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Überschwemmungswald (restinga) im Mamiraua Reservat im Amazonas, Mai 2005
© Werner Rudhart / Greenpeace

Der Amazonas-Regenwald ist gefährdet durch die Gier nach Land, Geld und Macht

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Es gibt viele Bedrohungen für den Amazonas-Urwald, die Vielfalt der Arten darin und nicht zuletzt die Menschen, die im und vom Wald leben. Weit über 700.000 Quadratkilometer der ursprünglichen Natur – die doppelte Größe Deutschlands - sind bereits verloren. 

Brasilien hat sich vorgenommen, die Abholzungen bis 2020 um 80 Prozent zu reduzieren, doch 2011 stimmte die Regierung einem neuen Waldgesetz zu, das in wichtigen Teilen den bisherigen Waldschutz lockerte. Greenpeace hatte sich jahrelang für ein echtes Waldschutzgesetz eingesetzt, das die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes ein und für allemal beendet, doch die Lobbyorganisationen der Großgrundbesitzer und Rinderfarmer peitschten das Gesetz durch. Dass die Waldzerstörung stark zunehmen würde, war damit abzusehen. So stieg die Urwaldzerstörung 2013 nach Jahren rückläufiger Zerstörung rasant um 28 Prozent an, in einigen Bundesstaaten Brasiliens gar um bis zu 50 Prozent. Der Grund liegt auch in dem neuen Waldgesetz, dass Waldzerstörer amnestierte und so Anreize schuf, noch mehr Wald zu roden. 

Rinderzucht

Die Rinderzucht in Amazonien ist heutzutage die größte Bedrohung der Urwälder. Um neue Flächen für die extensive Weidewirtschaft zu gewinnen, brennen die Wälder jedes Jahr auf Tausenden von Hektar. Nach Schätzungen der brasilianischen Regierung gehen rund 62 Prozent des Waldverlusts auf die Kosten von Rinderfarmern, die mehrheitlich illegal in die Wälder vordringen. Während die Regierung dies offiziell beklagt, tut sie andererseits alles, um den exportorientierten Fleisch- und Ledersektor zu stärken.  >> Regenwald auf der Schlachtbank

Waldgesetz

Eines der Instrumente dafür ist ein neues Waldgesetz, dass den Nutzern von Land offizielle Landtitel zusichert und ihnen erlaubt, erheblich größere Anteile ihres Landes völlig legal zu roden. Das vorherige Waldgesetz war einer der Eckpfeiler in den Bemühungen der brasilianischen Regierung, die Rodungen zu begrenzen. Nicht mehr als 20 Prozent des Urwaldes auf seinem Land durfte ein Landbesitzer legal abholzen. Zu viel gerodete Flächen mussten wieder aufgeforstet werden. Das neue Gesetz vergrößert diese Fläche in Teilen und stellt außerdem schon erfolgte Rodungen über das Erlaubte hinaus straffrei. >> Das Gesetz zum Schutz des Waldes

Sojaanbau

Die einzigartige Vielfalt des Amazonas-Regenwaldes wurde viele Jahre lang außer von Rinderfarmen auch von riesigen, eintönigen Soja-Monokulturen verdrängt. Die Nachfrage nach billiger brasilianischer Soja für Tierfutter stieg kontinuierlich an. Seit 2005 hat Brasilien die USA als Nummer eins unter den Soja exportierenden Ländern abgelöst. Während Soja anfangs hauptsächlich im Süden Brasiliens angebaut wurde, fraßen sich die Felder in den Folgejahren immer weiter in den Amazonas-Regenwald. Durch das Soja-Moratorium von 2006, das nach vielen Verlängerungen 2016 entfristet wurde, konnte diese Entwicklung zum Besseren gewendet werden - ein Riesenerfolg. >> Soja-Monokulturen statt Urwald

Eisenproduktion

Die Böden Amazoniens sind nicht sonderlich fruchtbar – aber reich an Bodenschätzen, vor allem Eisenerz. Die weltgrößte Eisenerzmine befindet sich in Carajás, im Herzen des Bundesstaats Pará. Konsequenterweise sind auch die Eisenhütten nicht weit, in denen das Erz zu Roheisen verarbeitet wird. Im Gegensatz zu den meisten Hüttenbetrieben rund um die Welt, in denen Kokskohle als Brennstoff eingesetzt wird, verwenden die brasilianischen Unternehmen allerdings hierfür Holzkohle. Diese stammt aus Köhlereien, die ihren Holznachschub zum Großteil illegal aus dem Urwald beziehen. Das Roheisen geht an Stahlhersteller auf der ganzen Welt für Autos, Baustahl, Maschinen. >> Die Industrialisierung des Regenwalds

Staudammprojekte

Brasilien ist stark abhängig von der Elektrizitätserzeugung aus Wasserkraft. Rund 80 Prozent des gesamten Stroms wird mit Wasserkraftwerken erzeugt. Weil es jedoch immer wieder zu Engpässen kommt, plant die Regierung den massiven Ausbau. Mehr als 60 Staudämme sind in ganz Brasilien derzeit im Bau oder in Planung, davon über die Hälfte in Amazonien. Die teilweise gigantischen Projekte sollen vor allem die bisher wenig erschlossenen Gebiete mit Strom versorgen und zur 'Entwicklung' der Regionen beitragen. Vor allem von Seiten der Ureinwohner gibt es jedoch heftigen Widerstand. >> Regenwald unter Wasser

Edelhölzer

Die Ausbeutung von Edelhölzern ist die treibende Kraft hinter der Öffnung immer neuer Regionen des Urwaldes am Amazonas. Neue Straßen zum Abtransport der Stämme wurden angelegt, auf denen später landlose Siedler nachrücken und sich im Wald niederlassen, ein kleines Stück roden und für einige Jahre Ackerbau auf den wenig fruchtbaren Böden betreiben. Auf Satellitenbildern erkennt man ein Fischgrätenmuster, das Kennzeichen für diese Art der Erschließung. Internationaler und lokaler Druck haben bewirkt, dass die früher nach dem Prinzip der reinen Ausbeutung operierenden Holzkonzerne zum Teil umgedacht und begonnen haben, den Wald zu bewirtschaften und nicht mehr zu entnehmen als nachwachsen kann. Leider betrifft das bei weitem noch nicht alle.

(Autor: Helge Holler / Stand: August 2012)

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