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Waldumbau
Georg Meister

"Die Waldpolitik steht vor großen Herausforderungen"

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Dr. Georg Meister schrieb seine Dissertation über "Ziele und Ergebnisse forstlicher Planung". Er ist langjähriger forstlicher Planer, Leiter des Forstamts Bad Reichenhall und forstlicher Gutachter in Thüringen und Brandenburg. 
Unter anderem schrieb er "Die Zeit des Waldes" (mit Monika Offenberger). Zurzeit arbeitet er an einem neuen Buch ("Wälder für die Enkel"). 
Mit uns sprach er über Nachhaltigkeit im Wald und den Einfluss der Jagdlobby.

Redaktion: Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit im Wald?

Georg Meister: Nachhaltigkeit ist eine ethische, langfristig bindende Verpflichtung gegenüber kommenden Generationen. Die Grundideen dazu reichen Jahrhunderte zurück. In Reichenhall wurde im Jahr 1661 der Begriff des "Ewigen Waldes" niedergeschrieben. Als Forstmeister von Reichenhall wollte ich eine solche Verpflichtung in die Tat umsetzen. Das bedeutet, zukunftsfähige, naturnahe Waldteile möglichst lange zu erhalten und naturferne, instabile Forste mit geringstmöglichem finanziellem Aufwand wieder in stabile und naturnahe Mischwälder umzubauen. Das war und ist angewandte Nachhaltigkeit im Wald, wie sie seit langem gefordert wird.

Redaktion: Wenn das schon so lange bekannt ist, warum ist es nicht umgesetzt worden?

Georg Meister: Das kurzfristige Streben nach Macht und Vergnügen war stärker als langfristiges Maßhalten. Die Selbstkontrolle und eine Vielfalt an Ausreden haben eine echte Evaluierung des langfristigen Erfolges verhindert. Entscheidend ist, dass die Waldbesucher die Fehlentwicklungen im Wald (zum Beispiel Wildverbiss oder Artenverarmung) nicht erkennen. Die Fachleute waren oft selbst Nutznießer der kurzfristig erreichbaren Ziele und haben die Situation meist beschönigt. So ist kein Druck auf die Politik entstanden.

Redaktion: Welchen Einfluss hat dabei die Jagdlobby?

Georg Meister: Hauptziel der Jagdlobby war die Produktion starker Jagdtrophäen als hochangesehene Statussymbole. Dieses Ziel konnte in wenigen Jahren durch eine der Landwirtschaft entlehnte Zuchtauswahl und Fütterung erreicht werden. Mächtige Schirmherrn haben jagdfreundliche Maßnahmen im Bereich des Steuer-, Jagd- und Naturschutzrechtes durchgesetzt. So waren jagdliche Ziele in der Praxis fast immer vorrangig vor dem langfristigen Ziel des Wiederaufbaus voll funktionsfähiger Wälder.

Redaktion: Wie müsste eine neue, zukunftsorientierte Waldpolitik aussehen?

Georg Meister: Die Waldpolitik steht vor großen Herausforderungen. Absolute Priorität müssen Erhalt und Wiederaufbau stabiler Mischwälder erhalten, wie es in Bayern schon vor 150 Jahren oberster Grundsatz war. Seit 60 Jahren sind die Ursachen für das weitgehende Versagen des bisherigen Waldumbaus beschrieben. Seit 40 Jahren gibt es Vorrang-Ziele für lokale Wälder (Waldfunktionsplanung), wobei die Staatswälder dem allgemeinen Wohl in besonderem Maße dienen sollen. Eine zukunftsorientierte Waldpolitik muss zunächst eine unabhängige Evaluierung der Ziele und Ergebnisse der bisherigen Waldentwicklung durchführen und möglichst viel von der Natur lernen. Eine langfristige Waldpolitik muss nicht nur auf dem Papier absolute Priorität vor kurzfristigen Zielen erhalten.

Redaktion: Welchen Ratschlag würden Sie jungen Förstern geben?

Georg Meister: Junge Förster sollten sich auf das langfristige Ziel des Wiederaufbaus zukunftsfähiger Wälder konzentrieren und sich nicht dem Diktat eines kurzfristig erreichbaren Gewinns oder Vergnügens beugen. Sie würden so zu Gralshütern der Nachhaltigkeit. Dann würde der faszinierende Beruf des Försters neues Ansehen gewinnen.

Redaktion: Vielen Dank für das Interview!

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