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Masthähnchen in einem Norddeutschen Massentier-Stall
Fred Dott / Greenpeace

Kritik an neuem Tierwohl-Label

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Wie wird Supermarkt-Fleisch produziert? Ein staatliches Label soll Auskunft über die Tierhaltung geben. Ob es Rind, Schwein und Huhn dadurch besser geht, ist fraglich.

Dass bei einer 400-Gramm-Packung Hackfleisch für 1,59 Euro irgend etwas nicht stimmt, leuchtet ein. Was genau das ist, zeigen die verstörenden Bilder aus konventionellen deutschen Ställen und Filme, die selbst Hartgesottene ins Kissen weinen lassen. Als dann noch im vergangenen Jahr Tierschützer Aufnahmen veröffentlichten, die massive Tierschutzverletzungen in den Ställen führender Agrar-Funktionäre zeigten, war klar, dass sich was ändern muss.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) schwebt nun ein Tierwohl-Label für Fleisch und Fleischprodukte vor, das Auskunft über die Haltung geben soll. Noch bevor er die Kriterien veröffentlichte, hagelte es allerdings Kritik. „Das Label soll freiwillig sein“, erklärt Stephanie Töwe-Rimkeit, Expertin für Landwirtschaft bei Greenpeace. „Das bringt dem Verbraucher wenig, denn bei der Masse der Produkte wird er so auch in Zukunft nicht erfahren, was sich hinter dem Schnitzel oder dem Brathähnchen verbirgt. Wenn die Tierquälerei in Deutschland aufhören soll, brauchen wir eine verpflichtende Kennzeichnung. Jeder Hersteller muss die Produktionsbedingungen seinen Kunden gegenüber offenlegen.“

Denn Verbraucher wollen wissen, was sie essen: 79 Prozent der Bundesbürger sprechen sich für eine verpflichtende Kennzeichnung aus – das ergab eine kürzlich von Greenpeace beauftragte Forsa-Umfrage. 59 Prozent meinen zudem, dass eine Kennzeichnung Verbraucher dazu brächte, vor allem Fleisch aus besserer Tierhaltung zu kaufen. Bei Eiern hat die vor elf Jahren eingeführte Kennzeichnung tatsächlich zu einem veränderten Kaufverhalten geführt: Käfigeier haben im Handel heute keine Chance mehr.

Heutige Mindeststandards reichen nicht

Ob aber ein Tierwohl-Label tatsächlich die schlimmen Missstände beenden wird, hängt auch von den Standards ab. „Die Kriterien für besseres Fleisch müssen weit über den heutigen Mindeststandards liegen“, so Töwe-Rimkeit. „Tierquälerische Maßnahmen wie das Kupieren der Ringelschwänze, die betäubungslose Kastration, den Kastenstand bei Sauen oder das mangelnde Platzangebot darf Minister Schmidt für sein Label nicht erlauben. Die jetzigen Mindeststandards in der Tierhaltung gehören generell verboten.“

Gülle im Trinkwasser

Dieser alltägliche Wahnsinn in den Ställen treibt Verbraucher zunehmend zu Lupinen-Schnitzel oder Bio-Hack. Ein richtiger Schritt! 45 Prozent der Bundesbürger essen laut Umfrage auch aus Umweltschutzgründen weniger Fleisch, weitere 33 Prozent können es sich vorstellen. Denn die Massentierhaltung belastet durch den Ausstoß von Treibhausgasen massiv das Klima. Aber auch das Übermaß an Gülle führt zu enormen Problemen. So sehr, dass nun der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) Alarm schlägt: „Trinkwasser könnte in einigen Regionen um bis zu 62 Prozent teurer werden. Denn die zunehmende Verschmutzung des Grundwassers erfordert eine immer kostenintensivere Trinkwasseraufbereitung.“ Der Verband fordert eine Verschärfung der Düngeverordnung und spricht gar von der Notwendigkeit einer Agrarwende.

Richtig so, eine Verschärfung dieser Verordnung sowie ein wirkungsvolles Tierwohl-Label sind wichtige Schritte, können aber nicht ersetzen, was nötig ist: Eine Agrarwende in Deutschland. Wie diese gestaltet werden kann, steht im „Kursbuch Agrarwende 2050 – Ökologisierte Landwirtschaft in Deutschland“, das Greenpeace Anfang des Jahres vorgestellt  hat.

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