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Daniel Beltrá / Greenpeace

Naturschutz in Brasilien

Es klingt nach einer sympathischen und niedlichen Idee: In Brasilien können nun Einzelpersonen oder Firmen Teile Amazoniens “adoptieren”. Für nur 10 Euro pro Hektar können sie ein Jahr lang die Patenschaft für einen Nationalpark übernehmen. Die Parks sind zwischen 2.574 und 3.865.172 Hektar groß, insgesamt stehen 63 Millionen Hektar zur Verfügung. 

Der erste Pate ist auch schon gefunden: Die französische Supermarkt-Kette Carrefour möchte die Patenschaft für das 75 000 Hektar große Naturreservat «Reserva Extrativista do Lago do Cuniã» im nördlichen Bundesstaat Rondônia übernehmen. Carrefour versucht seit dem gewaltsamen Tod eines Schwarzen vor einem Supermarkt in Porto Alegre im November vergangenen Jahres, sein Image in Brasilien zu verbessern.

Nach zwei Jahren, in denen die staatliche Umweltpolitik oder eher gesagt deren Abbau zu Rekordsteigerungen bei Abholzung und Bränden im Amazonasgebiet geführt haben, ist diese scheinbar nette Maßnahme ein verheerendes Signal: Die Regierung gibt damit die Verantwortung für die Finanzierung eines Teils des Umweltschutzes an die Privatwirtschaft weiter. Das ist umso dramatischer, als es eigentlich Mittel für Waldschutz gäbe, etwa im sogenannten Amazonien-Fonds. Dieser ist zu einem Teil auch aus Deutschland finanziert. Seit es Streit über die Verwendung der Gelder gab, ist er allerdings faktisch lahmgelegt. 

Echter Naturschutz statt Kommunikationstricks nötig

"Unternehmen wie Carrefour können dieses Programm nutzen, um davon abzulenken, dass sie keine Fortschritte in ihren Lieferketten machen”, sagt Cristiane Mazzetti, Wald-Kampaignerin von Greenpeace Brasilien. Carrefour hatte 2016 angekündigt, Fleisch, das mit Abholzung in Verbindung steht, perspektivisch aus den Regalen zu verbannen, sowie indirekte Emissionen zu reduzieren. Doch bisher gibt es hier keine nachweisbaren Erfolge. Daher wirkt die Patenschaft wie Marketing.

Auch die Regierung kritisiert Mazzetti: “Sie setzt eine PR-Aktion, zerstört aber parallel weiterhin echte Instrumente zum Schutz der Gebiete, unter anderem durch Budgetkürzungen.” Sinnvoll wäre das Gegenteil: Institutionen wie die Umweltbehörden Ibama und ICMbio brauchen mehr und nicht weniger Budget und Personal, um ihrer Arbeit wirkungsvoll nachzukommen. 

Zusätzlich braucht es neue, wirksame Schutzgebiete. Neue Schutzgebiete auszuweisen, hat zwischen 2004 und 2012 wesentlich zur Reduzierung der Abholzung beigetragen, trotzdem ist das momentan überhaupt kein Teil der Umweltschutzstrategie.

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