Skip to main content
Jetzt spenden
rainforest Africa logging

... oder was in den letzten 10 Jahren (nicht) passiert ist

Fünf verschiedene Abkommen wurden unterzeichnet, wovon eines das völkerrechtlich verbindliche Übereinkommen über biologische Vielfalt (CBD) ist. Für die Wälder gab es zusätzlich eine politische Absichtserklärung der Staaten.

1993 - Waldverlust seit Rio: 30 Millionen Hektar

Fast 10 Jahre nach Rio zeigt sich, dass die meisten der 180 Unterzeichnerstaaten nichts oder viel zu wenig für den Erhalt der Urwälder getan haben. Jedes Jahr sind etwa 15 Mio. Hektar Urwald, eine Fläche die rund der halben Bundesrepublik entspricht, abgeholzt worden: somit insgesamt ca. 150 Mio. Hektar. 150 Mio. Hektar entsprechen einer Fläche, die so groß ist wie Deutschland und ganz Skandinavien zusammen.

1994 - Waldverlust seit Rio: 45 Millionen Hektar

Ehrgeizige Programme, wie das von der deutschen Regierung finanzierte Programm zum Erhalt des brasilianischen Regenwaldes (PPG7) haben bisher 650 Mio. DM verschlungen. Dennoch konnte der dramatische Waldverlust nicht aufgehalten werden. Im Jahre 2000 sind mit 2 Mio. Hektar mehr amazonischer Urwald abgeholzt worden als jemals zuvor.

1995 - Waldverlust seit Rio: 60 Millionen Hektar

Viele Treffen, wenig Urwaldschutz

Mit der CBD hätte nach Rio ein völkerrechtlich verbindliches Instrument zur Verfügung gestanden, das sowohl den Schutz der Urwälder als auch die umweltverträgliche, sozial gerechte und ökonomisch vertretbare Waldnutzung sowie eine gerechte Verteilung der aus einer Nutzung entstehenden Vorteile an die lokale Bevölkerung und die Indigenen ermöglicht hätte.

1996 - Waldverlust seit Rio: 75 Millionen Hektar

Der politische Wille der Regierungen zum Urwaldschutz hat all die Jahre gefehlt. Viel zu stark standen die Nutzungsinteressen an der Ressource Holz im Vordergrund. Dabei waren es all die Jahre vor allem international tätige Konzerne, die Urwälder abgeholzt haben.

1997 - Waldverlust seit Rio: 90 Millionen Hektar

{image}Der waldpolitische Dialog, basierend auf Kapitel 11 der Agenda 21 und der Walderklärung, wurde im Auftrag der Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD) ab 1995 bis 1997 im "Zwischenstaatlichen Verhandlungsausschuss über Wälder" (Intergovernmental Panel on Forests, IPF), sowie von 1997 bis 2000 im "Zwischenstaatlichen Forum für Wälder" (Intergovernmetal Forum on Forests, IFF) mit dem Ziel geführt, eine Empfehlung an die CSD zurück zu geben. In dieser Zeit, in der Millionen Hektar von Urwäldern zerstört wurden, ist das völkerrechtlich geeignete Instrument der CBD auf dem Abstellgleis geparkt worden.

1998 - Waldverlust seit Rio: 105 Millionen Hektar

Der Falls Brook Centre, New Brunswick, Canada, schätzt, der IPF/IFF Prozess allein kostete fast 20 Mio. Can $. Das IPF traf sich 4 mal und überreichte der CSD 1997 Handlungsempfehlungen für die Schwerpunkte der weiteren waldpolitischen Arbeit. Es wurde empfohlen, nationale Forstprogramme zur Umsetzung der internationalen Übereinkommen zu initiieren. An der über all die Jahre dominierenden und blockierenden Frage eines völkerrechtlich verbindlichen Abkommens scheiterte IPF. IFF musste aus der Taufe gehoben werden. Neue Treffen schlossen sich an.

1999 - Waldverlust seit Rio: 120 Millionen Hektar

In 2000 wurde das Waldforum der Vereinten Nationen (UNFF) eingerichtet, das den IPF- und IFF-Prozess weiterführen soll. Obwohl oberstes Ziel die aktionsorientierte Implementierung der bisher erarbeiteten Handlungsempfehlungen ist, geht die Urwaldvernichtung weiter. Mit der ebenfalls neu eingerichteten Partnerschaft zur Zusammenarbeit für Wälder (CPF) sollen die multilateralen Organisationen wie FAO, Weltbank, UNDP, UNEP und die Sekretariate der Konventionen auf gemeinsame Ziele und Schwerpunkte festgelegt werden. Ein dringend notwendiger Schritt!

2000 - Waldverlust seit Rio: 135 Millionen Hektar

{image}Die CBD hat sich der Urwälder, der wichtigsten Heimat der "biologischen Vielfalt", nie richtig angenommen bzw. wurde vom IPF/IFF-Prozess gebremst. Obwohl auf der COP3 1996 beschlossen wurde, ein Arbeitsprogramm zu Waldbiodiversität zu entwickeln, wurde auf den Vorbereitungstreffen jede konkrete, handlungsorientierte Maßnahme vermieden. COP4 hat dann ein unbrauchbares Arbeitsprogramm beschlossen. 2000 musste dann die COP5 entscheiden, dass sich das Arbeitsprogramm weg von der Forschung und hin zu praktischer Aktion entwickeln soll.

2001 - Waldverlust seit Rio 150 Millionen Hektar

CSD, IPF, IFF, UNFF- die letzten Urwälder der Erde verschwinden mit der gleichen Geschwindigkeit wie vor 10 Jahren

Trotz der in Rio gefassten Beschlüsse und der Einberufung verschiedener Gremien zur Umsetzung und Überwachung der Abkommen, konnte die Zerstörung der letzten Urwälder der Erde bisher nicht aufgehalten werden. Nur rund 20 Prozent der ehemaligen Urwälder existieren heute noch. Die Geschwindigkeit der Abholzung nimmt weiterhin zu. Seit 1980 hat die Waldfläche in Entwicklungsländern um rund 10 Prozent abgenommen. Die Entwaldungsrate in Amazonien lag letztes Jahr um 15 Prozent höher als in den Jahren zuvor und hat damit den höchsten Stand in 5 Jahren erreicht.

2002 - Waldverlust seit Rio: 165 Millionen Hektar

Die Regierungen müssen jetzt handeln: Auf dem Urwaldgipfel im April 2002 muss ein Aktionsprogramm der CBD verabschiedet werden, das den Urwaldschutz für zukünftige Generationen garantiert und die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen ermöglicht. Dazu ist der politische Wille der Staatschefs notwendig!

V.i.S.d.P.: Martin Kaiser, Stand: 09/2001

Mehr zum Thema

Oil Palm Fruit

Raubbau für Palmöl

  • 18.01.2022

Palmöl findet sich in etwa jedem zweiten Produkt im Supermarkt. Doch unser Ressourcenhunger vernichtet die letzten Regenwälder Südostasiens.

mehr erfahren
Waldbrand im Amazonas

EU-Mercosur-Abkommen

  • 15.12.2021

Der Amazonas-Regenwald ist ein Schlüsselelement für Biodiversität und Klimaschutz. Doch das geplante EU-Mercosur Freihandelsabkommen gefährdet ihn weiter.

mehr erfahren
Timelapse over Broadback Valley Forest in Canada

Wälder des Nordens

  • 18.11.2021

Die borealen Wälder in Kanada, Russland und Skandinavien beherbergen eine große Artenvielfalt und tragen zum Klimaschutz bei. Doch die verbliebene Waldwildnis ist bedroht.

mehr erfahren
Feuer im Amazonas, September 2019

Gefahr für Mensch und Umwelt

  • 17.11.2021

Das geplante Handelsabkommen zwischen der EU und den vier südamerikanischen Mercosur-Staaten hat schädliche Folgen, wie eine Studie zeigt.

mehr erfahren

Feuer im Amazonas-Gebiet

  • 16.11.2021

Jahr für Jahr ein neuer trauriger Rekord: Auch in diesem Jahr brennt wieder der Amazonas-Regenwald. Wie schlimm es ist, und was die Handelspolitik damit zu tun hat.

mehr erfahren

Nicht verhandelbar

  • 16.11.2021

Greenpeace und Misereor veröffentlichen ein Rechtsgutachten zum geplanten Handelsabkommen. Es belegt die Mängel und sieht Neuverhandlungen als einzigen Ausweg.

mehr erfahren