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Land und Leute

Der amtierende Weltmeister gehört mit insgesamt vier WM-Titeln neben Brasilien (fünf Titel) zum Dauerbrenner des Turniers. Italien ist bekannt für seine Teamfähigkeit - auch in Sachen Familie. Allerdings musste der Stiefelstaat diesbezüglich in den letzten Jahren ganz schön Federn lassen: Das Single-Phänomen hat auch hier zugeschlagen. Der Typ italienische Großfamilie, in der Nachkriegszeit noch mit durchschnittlich 4,2 Mitgliedern gesegnet, ist heute auf rund 2,5 Mitglieder gesunken. Single-Haushalte haben überproportional zugelegt.

Den eigenen Ausfall kompensiert das Team Italia mit legalen und gut ausgebildeten Einwanderern. Hier legten die Zahlen seit den 1990er Jahren beträchtlich zu: 2007 sprach das Auswärtige Amt von noch knapp drei Millionen ausländischen Bürgern, in diesem Jahr will das italienische Statistikamt fast 4,3 Millionen Ausländer gezählt haben. Damit verzeichnet Italien eine Ausländerquote von rund 7 Prozent bei etwa 59 Millionen Einwohnern.

Problematisch bleibt der Umgang Italiens mit illegalen Einwanderern und Asylsuchenden. 2008 machte Silvio Berlusconi erst Wahlkampf mit dem Thema - und nachdem er die Regierungsgeschäfte überommen hatte, sofort Ernst. Besonders rumänische (Roma) und afrikanische Flüchtlinge bekamen in den letzten zwei Jahren die harte Hand der neuen Rechtsregierung zu spüren. 2009 wurde ein sogenanntes Sicherheitspaket, das die Kriminalität und illegale Einwanderung bekämpfen soll, von den Regierungsparteien auf den Weg gebracht. Nicht nur die taz betitelte das Maßnahmenpaket, das unter anderem illegale Einwanderung in den Rang einer Straftat erhebt und mit beträchtlichen Strafsummen ahndet, als Jagd auf Ausländer. Die Maßnahmen reichen von verlängerter Haftdauer in Abschiebelagern bis hin zur Anzeigepflicht für Staatsbedienstete, die auf irreguläre Einwanderung stoßen. Auch im Paket: Neugeborene dürfen als Kinder von Illegalen nicht standesamtlich erfasst werden und bleiben rechtlich Niemandskinder - ebenso menschenverachtend wie die Patrouillienboote, die vor der libyschen Küste Flüchtlingsschiffe abfangen sollen. Amnesty International erkannte 2009 im Länderbericht zu Italien ebenfalls schwere Verstöße gegen das Abschiebungsverbot (Non-Refoulement-Prinzip, Artikel 33) der Genfer Flüchtlingskonvention.

Land und Leute

Der amtierende Weltmeister gehört mit insgesamt vier WM-Titeln neben Brasilien (fünf Titel) zum Dauerbrenner des Turniers. Italien ist bekannt für seine Teamfähigkeit - auch in Sachen Familie. Allerdings musste der Stiefelstaat diesbezüglich in den letzten Jahren ganz schön Federn lassen: Das Single-Phänomen hat auch hier zugeschlagen. Der Typ italienische Großfamilie, in der Nachkriegszeit noch mit durchschnittlich 4,2 Mitgliedern gesegnet, ist heute auf rund 2,5 Mitglieder gesunken. Single-Haushalte haben überproportional zugelegt.

Den eigenen Ausfall kompensiert das Team Italia mit legalen und gut ausgebildeten Einwanderern. Hier legten die Zahlen seit den 1990er Jahren beträchtlich zu: 2007 sprach das Auswärtige Amt von noch knapp drei Millionen ausländischen Bürgern, in diesem Jahr will das italienische Statistikamt fast 4,3 Millionen Ausländer gezählt haben. Damit verzeichnet Italien eine Ausländerquote von rund 7 Prozent bei etwa 59 Millionen Einwohnern.

Problematisch bleibt der Umgang Italiens mit illegalen Einwanderern und Asylsuchenden. 2008 machte Silvio Berlusconi erst Wahlkampf mit dem Thema - und nachdem er die Regierungsgeschäfte überommen hatte, sofort Ernst. Besonders rumänische (Roma) und afrikanische Flüchtlinge bekamen in den letzten zwei Jahren die harte Hand der neuen Rechtsregierung zu spüren. 2009 wurde ein sogenanntes Sicherheitspaket, das die Kriminalität und illegale Einwanderung bekämpfen soll, von den Regierungsparteien auf den Weg gebracht. Nicht nur die taz betitelte das Maßnahmenpaket, das unter anderem illegale Einwanderung in den Rang einer Straftat erhebt und mit beträchtlichen Strafsummen ahndet, als Jagd auf Ausländer. Die Maßnahmen reichen von verlängerter Haftdauer in Abschiebelagern bis hin zur Anzeigepflicht für Staatsbedienstete, die auf irreguläre Einwanderung stoßen. Auch im Paket: Neugeborene dürfen als Kinder von Illegalen nicht standesamtlich erfasst werden und bleiben rechtlich Niemandskinder - ebenso menschenverachtend wie die Patrouillienboote, die vor der libyschen Küste Flüchtlingsschiffe abfangen sollen. Amnesty International erkannte 2009 im Länderbericht zu Italien ebenfalls schwere Verstöße gegen das Abschiebungsverbot (Non-Refoulement-Prinzip, Artikel 33) der Genfer Flüchtlingskonvention.

Geografie, Staat, Fußball

  • Fläche: 301.277 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 59,131 Millionen
  • Hauptstadt: Rom
  • Amtssprache: Italienisch
  • Staatsform: Republik, parlamentarische Demokratie mit Zweikammersystem
  • Unabhängigkeit: 2. Juni 1946
  • Fußball-Weltmeisterschaften ohne Bella Italia? Geht gar nicht: Lediglich zweimal ließ der Stiefelstaat seit 1930 das sportliche Großereignis ohne Teilnahme passieren. In Südafrika greifen sie jetzt zum 17. Mal nach der Krone.

Wirtschaft

Der amtierende Fußballweltmeister zeigt echte Schwächen im globalen Wirtschaftswettkampf. 2009 schloss der Außenhandel wieder mit einer defizitären Bilanz - zum sechsten Mal seit 1992. Wie die meisten anderen europäischen WM-Konkurrenten ist auch Italien reichlich verschuldet und erreicht zur Zeit nicht die Maastricht-Kriterien. Beim Abbau der hohen Arbeitslosigkeit schlug sich das Land in den letzten Jahren schon besser: 2007 sank die Quote auf 6,1 Prozent (1999 11,4 Prozent), stieg aber bis Anfang dieses Jahres wieder auf 8,6 Prozent - die Wirtschafts- und Finanzkrise grüßt auch Italien.

Wichtigste Exportgüter sind: Textilien, Möbel, Bekleidung, Lederwaren, Maschinen- und Metallerzeugnisse sowie Nahrungsmittel. Liebste Handelspartner beim Export sind Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien.

Natur und Umwelt

Italien steht auf einem der vorderen Tabellenplätze in der europäischen Biodiversitäts-Liga. Doch die Artenvielfalt ist bedroht: Neben den üblichen Lebensraumzerstörungen und zunehmenden Umweltbelastungen sind es Jagd und Vogelfang, vor denen viele der in Italien beheimateten Tierarten geschützt werden müssen. Leider auch in den 22 Nationalparks Italiens (fünf Prozent der Landesfläche). Insgesamt sind rund acht Prozent der Apenninhalbinsel als Naturschutzfläche ausgewiesen.

Im offiziellen Meeresschutz sind die Italiener recht aktiv. Mit seinen 28 Meeres- und Küstenschutzgebieten belegt das Land einen guten 16. Platz im internationalen Ranking (2006). Das heisst jedoch nicht, dass anderenorts nicht geplündert wird: beispielsweise vor den Küsten Afrikas. Die eigenen Gewässer wurden bis 2001 mit der größten Treibnetzflotte im Mittelmeer ausgeräubert. Dieses Jahr allerdings zeigten die Italiener, wie der Ball zu laufen hat und verboten ihrer Fischereiflotte den Fang von Rotem Thunfisch. Die italienische Fangquote wird 2010 ausschließlich der traditionellen Kleinfischerei zugestanden.

Apropos Essen: Obwohl das Land mit fast neun Prozent ökologisch bewirtschafteter Fläche (gemessen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche) EU-Vizemeister ist (2007), gibt es nach wie vor heftige Abzüge für stark pestizidbelastetes Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau. So fand Greenpeace im letzten Spritzmitteltest für Salate in einem einzigen Blatt Rückstände von 13 verschiedenen Pflanzenschutzmittel - und zückte die dunkelrote Karte!

Auch beim Klimaschutz gibt es kräftig Punktabzüge: Zwar hat Italien 2002 das Kyoto-Protokoll ratifiziert und stellt erschrocken Auswirkungen des Klimawandels fest, etwa die zunehmende Verwüstung des Südens, leere Wasserreservoirs oder Extremwetter in Touristenregionen. Doch konsequenter Klimaschutz sieht anders aus: Im Klimaschutzindex 2010 von Germanwatch erreichte der Stiefel gerade mal den 44. Platz - von 60 Nationen.

Fußball und Wein

2006 erschütterte ein handfester Fußballskandal die Nation: Ehrwürdige Traditionsvereine wie AC Mailand, Juventus Turin oder Lazio Rom sollen damals in geheime Spiel-Absprachen verwickelt gewesen sein. Bei der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft treten die Squadra Azurra ohne aktuellen Sportskandal auf - trotzdem bleibt Korruption innenpolitisch ein heißes Thema. Seit der letzten WM rutschte Italien vom 50. Rang im internationalen Korruptionsindex auf Platz 63. Diese Statistik kann man sich kaum schön trinken - obwohl, wer weiß? Immerhin wird in keinem anderen Land der Welt so viel Wein produziert wie in Italien. Prost!

(Autorin: Simone Wiepking)

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