Skip to main content
Jetzt spenden
Waldansicht
Michael Kunkel / Greenpeace

Greenpeace veröffentlicht Bundesländer-Rangliste zum Waldschutz

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Für Klima- und Artenschutz wäre es besser, man würde den deutschen Wald weniger nutzen und mehr schützen. Die Realität sieht aber anders aus, so Greenpeace-Studien.

Zu wenig Schutz, zu junge Bäume, nicht genug Lebensraum für Tiere und Pflanzen – zu diesem Urteil über den deutschen Wald kommen aktuelle Greenpeace-Studien. Das Hauptproblem: Auf nahezu jeden deutschen Wald nimmt der Mensch Einfluss, in erster Linie durch Holzeinschlag. Das hat zur Folge, dass sich Wälder nicht natürlich entwickeln können. Ihr Baumbestand ist zu jung, und die Holzvorräte sind zu gering, um große Mengen Kohlenstoffdioxid zu binden. Dichte alte Wälder tun das – sie sind besser für das Klima.

Außerdem gibt es im deutschen Wald zu wenig Totholz, das – entgegen seiner Bezeichnung – Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze bietet. Zwar ist sein Anteil statistisch gewachsen, die Qualität hat allerdings stark abgenommen. Heimische Baumarten wie die Buche ersetzte die Forstwirtschaft durch Fichten und Kiefern, die an vielen Orten von Natur aus gar nicht vorkämen – und damit der heimischen Tier- und Pflanzenwelt auch keinen geeigneten Platz zum Leben bieten. Die schlechten Noten für den deutschen Wald gehen nicht zuletzt darauf zurück, dass Deutschland internationale Abkommen zum Schutz des Klimas und der Artenvielfalt nicht konsequent umsetzt, wie etwa das Übereinkommen über die biologische Vielfalt.

 

Greenpeace fragt bei den Bundesländern nach

Dabei sind die Missstände seit Langem bekannt, 2007 reagierte Deutschland mit der sogenannten Nationalen Biodiversitätsstrategie auf den weltweiten dramatischen Artenschwund. Ein Ziel darin lautet, dass bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder einer natürlichen Entwicklung ohne Holznutzung und menschliche Eingriffe überlassen werden. Und auch die forstlich genutzten Wälder sollen naturnäher werden. Doch ist Deutschland tatsächlich auf dem Weg dahin?

Mit  einem Fragebogen hakte Greenpeace bei den Umwelt- und Landwirtschaftsministerien der Bundesländer nach, wie weit die Pläne gediehen sind. Das Ergebnis ist unbefriedigend: Nirgends werden die Zielsetzungen vollständig erfüllt. Am besten schneiden in dem Greenpeace-Ranking das Saarland und Schleswig-Holstein ab, am schlechtesten Bayern und Hessen. Gerade dort gibt es enorme Defizite beim Waldschutz und in der Forstwirtschaft.

Weniger abholzen, mehr wachsen lassen

Mit der vielbeschworenen Nachhaltigkeit im deutschen Wald ist es nicht weit her. „Die Mär vom Schützen durch Nutzen ist aus ökologischer Sicht Augenwischerei“, sagt Sandra Hieke, Greenpeace-Expertin für Wälder. Denn je mehr Holz geschlagen wird, desto schlechter kommt der Wald seiner Funktion als Kohlenstoffspeicher nach. Seit 1990 nimmt dieses dynamische Reservoir, das seine Kapazität durch Neupflanzungen und Abholzung ständig ändert, immer weiter ab.

„Deutschlands Wälder könnten deutlich mehr Kohlenstoff speichern“, so Hieke. Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: „Es muss weniger eingeschlagen und mehr wachsen gelassen werden.“ Denn so wie der deutsche Wald derzeit bewirtschaftet wird, sieht es für die deutschen Klimaziele finster aus. Wenn die Erderwärmung unter 1,5 Grad bleiben soll, wie von der Pariser Klimakonferenz vorgegeben, müssen neben der Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien auch für die Wälder weiterreichende Maßnahmen her – und die beschlossenen endlich umgesetzt werden.

  • Buchenwald vom Boden aus gesehen

    Mehr davon!

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie
Wald-Ranking der Bundesländer (Langfassung)

Wald-Ranking der Bundesländer (Langfassung)

28 | DIN A4

3.5 MB

Herunterladen

Jetzt mitmachen

Du willst aktiv werden für den Waldschutz?

Live-Ticker auf der Fassade des EU-Ratssitzes in Brüssel zeigt Waldzerstörung in Echtzeit

Dann besuche in unserer Mitmach-Community Greenwire die Wald-Themengruppe und tausche dich mit Anderen aus, finde weitere Mitmachangebote und erfahre mehr über unsere Kampagnen.

Hier lang zur Themengruppe-Wald

Themengruppe auf

Live-Ticker auf der Fassade des EU-Ratssitzes in Brüssel zeigt Waldzerstörung in Echtzeit

Mehr zum Thema

Manicoré-Fluss im Amazonasregenwald, Luftbild

Der Amazonas-Regenwald

  • 22.02.2023

Fliegende Flüsse, schwitzende Bäume und Antibiotika: All das ist der Amazonas-Regenwald - und noch viel mehr.

mehr erfahren
Aktivistin hält Banner vor dem CityCube Berlin

EU-Mercosur-Abkommen

  • 19.01.2023

Gift für den Amazonas-Regenwald, Gift fürs Klima, Gift für unsere Limetten. Gestatten: Das EU-Mercosur-Abkommen.

mehr erfahren
Amazonas Regenwald

Endlich da! Ein EU-Gesetz für weltweiten Waldschutz

  • 08.12.2022

Ein Gesetz soll zukünftig verhindern, dass Produkte aus Waldzerstörung in der EU auf den Markt gelangen.

mehr erfahren
Greenpeace Aktive stehen an Bord eines Frachters. Sie haben ein Banner mit der Aufschrift "European Ministers, protect out forests!" an der höchsten Stelle des Schiffs befestigt.

Nordische Wälder enden als Verpackungsmüll

  • 04.11.2022

Holz aus nordischen Wäldern landet als kurzlebige Einwegverpackung in den Supermarktregalen der EU. Aktivist:innen protestieren gegen das Verladen von Papierrollen im Hafen von Lübeck.

mehr erfahren
“Amazon We Need” Expedition in the Amazon in Brazil - Moritz Jahn

Greenpeace und Moritz Jahn auf Amazonas-Expedition

  • 15.07.2022

Greenpeace war gemeinsam mit Forschenden und Influencer Moritz Jahn auf Expedition im Amazonas-Regenwald. Ziel war, die Region zu erforschen und den Indigenen beim Schutz ihres Zuhauses zu helfen.

mehr erfahren
Ein Hubschrauber der Bundespolizei fliegt mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter, um einen Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz zu löschen.

2022 – Das Jahr der Waldbrände

  • 07.07.2022

Was verbindet den US-amerikanischen Yosemite-Nationalpark, die griechische Insel Lesbos und die Sächsische Schweiz? Sie fackeln ab. Eine traurige Weltreise in die brennenden Wälder der Erde.

mehr erfahren