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Midgard action

Deutschlands Tor zur Urwaldzerstörung in Afrika

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Die Firma Rhenus betreibt im niedersächsischen Nordenham an der Weser den wichtigsten deutschen Umschlagsplatz für Holz aus Afrikas letzten Urwäldern - und verdient dabei prächtig mit. 

In Nordenham wird seit 1905 der einzige deutsche private Handelshafen betrieben - der mittlerweile zur Rethmann-Gruppe (Selm) gehörende Hafen Rhenus Midgard. Mit einem Umsatz von jährlich ca. 30 Millionen Euro konzentriert sich dieser Weserhafen vor allem auf den Umschlag von Massengütern wie Stahl, Kohle, Düngemittel, aber auch Militärgüter und Holz. Als privater, von der Öffentlichkeit vollständig abgeschirmter Hafen hat er sich zum zentralen Umschlagsplatz für Holz aus den letzten Urwäldern Afrikas entwickelt. Der Großteil der aus Afrika importierten Rundhölzer stammt aus Urwaldzerstörung.

Monopol auf tropisches Rundholz

Fast der gesamte deutsche Direktimport afrikanischer Rundhölzer - rund 108.000 Kubikmeter in 2004 - wird in Nordenham entladen. Importe aus Afrika, meist aus Kamerun, Gabun, Liberia, Republik Kongo und Äquatorialguinea - machen 96 Prozent aus.

Die restlichen vier Prozent der nach deutschland importierten Rundhölzer kommen hauptsächlich aus Burma (heute Myanmar, Südostasien) und aus Brasilien.

Auch nach Jahrzehnten industrieller Forstwirtschaft durch vorwiegend europäische Firmen ist nachhaltige Waldnutzung in Afrika noch immer ein Fremdwort.

Schnittholz

Auch ein Teil des afrikanischen Schnittholzes - fast 75.000 Kubikmeter in 2004 - wird über Midgard importiert, wobei hier der Transport auch über Containerhäfen wie Bremerhaven und Hamburg verläuft. Einige tausend Kubikmeter afrikanischer Schnitthölzer werden auch als weiterverarbeitete Ware aus anderen EU Ländern, allen voran die Niederlande, Belgien und Frankreich, importiert.

Illegaler Einschlag

Oft stammen die afrikanischen Hölzer nicht nur aus zerstörten Urwäldern, sondern wurden zudem auch illegal eingeschlagen. In Kamerun zum Beispiel wird der Anteil illegaler Einschläge auf 50 Prozent geschätzt. Der Holzeinschlag ist unter anderem dann illegal, wenn Holzfirmen außerhalb ihrer Konzession einschlagen oder innerhalb ihrer Konzession mehr einschlagen als erlaubt.Häufig werden die Stämme auch mit ungültigen Dokumenten zur Sägemühle transportiert.

Waffenhandel

Im Falle Liberias werden durch den Import von Rundholz sogar die illegalen Waffenkäufe der Regierung finanziert. Die UN hat bereits 1992 ein Waffenembargo gegen Liberia erlassen. Doch der liberianische Präsident Charles Taylor schafft unter Missachtung dieses UN-Embargos immer mehr Waffen ins Land. Mit diesen versorgt Taylor Rebellen in den benachbarten Ländern Sierra Leone und Elfenbeinküste und seine eigene Armee, die Rebellen in Liberia bekämpft. Es bedurfte eines erneuten UN-Beschlusses, der ab dem 7. Juli 2003 den Import von liberianischem Holz in die UN-Mitgliedstaaten verbot, um Taylor auch von dieser Geldquelle abzuschneiden. Freiwillig wollte die Holzindustrie dieses Geschäft nicht aufgeben. Auch Deutschland importierte über den Hafen Rhenus Midgard bis dahin mehrere tausend Kubikmeter Rundholz aus Liberia.

Midgard: Im Dienste der Urwaldzerstörer

Rhenus Midgard übernimmt für die Holzimporteure die gesamte Transportlogistik , vom Entladen, Vermessen und Lagern bis hin zur Weiterverarbeitung der angelandeten Stämme im nur wenige Kilometer stromabwärts gelegenen, firmeneigenen Sägewerk Blexen.

Mit dem Sägewerk sichert sich Rhenus Midgard einen noch größeren Anteil an der Wertschöpfung aus Urwaldzerstörung. Ehemalige Urwaldriesen werden aufgesägt, getrocknet und für den Weitertransport vorbereitet. Blexen gehört zu den größten Sägewerken für tropisches Rundholz in Deutschland.

Deutsche Importeure

Genutzt wird Rhenus Midgard von fast allen großen deutschen Tropenholz-Importeuren wie

  • Danzer (Reutlingen),
  • Wijma (Drensteinfurt bei Münster),
  • Fritz Offermann (Preußisch-Oldendorf bei Minden),
  • W.O. Bührich (Hamburg).
  • Hinrich Feldmeyer/tt Timber Group (Bremen/Basel)

Von diesen Importeuren ist die tt Timber Group zur Zeit die einzige Firma, die auf der eigenen Konzession im Kongo (CIB) Anstrengungen unternimmt, dort auf ökologisch und sozial verträgliche waldwirtschaft umzustellen.

Von Nordenham aus gehen afrikanische Hölzer zur Weiterverarbeitung an zahlreiche Betriebe in ganz Deutschland. Die Türenindustrie spielt dabei eine zentrale Rolle mit einem geschätzten Gesamtverbrauch an tropischen Hölzern von mehreren 10.000 Kubikmetern. Meist wird es hier versteckt unter Furnieren heimischer Baumarten an ahnungslose Kunden weitergegeben.

Auch die Parkett- und Möbelindustrie verwendet afrikanische Hölzer. Das eisenharte Bongossi wird vor allem im Wasser- und Brückenbau sowie in Pferdeställen eingesetzt.

Greenpeace fordert:

  • Sofortiger Verzicht auf Import von und Handel mit Holz von Firmen oder Personen, die mit illegalen Aktivitäten (z.B. Waffenschiebereien, illegalem Einschlag) in Verbindung stehen.
  • Deutsche Holzimporteure und -händler dürfen nicht mit Holz handeln, für das Urwälder zerstört wurden.
  • Holzimporteure und -händler sollten auf Holz aus einer ökologisch und sozial verträglichen Waldbewirtschaftung wie nach den Kriterien des FSC (Forest Stewardship Council) umsteigen.
  • Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, auf EU-Ebene gesetzliche Maßnahmen gegen illegalen Holzeinschlag und Urwaldzerstörung zu ergreifen, den Besitz und Handel mit Holz aus diesen Quellen in Deutschland gesetzlich zu unterbinden und auch ihre eigene Einkaufspolitik ökologisch auszurichten.
  • Die Bundesregierung soll sich für ein Netzwerk von Schutzgebieten und ein deulich verbessertes Mangagement der bestehenden Schutzgebiete einsetzen, um den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten. Dazu sind weltweit jährlich zusätzlich 25 Milliarden US Dollar (etwa 20 Milliarden Euro) erforderlich.

Das können Sie tun:

  • Verzichten Sie auf Produkte aus Urwaldzerstörung. Wählen Sie möglichst Holzprodukte, die das Siegel des FSC tragen.
  • Fordern Sie die Bundesregierung auf, Maßnahmen gegen illegalen Holzeinschlag und Urwaldzerstörung zu ergreifen, den Besitz und Handel mit Holz aus diesen Quellen gesetzlich zu unterbinden und auch ihre eigene Einkaufspolitik ökologisch auszurichten.
  • Fordern Sie Firmen auf, sofort alle illegalen Aktivitäten einzustellen, kein Holz aus illegalen Quellen und Urwaldzerstörung zu kaufen und auf Produkte umzusteigen, die nach ökologischen und sozialen Kriterien zertifiziert sind (z.B. nach FSC).
  • Fordern Sie den Greenpeace Ratgeber Holz & Papier für Ihren umweltfreundlichen Einkauf an.
  • Gehen Sie sparsam mit Papier um und verwenden Sie Recyclingpapier, denn auch die Urwälder des Nordens, aus denen Papier gemacht wird, sind bedroht.

 

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