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E-Auto an der Zapfsäule
© Bernd Hartung / Greenpeace

Datenrecherche zur Elektromobilität: Unterschätzte Dynamik

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Teile der Bevölkerung und der Politik in Deutschland hegen weiterhin Vorbehalte gegenüber Elektroautos. Dabei deuten aktuelle Daten auf eine sich global beschleunigende Verbreitung und ein schnelles Ende für Benzin- und Dieselautos hin. Unsere Datenrecherche zeigt außerdem: Schwellenländer wie Thailand oder Kolumbien überholen die EU aktuell bei der Elektromobilität.

Elektroautos befinden sich weltweit auf einem steilen Wachstumspfad: Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Anzahl der in einem Kalenderjahr neu zugelassenen rein elektrischen Autos (BEV = Battery Electric Vehicles) vervierzigfacht. In China fuhr 2025 bereits jeder dritte Neuwagen rein elektrisch, in Norwegen lag der Anteil an allen Pkw-Neuzulassungen sogar bei 96 Prozent.

Trotz dieser rasanten Entwicklungen hält sich hartnäckig die Behauptung, Elektroautos würden sich nur langsam durchsetzen und seien für einige Weltregionen keine Lösung. Die Daten der letzten Jahre sprechen eine andere Sprache: Seit 2021 nehmen die Verkäufe von Elektroautos sprunghaft zu, bei anhaltender Dynamik werden in weniger als fünf Jahren erstmals mehr Elektroautos neu zugelassen als Autos mit Verbrennungsmotor. Für unsere Datenrecherche haben wir bisherige Verkaufsanteile ausgewertet und zukünftige Werte mit statistischen Modellen extrapoliert.

Die Marktanteile von Elektroautos entwickeln sich bisher ähnlich wie die anderer neuer Produkte während früherer Technologiewechsel: in Form einer S-Kurve. Gemäß dieser gängigen Wachstumskurve der Diffusionstheorie erschließen neue, innovative Produkte zunächst nur kleine Nutzergruppen, etwa weil sie teurer sind als vorhandene Alternativen oder technisch noch nicht ausgereift. Sinkt der Preis und verbessert sich der Nutzen, beschleunigt sich die Geschwindigkteit des Hochlaufs - die Technologien wachsen exponentiell.

Abgeschlossene Technologiediffusionen in Form von S-Kurven lassen sich beispielsweise für Flachbildfernseher oder Digitalkameras nachweisen. Beide Technologien verdrängten mit ihrem Markthochlauf bestehende Alternativen (Röhrenfernseher, analoge Kameras). Forscher haben die Marktdurchdringung in Form von S-Kurven für Dutzende weitere Technologien nachgewiesen.

Trotz zahlreicher historischer Beispiele haben selbst Branchenexperten häufig Probleme, Marktentwicklungen korrekt vorherzusagen. Das liegt auch am „Exponential Growth Bias“: Da viele Dinge im Leben linear verlaufen, fällt es Menschen schwer, exponentielles Wachstum richtig einzuschätzen - selbst dann, wenn sie eigentlich wissen, wie es funktioniert.

Noch vor wenigen Jahren schrieben verschiedene Strategieberatungen die historischen Verkaufszahlen von Elektroautos schlicht in die Zukunft fort. So prognostizierte die Strategieberatung JPMorgan im Jahr 2018 einen Elektroauto-Marktanteil von 9 Prozent für 2025, die Boston Consulting Group sagte im Jahr 2020 sogar nur 7 Prozent voraus. Tatsächlich lag der Anteil von BEV am weltweiten Neuwagenmarkt im Jahr 2025 bereits bei 17 Prozent.

Ein besonders anschauliches Beispiel für exponentielles Wachstum ist der Markterfolg der Photovoltaik: Über Jahre und regelmäßig unterschätzten die Rechenmodelle der Internationalen Energieagentur (IEA) den jährlichen Zubau. Die tatsächlichen Neu-Installationen waren teilweise drei bis vier Mal so hoch wie die IEA für ihre zentralen Szenarien des World Energy Outlook berechnet hatte.

Global befindet sich die Elektroauto-Entwicklung auf einem ähnlichen Pfad wie die Photovoltaik vor zehn Jahren: 2015 betrug der Anteil von Solarstrom (Photovoltaik + Solarkraftwerke) am gesamten Zubau neuer Stromerzeugungskapazitäten weltweit 17,7 Prozent (BEV-Anteil an den Neuzulassungen 2025: 17%). Der Anteil an der gesamten installierten Stromerzeugungskapazität betrug im selben Jahr 3,75 Prozent (BEV-Anteil an der weltweiten Pkw-Flotte 2025: ca. 3,5 bis 4%). Folgen Elektroauto-Neuzulassungen weiter dem Solar-Pfad, wären schon 2033 alle Neuwagen elektrisch.

Ein Grund für die ähnliche Dynamik liegt in der analogen Preisentwicklung von Solarmodulen und Batterien: Zwischen 2003 und 2015 sanken die PV-Preise dank Lern- und Skaleneffekten um 86,5 Prozent. Batterien, die Kernstücke von E-Autos, verbilligten sich zwischen 2013 und 2025 um 87 Prozent.

Die sinkenden Preise verstärken die Nachfrage nach Elektroautos: In Ländern, die lange Zeit als Nachzügler bei der Antriebswende gesehen wurden, gewannen E-Autos in den letzten Jahren überdurchschnittlich schnell Marktanteile. Beispielhaft haben wir die Zulassungszahlen in Thailand, Kolumbien und Uruguay ausgewertet. Der Anteil von BEV an allen Neuzulassungen lag 2025 in Thailand (19,6%) und Uruguay (28,1%) bereits über dem der EU (17,4%), in Kolumbien ist der Anteil von 0,7 Prozent in 2022 auf 8,7 Prozent in 2025 hochgeschnellt. Alle drei Länder befinden sich derzeit auf einem deutlich steileren BEV-Pfad als die EU.

Das Tempo beim Hochlauf von Elektroautos hat Auswirkungen auf die Menge der benötigten Ölimporte sowie den Ausstoß von CO2. Würde die EU ab jetzt in dem Tempo Elektroautos adaptieren wie Norwegen ab dem Jahr 2018, könnte sie 2033 bei 96 Prozent BEV-Anteil stehen und ein Jahr später bereits komplett auf die Neuzulassungen von Verbrennern verzichten.

Dieser beschleunigte Hochlauf könnte in den kommenden 25 Jahren rund 1,4 Gigatonnen CO2 und rund 500 Milliarden Liter Kraftstoff zusätzlich einsparen. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 lag der Verbrauch (Benzin und Diesel) von Pkw in Deutschland bei 43,5 Milliarden Liter.

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Der weltweite Markt für Elektromobilität entwickelt sich genauso rasant wie frühere Technologiesprünge in der Photovoltaik. Das zeigt eine neue Datenrecherche von Greenpeace.

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