seine Händler zu schnell geworden. „Analysten schätzen, dass es für die Fast-Fashion-Industrie weiter bergab gehen wird, die Wachstumsprognosen für Zara oder H&M liegen weit unter den Erwartungen“, sagt Brodde. Doch in dem Scheitern liegt, wie so häufig, auch eine Chance. Der exzessive Konsum billiger Ramschware hat verheerende ökologische und soziale Folgen – die Produktion einzuschränken und nachhaltiger zu gestalten, wäre der erste Schritt, das komplett aus den Fugen geratene Verhältnis von Angebot und Nachfrage wieder etwas ausgewogener zu gestalten.

Dahin ist es noch ein weiter Weg. Gerade H&M, die mit diversen Aktionen und Programmen ihr ökologisches Bewusstsein in den Vordergrund stellen, hat nicht nur Nachholbedarf in Sachen Nachhaltigkeit, sondern bewegt sich zum Teil rückwärts. „Was H&M bei seinen Selbstbelobigungen unterschlägt, ist, dass das Unternehmen immer weniger Recycling-Fasern einsetzt“, sagt Kirsten Brodde. „Lag der Anteil recycelter Materialien 2016 noch bei 0,7 Prozent, ist er 2017 auf 0,5 Prozent gesunken.“ Das heißt, gerade mal ein Zweihundertstel der gesamten Neuware, die weltweit in den Handel geht, enthält wiederverwertete Fasern. „Recycling findet bei H&M im Reagenzglas-Maßstab statt.“

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Aktualisierung vom 29. Oktober 2018:

Im neuesten Finanzbericht (Q3/2018) von H&M zeichnet sich ab, dass die Modekette wieder deutlich mehr ab verkauft als in den Monaten zuvor. „Der Fairness halber sei auch erwähnt, dass der Warenbestand im Wert von 3,5 Milliarden Euro, den die Recherche berichtet, unverkaufte Ware ist, die noch in den Läden hängt und zum Verkauf steht“, sagt Kirsten Brodde, Textilexpertin von Greenpeace. Um sie noch loszuwerden, wird sie weiter im Preis reduziert. „Das ist keine Ware, die in irgendeinem Lager verstaubt und der Vernichtung harrt.“ Fest steht allerdings auch: Was H&M derzeit an Fast Fashion verkaufen will und was der Konzern noch verkaufen kann, sind unterschiedliche Dinge.

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