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Pärchen, auf der Handfläche die Welt als Herz
© Sandra Hoyn / Greenpeace

Früher als viele andere Länder erreicht Deutschland den Erdüberlastungstag

Kein neues Handy, kein neues Shirt – und streng betrachtet auch keine Schokolade, nicht mal ein kleines Stückchen. Zumindest in diesem Jahr. Denn Deutschland hat die ihm anteilig zustehenden Ressourcen für dieses Jahr verbraucht. Nach nur gut vier Monaten. Rechnerisch versteht sich, denn sonst würde es ziemlich düster für die weitere Versorgung der Bevölkerung aussehen. Damit aber alles weiterlaufen kann, lebt das Land auf Pump. 

Auszubaden haben das künftige Generationen: überfischte Meere, abgeholzte Wälder, durch Überdüngung und Chemikalien aus Industrien verunreinigtes Grundwasser – die Liste ließe sich natürlich problemlos verlängern. Etwa um die hohen Treibhausgasemissionen. An diesem Punkt schritt vergangene Woche das Bundesverfassungsgericht ein: Die Bundesregierung müsse das Klimaschutzgesetz nachbessern, da ansonsten künftigen Generationen durch die fortschreitende Erderhitzung eine enorme Last aufgebürdet würde. In der Debatte ging es um das Recht auf Zukunft und um Generationengerechtigkeit. 

Es geht auch um die Lebensgrundlagen anderer Länder

Apropos Gerechtigkeit: Würden alle so viel konsumieren wie wir, bräuchten wir drei Planeten. Weltweit wird der Erdüberlastungstag vermutlich im August erreicht. Die USA hatten bereits am 14. März ihren Anteil an der Natur verbraucht, China ist wohl am 7. Juni dran. Und es gibt Staaten, die keinen Überlastungstag haben, weil sie nicht die Ressourcen verbrauchen, die ihnen rechnerisch zustehen. „Die Bevölkerung in Deutschland lebt nicht nur auf Kosten der eigenen Kinder, sondern verbraucht auch die Ressourcen anderer Länder“, sagt Viola Wohlgemuth, Greenpeace-Expertin für Konsum. „So fahren Fischer:innen vor den Küsten Afrikas mit leeren Netzen nach Hause, weil große Fischindustrien die Bestände gefährden – etwa für den Konsum in Europa.“

Den sogenannten Overshoot-Day ermittelt jährlich das Global Footprint Network. Bis 1970 lag der Verbrauch natürlicher Ressourcen innerhalb der planetaren Grenzen. Seitdem ist die Erdbevölkerung gewachsen – und der Pro-Kopf-Verbrauch an Rohstoffen. 

Deutschland ist veränderbar

Natürlich ist jede:r Einzelne gefragt, welche Urlaubsreise verträglich ist, welches Essen auf den Tisch kommt und ob die fünf Kilometer nicht auch mit dem Rad zu bewältigen wären. Der private Konsum entscheidet viel, aber eben nicht alles. Das fängt beim örtlichen Supermarkt an, der immer noch Kohlestrom bezieht, geht über die Ölheizung in der Mietwohnung und weiter mit einer Autoindustrie, die immer noch auf Verbrenner setzt. Den Rahmen für Veränderung hat die Politik zu setzen. 

„Neben engagiertem Klimaschutz braucht Deutschland auch den Ressourcenschutz“, so Wohlgemuth.  Die Land- und Waldwirtschaft müsse ökologischer, die Energie- und Verkehrswende vorangetrieben werden. "Wir brauchen aber auch eine Abkehr vom Single-Use Wegwerf-Kapitalismus. Sonst werden wir die Klimakrise nicht aufhalten! Die Instrumente für einen Wandel sind da, vom Lieferkettengesetzt, dem Vernichtunsgverbot für Neuwaren bis hin zum Ressorucenschutzgesetzt. Die Politik muss sie nur endlich mutig umsetzen. Klima- und Artenkrise sind große Herausforderungen unserer Zeit. Wenn wir sie jetzt nicht angehen, gefährden wir die Zukunft sehr, sehr vieler Menschen. "

>>> Tipps zum nachhaltigen Konsum finden Sie hier: Systemwandel selbermachen

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