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Greenpeace-Aktion gegen Billigfleisch im Supermarkt
©Maria Feck/Greenpeace

Fleisch in Supermärkten vielfach aus schlechter Tierhaltung

Abfrage zeigt: Der Handel tut zu wenig, um die Tierhaltung zu verbessern. Greenpeace-Ehrenamtliche werden in 55 Städten aktiv.

    Im Schnitt 88 Prozent des Frischfleischs der Supermarkt-Eigenmarken stammt von Tieren, die qualvoll und häufig tierschutzwidrig gehalten wurden – im Handel erkennbar an der Kennzeichnung Haltungsform 1 oder Haltungsform 2. Zu diesem Ergebnis kommt Greenpeace nach Auswertung einer schriftlichen Abfrage bei den großen Supermarktketten Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny, Rewe und Real (Zum Supermarkt-Check: Regale voller Billigfleisch).

    “Es ist erschreckend, wie viel Tierleid im Sortiment der Supermärkte steckt“, sagt Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin. Die Produktion von Billigfleisch hat auch ökologische Konsequenzen: Sie verursacht Emissionen, fördert Antibiotikaresistenzen, die Verbreitung multiresistenter Keime und belastet das Grundwasser mit Nitrat aus dem Überschuss an Gülle. Hinzu kommt, dass die bäuerlichen Betriebe kaum noch bei den Dumpingpreisen mithalten können.

    Greenpeacer informieren in 55 Städten 

    Der Handel trägt also Verantwortung – gegenüber seinen Kundinnen und Kunden, aber auch der Gesellschaft. „Wir wollen den Supermärkten  zeigen, dass ihre Billigfleisch-Politik auf Kritik in der eigenen Kundschaft stößt“, erklärt Töwe. Bei einem bundesweiten Aktionstag gegen Billigfleisch werden daher Greenpeace-Freiwillige in 55 Städten aktiv. Mit Informationsmaterial zur Fleischkennzeichnung erklären sie vor Supermärkten, wie man Fleisch aus schlechter Haltung vermeiden kann und informieren über das Ergebnis der Greenpeace-Abfrage. Engagierte Kundinnen und Kunden können sich direkt mit einer Protestpostkarte an die jeweilige Markteitung wenden und eine tier- und umweltfreundlichere Umstellung des Sortiments fordern. 

    Alle Supermärkte enttäuschen

    Anlass für die Greenpeace-Abfrage war die Einführung der sogenannten Haltungsform, einer einheitlichen Fleischkennzeichnung des Handels im April 2019 – auf freiwilliger Basis wohlgemerkt. Ein Feigenblatt oder ein echter Beitrag zur Verbesserung der Tierhaltung? “Wir wollten wissen, was der aktuelle Stand ist. Gerade beim Fleisch ist es wichtig, transparent zu machen, welche Haltung dahinter steckt”, sagt Töwe. 

    Aus den Angaben der Supermärkte zu Kennzeichnung sowie aktuellem und zukünftigem  Sortiment hat Greenpeace ein Ranking erstellt. Von 1.000 möglichen Punkten konnte Kaufland gerade einmal 179 erzielen, alle anderen Supermärkte schneiden noch schlechter ab. Das Schlusslicht bilden Netto (50 Punkte) und Edeka (25 Punkte) sowie Real mit 0 Punkten, da letzterer die freiwillige Kennzeichnung gar nicht eingeführt hat und entsprechend keine Angaben machen konnte. 

    Die Rechnung ohne die Wurst gemacht

    Was hat die Abfrage noch ergeben? Die Supermärkte (außer Real) setzen nach eigenen Angaben die Kennzeichnung der Frischfleisch-Eigenmarken mit Haltungsform 1-4 weitestgehend um. Das bedeutet allerdings längst nicht, dass den Verbraucherinnen und Verbraucher bei jedem Produkt klar ist, wie das Tier gelebt hat. So gibt es Kennzeichnungslücken an den Bedientheken, nur Kaufland ist hier konsequent. Zudem kennzeichnet die vierstufige Haltungsform ohnehin nur Frischfleisch-Eigenmarken. Das bedeutet: Weder verarbeitetes Fleisch wie Wurst-, Convenience- und Tiefkühlprodukte noch Frischfleisch der Fremdmarken sind in relevantem Ausmaß gekennzeichnet. Große Wursthersteller von Böklunder über Meica bis Rügenwalder nutzen bisher keine freiwillige Haltungskennzeichnung. Entsprechend dringlich ist es, dass eine verpflichtende Regelung für alle Hersteller endlich zur Pflicht wird. “Doch das versucht Landwirtschaftsministerin Klöckner bislang zu verhindern”, so Töwe. 

    Unklare nächste Schritte

    Es scheint, als ruhten sich die Supermärkte nun zumindest teilweise auf ihrer Kennzeichnung aus. Aber dabei darf es dabei nicht bleiben. Fleisch aus der schlimmsten Haltungsform 1 (Stallhaltung) sollte schnellstmöglich gar nicht mehr angeboten werden. Denn beispielsweise beim Schweinefleisch verstößt die Haltung hinter Haltungsform 1 (Stallhaltung) und 2 (Stallhaltung plus) laut einem Greenpeace-Rechtsgutachten gegen das Tierschutzgesetz und damit gegen die Verfassung.

    Konkrete Zeitangaben sind nötig, damit die Supermärkte nicht bei vagen Absichtserklärungen bleiben. Doch bisher hat nur Lidl erklärt, für Schwein und Rind bis 2022 bzw. 2025 auf die schlechteste Haltungsform 1 verzichten zu wollen. Aldi Nord, Aldi Süd, Rewe und Penny planen dies zwar ebenfalls, allerdings ohne Zeitangabe und damit wenig verbindlich. Wichtig ist: Mit der Verlagerung auf die zweitschlechteste Haltungsform 2 ist es nicht getan. “Billigfleisch aus mieser Haltung muss die Ausnahme bleiben”, fordert die Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin. In den kommenden Wochen werden Ehrenamtliche das Sortiment verstärkt unter die Lupe nehmen, um die Antworten der Supermärkte zu überprüfen.

    Supermarkt-Check - Regale voller Billigfleisch.

    Supermarkt-Check - Regale voller Billigfleisch.

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