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Abholzung in Malaysia

Wie die WTO die letzten Urwälder wegverhandelt

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Die neue Zauberformel der Welthandelsorganisation heißt NAMA: non-agricultural market access. Zu Deutsch: nichtagrarischer Marktzugang. Gemeint ist der Handel mit Industriegütern. Dazu zählt die WTO auch die Produkte der Wälder und der Meere. Mit anderen Worten: In dieser Denkart sind Bäume und Fische Industriegüter.

In diesem Denken spielt es auch keine Rolle, ob ein Schrank, ein Tisch, eine Gartenbank mit Holz aus Urwaldraubbau oder aus ökologischer Forstwirtschaft hergestellt wurde. Im Gegenteil,wer die letzten Wälder erhalten will und FSC-zertifiziertes Öko-Holz bevorzugt, macht sich schuldig: Er verzerrt den freien Wettbewerb.

Wer die Einfuhr von Holz aus Urwaldzerstörung verbieten will, verstößt gegen den Freihandel. Das Gleiche gilt für das Kennzeichnen von Öko-Holz. Urwaldschutzmaßnahmen sind unter solchen Voraussetzungen nicht möglich. Wenn es der WTO in Hongkong tatsächlich gelingt, den Import und Export von Holz und Holzprodukten weiter zu erleichtern, sieht es für die letzten Urwälder schlecht aus.

Urwälder, Holz und Holzprodukte gehören nicht auf den Verhandlungstisch der WTO, fordert Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace. Sonst landen unsere letzten Urwälder noch restlos auf der Welthandelsflotte.

Das ist keineswegs übertrieben, wie aus den aktuellen Zahlen der Welternährungsorganisation (FAO) hervorgeht. Demnach gehen jedes Jahr mehr als 13 Millionen Hektar Urwald verloren. Das entspricht der Fläche Griechenlands. Der grenzüberschreitende Holzhandel ist 200 Milliarden US-Dollar jährlich wert.

Weltmacht WTO

Ein Staat, der aus ökologischen Gründen die Einfuhr von Urwaldholz verbieten oder bei öffentlichen Bauten nur Holz mit dem Öko-Siegel FSC verwenden möchte, riskiert einen Streit mit der WTO. Schon die Drohung mit einem WTO-Streitfall schreckt viele Regierungen ab, weil Strafzölle in Millionenhöhe drohen können.

Ein Beispiel: Die Bundesregierung hat ein von Greenpeace angestoßenes Urwaldschutzgesetz vorgelegt. Danach sollen der Besitz und der Handel mit Holz aus illegalen Quellen und aus Urwaldzerstörung strafbar werden. Doch auch aus Sorge vor Handelssanktionen bleibt die Umsetzung bisher auf der Strecke.

Regierungen müssen das Recht haben, die Urwaldkrise zu bremsen, indem sie ihre Grenzen für illegal gefälltes Holz oder Holz aus Urwaldzerstörung schließen, sagt Martin Kaiser. Nur wenn den Holzkonzernen der lukrative Absatzmarkt versperrt wird, können die Wälder aufatmen und die Waldbesitzer in Deutschland lachen. Die Importe aus Raubbau sind vielfach günstiger als Holz aus ökologischer und sozial gerechter Waldnutzung.

Die Greenpeace-Studie zeigt, dass die fortschreitende Urwaldzerstörung Menschen heimatlos macht und in die Armut treibt. Aber auch aus wirtschaftlicher Sicht ist der angestrebte WTO-Freihandel für Holzprodukte langfristig nicht sinnvoll. Denn wenn die Zerstörung der Urwälder so weitergeht, gibt es in der nächsten Generation nur noch minderwertiges Plantagenholz.

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