Cloud Computing, Künstliche Intelligenz und ihre Umweltauswirkungen
Die Cloud besteht nicht aus Luft, sondern aus Servern, Festplatten und Kabeln: Rechenzentren sind die Fabriken des digitalen Zeitalters. Mit massivem Verbrauch von Strom, Wasser, Fläche und Rohstoffen, angeheizt vom Boom der Künstlichen Intelligenz (KI).
- Ein Artikel von Simone Miller & Michael Weiland
- mitwirkende Expert:innen Linda Klapdor & Dr. Mauricio Vargas & Matthias Lambrecht
- Hintergrund
- Greenpeace als bevorzugte Quelle bei Google: So geht's!
Die vergangenen Hitzesommer führten in vielen Regionen Deutschlands zu Wasserknappheit mit historischen Tiefständen in Flüssen und Seen. Während Menschen zum Wassersparen aufgerufen wurden, erklärte Umweltminister Carsten Schneider (SPD) die Wasserversorgung zur Voraussetzung für soziale Gerechtigkeit: Menschliche Grundbedürfnisse dürften nicht mit dem Wasserverbrauch von Rechenzentren konkurrieren. Trotzdem sollen sich die Rechenkapazitäten bis 2030 verdoppeln, die Kapazität für Künstliche Intelligenz (kurz: KI) mindestens vervierfachen.
Die bestehenden Anlagen für Cloud- und KI-Anwendungen in Deutschland verbrauchten im vergangenen Jahr rund 13 Milliarden Liter Wasser zur Kühlung, zeigt eine neue Greenpeace-Berechnung. Die Menge entspricht dem Trinkwasserbedarf einer Großstadt mit 275.000 Menschen oder dem Volumen von 5.000 olympischen Schwimmbecken. Angesichts zahlreicher geplanter Rechenzentren kann der Wasserverbrauch bis zum Jahr 2030 auf bis zu 27 Milliarden Liter pro Jahr ansteigen.
„Wer neben einem Rechenzentrum lebt, sorgt sich zurecht um Lebensqualität, versiegende Brunnen und steigende Wasser- und Stromkosten. Bestehende und geplante Rechenzentren graben uns das Wasser ab. Der Trend zu immer größeren Anlagen mit ihrem enormen Wasserverbrauch verstärkt lokalen Wasserstress und löst Nutzungskonflikte aus. Der Strom für den Betrieb muss aus erneuerbaren Energien stammen. In wasserarmen Regionen dürfen Rechenzentren nur mit geschlossenen Wasserkreisläufen ans Netz gehen.“
“Wer neben einem Rechenzentrum lebt, sorgt sich zurecht um Lebensqualität, versiegende Brunnen und steigende Wasser- und Stromkosten. Bestehende und geplante Rechenzentren graben uns das Wasser ab. Der Trend zu immer größeren Anlagen mit ihrem enormen Wasserverbrauch verstärkt lokalen Wasserstress und löst Nutzungskonflikte aus. Der Strom für den Betrieb muss aus erneuerbaren Energien stammen. In wasserarmen Regionen dürfen Rechenzentren nur mit geschlossenen Wasserkreisläufen ans Netz gehen.”
Wasserverbrauch von Rechenzentren in Deutschland
Anzahl Seiten: 8
Dateigröße: 2.25 MB
HerunterladenIm Ergebnisbericht des Digitalgipfels der Bundesregierung von Anfang November finden sich keine Kennzahlen zu Energie, Wasser oder Abwärme für die geplante Vervierfachung der KI-Rechenkapazität. Seit November 2023 müssen Betreiber von Rechenzentren ihren Strom- und Wasserverbrauch melden. Im Sommer 2026 ging das nationale Rechenzentrumsregister online und bietet Einblicke in den Ressourcenverbrauch deutscher Rechenzentren. Doch das Register deckt auch ein massives Transparenzproblem der Branche auf: Weniger als die Hälfte der rund 1200 meldepflichtigen Rechenzentren erfüllten ihre gesetzliche Meldepflicht. Zu ihren Ausbauplänen teilte die Bundesregierung dem Verein Netzpolitik im August 2026 mit, sie wisse nicht, wie viel Wasser diese benötigen werden.
Für nachhaltigere KI und Cloud
Greenpeace fordert
▶ Betreiber müssen bereits in der Planungsphase die Kühltechnik und den zu erwartenden Wasserverbrauch eines Rechenzentrums offenlegen.
▶ Behörden müssen vor der Genehmigung eine Umweltverträglichkeitsprüfung und ein aktuelles Wassergutachten von den Betreibern verlangen und veröffentlichen.
▶ In wasserarmen Regionen dürfen keine wasserintensiven Rechenzentren entstehen.
▶ Der Bund muss die Transparenz und Datenqualität im nationalen Transparenzregister für Rechenzentren verbessern. Fehlende oder fehlerhafte Meldungen müssen konsequent sanktioniert werden.
Künstliche Intelligenz treibt den Energiehunger drastisch an
Der Boom von KI- und Cloud-Diensten lässt nicht nur den Wasser- sondern auch den Strombedarf deutscher Rechenzentren in den kommenden Jahren drastisch steigen. Nach Erhebungen des Digitalverbands Bitkom benötigen Rechenzentren und kleinere IT-Installationen im laufenden Jahr 2026 hierzulande bereits rund 23 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das entspricht in etwa dem gesamten Jahresstromverbrauch aller Privathaushalte in ganz Nordrhein-Westfalen.
Trotzdem sollen sich die Rechenkapazitäten in Deutschland bis 2030 verdoppeln, die Kapazität für Künstliche Intelligenz mindestens vervierfachen. Während bisherige Anlagen meist unter 5 Megawatt Anschlussleistung blieben, entstehen nun Mega-Rechenzentren mit 100 Megawatt bis über 1 Gigawatt. In Deutschland sind knapp 30 solcher Projekte in Planung.
Bisher ist offen, woher der Strom für die geplanten Mega-Rechenzentren (Hyperscaler) in Deutschland kommen soll. Ein Rechenzentrum des US-Konzerns EdgeConneX in Maintal liegt nach massiven Anwohnerprotesten auf Eis, weil es mit einem eigenen fossilen Gaskraftwerk betrieben werden sollte. Doch nicht nur in Deutschland sind Rechenzentren wegen ihren Klimaauswirkungen umstritten. Ein Greenpeace-Studie zur Klimakluft von Rechenzentren in Weltregionen, deren Strommix hauptsächlich aus klimaschädlichen fossilen Gas und Kohle stammt, zeigt das ganze Dilemma: Führende Tech-Unternehmen verursachen weltweit fast die Hälfte aller CO2-Emissionen von Rechenzentren für Cloud- und KI-Dienste. Ganz vorne: Amazon Web Service (AWS).
„Der Energiemix entscheidet über die Klimabilanz der Rechenzentren. Besonders die Marktführer Amazon Web Services (AWS), Meta, Google und Microsoft nehmen einen schlechten CO2-Fußabdruck bewusst in Kauf, indem sie ihre Rechenzentren in Regionen mit schmutzigem Strom bauen. Einzelne Rechenzentren in den USA schneiden teilweise schlechter ab als Datencenter in Usbekistan, wo der Strom vorwiegend mit Kohle erzeugt wird. Nur mit erneuerbaren Energien kann die Verbindung von KI- und Cloud-Diensten mit Klimaschutz gelingen.“
Die regionale Klimakluft von Rechenzentren
Anzahl Seiten: 32
Dateigröße: 3.92 MB
HerunterladenDatenzentren entwickeln sich zu den neuen Bremsklötzen des internationalen Klimaschutzes. Ihr rasanter Ausbau droht die Klimaziele zu gefährden. Doch der Widerstand gegen die massive Expansion von Rechenzentren hat sich zu einer globalen Bewegung entwickelt. Vom Maintal über Schottland bis Indien wehren sich Menschen gegen Anlagen, die ihre Lebensqualität verschlechtern, lokale Energieversorgung und Wasserressourcen gefährden und die Klimakrise antreiben. Eine Analyse nach den US-Wahlen im November 2026 zeigt sogar, dass der Widerstand gegen Rechenzentren zu einem wahlentscheidenden Politikum geworden ist.
Mitmachen - besser machen
Fünf Tipps: Was wir für ein besseres Netz tun können
Wir alle können etwas tun und dafür müssen dafür keine Programmierer:innen sein. Schon kleine Verhaltensänderungen können helfen, Ressourcen zu schonen und die Abhängigkeit von US-Techkonzernen zu reduzieren:
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Nein zu Monopolen
Greenpeace rät zum „digitalen Ausstieg“ aus monopolartigen Plattformen: Statt Whatsapp datenschützende Messenger wie Signal nutzen, statt X dezentrale Netzwerke wie Mastodon. Suchmaschinen wie Ecosia finanzieren Aufforstungsprojekte, während Browser wie Firefox unabhängige Gegenmodelle zu den Systemen von Google oder Apple sind.
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Energiefresser vermeiden
Streaming in höchster Auflösung, ständiges Cloud-Backup und KI-Anwendungen brauchen viel Energie. Nutzer:innen können diese Dienste vermeiden oder einschränken, etwa indem sie auf eine Funktion spezialisierte KI-Modelle nutzen statt der bekannten Chatbots.
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Lieber weniger
Soziale Netzwerke verdienen, wenn Menschen möglichst lange bleiben. Wer Push-Mitteilungen deaktiviert und Bildschirmzeiten begrenzt, entzieht diesen Geschäftsmodellen einen Teil ihrer Grundlage.
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Schönes analoges Leben
Es gibt ein Leben jenseits des Digitalen: Immer mehr junge Menschen treffen sich zum Musikhören oder Bücherlesen. In Skandinavien kehren Schulen zum analogen Unterricht zurück, in Deutschland beginnt zumindest eine Debatte darüber.
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Mitmachen für Demokratie im Netz
Initiativen wie Save Social (von Greenpeace unterstützt) engagieren sich zum Beispiel mit einem monatlichen Digital Independence Day für ein demokratisches Internet und dafür, den Einfluss großer Konzerne zu begrenzen. Jede:r kann mitmachen und Unterstützung zeigen.
EnEfG-Novelle 2026: Rückschritt für Klimaschutz und digitale Infrastruktur
Im April 2026 hat Greenpeace eine Stellungnahme zur geplanten Reform des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) abgegeben – mit deutlicher Kritik: Der Gesetzentwurf aus dem von Katharina Reiche (CDU) geführten Bundeswirtschaftsministerium schwächt zentrale Klimaschutzinstrumente genau dort, wo der Energieverbrauch am schnellsten wächst – bei Rechenzentren und KI.
Konkret bemängelt Greenpeace:
- Es fehlt konkrete Verbindlichkeit: Klare Einsparziele und staatliche Pflichten sollen gestrichen werden – und ersetzt werden durch unverbindliche Prüfprozesse.
- Effizienzstandards sind zu locker: Anforderungen an Rechenzentren werden abgeschwächt (z. B. PUE-Werte), obwohl der Energiebedarf durch KI massiv steigt.
- Abwärme bleibt ungenutzt: Verbindliche Vorgaben zur Nutzung von Abwärme fallen weg – ein Rückschlag für die Wärmewende.
- Weniger Transparenz: Unternehmen sollen Energie- und Umweltdaten teilweise nicht mehr offenlegen müssen.
- Greenwashing-Risiko: Der Bezug von „grünem Strom“ wird nicht streng genug geregelt – echte zusätzliche erneuerbare Kapazitäten sind nicht verpflichtend.
Der Strombedarf von KI-Rechenzentren könnte sich laut Prognosen bis 2030 mehr als verzehnfachen. Wenn jetzt Effizienzregeln aufgeweicht werden, droht ein massiver Anstieg von Emissionen und Ressourcenverbrauch – trotz aller digitalen Fortschrittsversprechen.
In einer Zeit, in der Deutschland seine Klimaziele im Gebäude- und Verkehrssektor bereits verfehlt, ist es unverantwortlich, dem am stärksten wachsenden Stromverbrauchssektor einen Freibrief für ineffizientes Wachstum auszustellen. Statt das Energieeffizienzgesetz als Leitplanke für einen nachhaltigen Rechenzentrumsstandort Deutschland zu nutzen und souveräne europäische Alternativen zu stärken, folgt der Entwurf den Interessen großer US-Tech-Konzerne.
CO2-Emissionen steigen wegen KI-Ausbau
Trotz aller Versprechen zur Klimaneutralität steigen auch die CO2-Emissionen: von 29 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 2023 auf 166 Millionen Tonnen im Jahr 2030. Und das, obwohl ein steigender Anteil erneuerbarer Energien bereits eingerechnet wurde. Der Ausbau der KI-Infrastruktur sorgt dafür, dass Gas- und Kohlekraftwerke länger am Netz bleiben – und der Weg in die Klimaneutralität immer länger wird.
Energieeffizientere Algorithmen und kleinere KI-Modelle können zwar helfen, den Verbrauch zu senken – aber nur, wenn sie nicht zu noch mehr Nutzung führen. Genau das ist jedoch der Fall: Der Rechenaufwand für das Training von KI-Modellen verdoppelt sich alle fünf Monate. Die Zahl der ChatGPT-Nutzer:innen hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt.
Dieser Effekt nennt sich Rebound oder Jevons-Paradox. Benannt nach dem englischen Ökonomen William Stanley Jevons, besagt seine Theorie, dass technischer Fortschritt, der die effizientere Nutzung eines Rohstoffes erlaubt, letztlich zu einer erhöhten Nutzung dieses Rohstoffes führt, anstatt sie zu senken. Technologischer Fortschritt allein genügt darum nicht. Es braucht politische Rahmensetzungen, die nicht nur Effizienz fördern, sondern auch überflüssige und klimaschädliche Anwendungen begrenzen. KI zur Ölförderung? Ein absolutes No-Go.
Der KI-Boom bringt Probleme - und braucht Lösungen
Greenpeace engagiert sich für eine umweltfreundlichere digitale Infrastruktur. Der Report „Clicking Clean“ aus dem Jahr 2017 legte offen, wie weit IT-Unternehmen auf dem Weg zu einem grünen Internet sind. Schon damals forderte Greenpeace: Die Digitalisierung darf nicht auf Kosten des Klimas gehen.
Stellungnahme zur EnEfG-Novelle 2026
Anzahl Seiten: 10
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Greenpeace-Studie: Umweltauswirkungen Künstlicher Intelligenz
Anzahl Seiten: 55
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