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So beginnt der neunte Eintrag in dem Tagebuch, das unsere beiden Mitarbeiterinnen Sandra Pfotenhauer und Katja Kreutzer aus dem Regenwald am Amazonas schicken. Seit Anfang des Monats sind die beiden im brasilianischen Urwald unterwegs. Sie nehmen an einer Aktion von Greenpeace International teil, in deren Verlauf die Orte aufgespürt und dokumentiert werden sollen, an denen illegal Bäume gefällt werden. Lesen sie weiter:

Es nervt die Holzfäller extrem, dass Greenpeace und die IBAMA in der Region sind und ihre dreckigen Geschäfte aufdecken. Denn normalerweise ist die Chance, erwischt zu werden, gleich Null.

Die IBAMA hat unsere Vermutung bestätigt: Josafa, von dem wir schon berichtet haben, hat das Gesetz gebrochen. Einheimische hatten der IBAMA einen Tipp gegeben. Hinter einem Holzstoß versteckt, führt eine kilometerlange Straße tief in den Urwald. Und zwar außerhalb des Gebietes, in dem Josafa pro Jahr 22.000 Kubikmeter Holz legal einschlagen darf. Anscheinend reicht ihm das noch nicht. Um noch mehr Geld zu machen, zerstört er den Regenwald.

Als uns diese Nachricht per Funk erreicht, sind wir mit zwei Schnellbooten auf dem Weg von der Arctic Sunrise zum Flussschiff. Das liegt gute zwei Fahrtstunden entfernt im schmalen Jaurucu, gegenüber vom IBAMA-Schiff und von Josafas Einschlaggebiet. Dort kommt die Arctic Sunrise nicht hin. Sie liegt vor Porto de Moz, der Holzfällerstadt. Hier ist es für Weiße gefährlich, für Greenpeacer erst recht. Dennoch sollte gestern eine Versammlung stattfinden mit Greenpeace, Holzfällern und dem zuständigen Staatsanwalt von Brasilien.

Doch das Risiko, in Porto de Moz die Versammlung abzuhalten, ist zu groß. Nicht nur Paolo, unser brasilianischer Koordinator, hat Morddrohungen bekommen. Auch der Staatsanwalt braucht Personenschutz. Nach mühsamen Verhandlungen steht der neue Treffpunkt fest: ein Strand, zwanzig Minuten von der Arctic Sunrise entfernt.

Die Sicherheitskräfte von der IBAMA halten mit Maschinengewehren im Anschlag Wache. Das Meeting dauert vier Stunden. Es sind zwei Gruppen von Holzfällern, die sich mit uns treffen, und eigentlich sind sie verfeindet. Sie zusammengebracht zu haben, ist ein Erfolg. Sie diskutieren den Vorschlag, ein Reservat einzurichten. Abholzen in Maßen erlaubt.

Trotzdem beschlagnahmt die IBAMA fünf Bulldozer und setzt die Einschlagerlaubnis außer Kraft. Josafa wird für die Zerstörung des Waldes bezahlen müssen. Doch für ihn hat sich das Geschäft wahrscheinlich trotzdem gelohnt. Denn große Holzmengen sind bereits verkauft.

Wohin Josafa das Holz gebracht hat, ist unklar. Zunächst ist es vielleicht nach Brevis gegangen, ins Sägewerk, und dann nach Belém. Von dort aus wird ein Teil des Holzes normalerweise per Schiff exportiert, auch zu uns nach Europa.

Jeder kann sich für den Urwald einsetzen, indem er beim Kaufen von Holz auf das Siegel des FSC achtet. Das steht für eine ökologisch und sozial gerechte Waldbewirtschaftung. Auch im Amazonas gibt es FSC-zertifizierte Firmen, leider viel zu wenige.

Falls Sie wissen möchten, wo genau der brasilianische Bundesstaat Pará liegt, hilft unsere Übersichtskarte.

Zum Nachlesen: Amazonas-Tagebuch Teil 8

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