Skip to main content
Jetzt spenden
Waldzerstörung in Sumatra, Indonesien, durch APP, Februar 2012
Kemal Jufri/Greenpeace

Zellstofffirma auf die Finger geschaut

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Drei Jahre protestierte Greenpeace konsequent gegen die Regenwaldrodungen von Asia Pulp and Paper – einem der größten Zellstoff- und Papierproduzenten der Welt. Der Druck von Umweltorganisationen wuchs, Geschäftspartner sprangen ab – und im Februar 2013 lenkte APP schließlich ein. Greenpeace verfolgt genau, ob der Konzern seine Zusagen einhält. Ein Zwischenbericht. 

Wenn Greenpeace-Kampagnen erfolgreich enden, ist noch lange nicht Schluss. Gerade im Nachklapp gilt es zu prüfen, ob die Zusagen der Unternehmen nicht nur auf dem Papier bestehen. Seit neun Monaten gilt die neue Waldschutzpolitik, die sich Asia Pulp and Paper als Reaktion auf die Greenpeace-Kampagne und die Proteste anderer Umweltorganisationen auferlegte. In einem Fortschrittsbericht kommt Greenpeace zu der vorläufigen Einschätzung, dass das Unternehmen die Umsetzung durchaus ernst nimmt.

Die neue Waldschutzpolitik von APP

Unter anderem umfasst die neue APP-Policy folgende Aspekte: 1) Ein sofortiges Moratorium (Einschlagpause) für jede weitere Regenwaldrodung. Dieses gilt sowohl für das Unternehmen selbst, aber auch für seine Zulieferer. 2) Die Beilegung von Konflikten mit den lokalen Gemeinden. 3) Zusätzlich sollen unabhängige Gutachter die Waldflächen gemäß ihrer Bedeutung für Klimaschutz und Artenvielfalt einstufen. Dies betrifft vor allem Torfwälder, Wälder mit hohem Erhaltungswert (High Conservation Value Forests) sowie Wälder mit hohen Kohlenstoffvorräten, die auch durch menschliche Nutzung beeinträchtigte Sekundärwälder beinhalten. Dabei werden nach dem sogenannten High Carbon Stock (HCS)-Ansatz alle Waldgebiete identifiziert, die dauerhaft geschützt werden müssen. Darunter fallen alle Regenwaldgebiete mit einem Kohlenstoffvorrat von mehr als 35 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar. Diese Vorräte lassen sich in etwa auf degradierten Flächen oder in nachwachsendem, jungen Wald messen. Alle Wälder mit höherem Kohlenstoff sind für die Rodung tabu.

APP hat sein selbstauferlegtes Moratorium größtenteils eingehalten. Allerdings hat Greenpeace zwei Verstöße gegen die Waldpolicy festgestellt, bei denen insgesamt 140 Hektar Wald gerodet wurden. Bei der Lösung von Konflikten hat APP ebenfalls gute Fortschritte gemacht und beispielsweise in Senyerang in der Provinz Jambi auf Sumatra einen lang andauernden Konflikt mit lokalen Gemeinden beigelegt.

Die Implementierung der Policy für Torfböden muss APP in den nächsten Monaten jedoch verstärkt vorantreiben. Dabei empfiehlt Greenpeace zwei Maßnahmen, die das Unternehmen umgehend ergreifen sollte:

  • APP muss glaubwürdige, objektive Daten zur aktuellen und prognostizierten Bodenabsenkung in den Torfgebieten beschaffen. Das Unternehmen muss auf Landschaftsebene prüfen, in welchen Gebieten die Erhaltung der Torfböden mit besonders großen Klimaschutzwirkungen verbunden ist.
  • APP muss sich mit der Waldzerstörung auseinandersetzen, die es vor Inkrafttreten der neuen Waldschutzpolitik verursacht hatte. Die Firma muss Waldschutz- und Restaurierungsmaßnahmen für alle Gebiete entwickeln, in denen seine Zulieferer tätig sind. Greenpeace empfiehlt APP, sich dabei am vom FSC (Forest Stewardship Council) entwickelten Grenzwert für „signifikante Umwandlung" zu orientieren. Dies würde bedeuten, dass APP den ökologischen Wert kompensieren muss, den es in fünf Jahren Waldzerstörung vernichtet hat.

Fazit: APP bewegt sich in die richtige Richtung

Ob die neue Waldschutzpolitik von Asia Pulp and Paper letztendlich dazu beiträgt, die verbleibenden Regenwälder Indonesiens dauerhaft zu erhalten, hängt nicht nur von der Entschlossenheit des Unternehmens, sondern auch von der Qualität der Empfehlungen der externen Gutachter ab. Es wird sich zeigen, ob APP diese konsequent umsetzen und einer kritischen Prüfung standhalten wird. Greenpeace hatte während der dreijährigen Kampagne zahlreiche Unternehmen überzeugt, den Einkauf von Papier bei APP auszusetzen - darunter bekannte deutsche Firmen wie Adidas, Montblancund Tchibo. Unternehmen, die ihre Geschäftsbeziehungen zu APP wieder aufnehmen möchten, rät Greenpeace jedoch weiterhin zu großer Vorsicht. So sollten die Firmen den Bezug von APP-Papier mit strengen Auflagen bezüglich der Einhaltung der Waldschutzpolicy verbinden und insbesondere die konsequente Umsetzung der im Greenpeace-Fortschrittsbericht als heikel identifizierten Punkte einfordern. Greenpeace wird APP weiterhin kritisch beobachten und zum aktuellen Stand berichten.

(Autorin: Gesche Jürgens, Greenpeace-Waldexpertin)

  • Intakte Torfwälder in Indonesien, November 2011

    Torfwald in Indonesien

    Überspringe die Bildergalerie
  • Die Zellstofffabrik des Unternehmens APP in Riau, August 2008

    Asia Pulp and Paper

    Überspringe die Bildergalerie
  • Schmähpreis für APP, Januar 2011

    Schmähpreis

    Überspringe die Bildergalerie
  • Greenpeace-Protest gegen den Papierkonzern APP in Indonesien,  November 2011

    Protest gegen APP

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Jetzt mitmachen

Du willst aktiv werden für den Waldschutz?

Live-Ticker auf der Fassade des EU-Ratssitzes in Brüssel zeigt Waldzerstörung in Echtzeit

Dann besuche in unserer Mitmach-Community Greenwire die Wald-Themengruppe und tausche dich mit Anderen aus, finde weitere Mitmachangebote und erfahre mehr über unsere Kampagnen.

Hier lang zur Themengruppe-Wald

Themengruppe auf

Live-Ticker auf der Fassade des EU-Ratssitzes in Brüssel zeigt Waldzerstörung in Echtzeit

Mehr zum Thema

Manicoré-Fluss im Amazonasregenwald, Luftbild

Der Amazonas-Regenwald

  • 22.02.2023

Fliegende Flüsse, schwitzende Bäume und Antibiotika: All das ist der Amazonas-Regenwald - und noch viel mehr.

mehr erfahren
Aktivistin hält Banner vor dem CityCube Berlin

EU-Mercosur-Abkommen

  • 19.01.2023

Gift für den Amazonas-Regenwald, Gift fürs Klima, Gift für unsere Limetten. Gestatten: Das EU-Mercosur-Abkommen.

mehr erfahren
Amazonas Regenwald

Endlich da! Ein EU-Gesetz für weltweiten Waldschutz

  • 08.12.2022

Ein Gesetz soll zukünftig verhindern, dass Produkte aus Waldzerstörung in der EU auf den Markt gelangen.

mehr erfahren
Greenpeace Aktive stehen an Bord eines Frachters. Sie haben ein Banner mit der Aufschrift "European Ministers, protect out forests!" an der höchsten Stelle des Schiffs befestigt.

Nordische Wälder enden als Verpackungsmüll

  • 04.11.2022

Holz aus nordischen Wäldern landet als kurzlebige Einwegverpackung in den Supermarktregalen der EU. Aktivist:innen protestieren gegen das Verladen von Papierrollen im Hafen von Lübeck.

mehr erfahren
“Amazon We Need” Expedition in the Amazon in Brazil - Moritz Jahn

Greenpeace und Moritz Jahn auf Amazonas-Expedition

  • 15.07.2022

Greenpeace war gemeinsam mit Forschenden und Influencer Moritz Jahn auf Expedition im Amazonas-Regenwald. Ziel war, die Region zu erforschen und den Indigenen beim Schutz ihres Zuhauses zu helfen.

mehr erfahren
Ein Hubschrauber der Bundespolizei fliegt mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter, um einen Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz zu löschen.

2022 – Das Jahr der Waldbrände

  • 07.07.2022

Was verbindet den US-amerikanischen Yosemite-Nationalpark, die griechische Insel Lesbos und die Sächsische Schweiz? Sie fackeln ab. Eine traurige Weltreise in die brennenden Wälder der Erde.

mehr erfahren